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Von Käfigkampf und Kolosseum

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Aggressiv, brutal und gefährlich. Kampfsport genießt hierzulande nicht den besten Ruf. Selbst das klassische Boxen, welches in Deutschland durchaus lange Tradition kennt, wird häufig als stumpf und roh abgestempelt. Und Kampfkünste, die uns noch eher fremd sind, wie beispielsweise Kickboxen oder sogenannte ‘Mixed Martial Arts’ (MMA), die ihre Wurzeln im fernen Osten oder Südamerika haben, werden als besonders wild und blutrünstig angesehen. So gab es in Deutschland für MMA oder ‘Free-Fight’, wie es in den Neunzigern noch genannt wurde, lange ein Sendeverbot, weil diese Art des Kampfes besonders brutal wirkt. Der Name ‘Free-Fight’ suggeriert bereits einen Kampf ohne festes Regelwerk. Die Athlet*innen dürfen schlagen, treten und würgen, selbst wenn der Gegner bereits am Boden liegt und zu allem Überfluss finden diese Begegnungen auch noch in Käfigen aus Maschendraht statt. Ob es hier überhaupt noch Regeln gibt, ist für den Laien nur schwer ersichtlich und der gezielte Einsatz von Gewalt gegen den Kontrahenten ist nicht zu bestreiten. Schließlich heißt es nicht umsonst Kampfsport. Selbst die Superstars unter den Profikämpfern sind oftmals zumindest kontroverse Medienfiguren. Die jüngsten Beispiele hierfür sind Floyd Mayweather und Conor McGregor, die sich erst im Sommer diesen Jahres im wohl größten Box-Event aller Zeiten die Stirn boten. Auf der Medientour vor dem Kampf beschimpften sich die Beiden ununterbrochen und konnten nicht aufhören mit ihrem Reichtum zu protzen. Aber das Publikum hat eifrig mitgefiebert und Partei ergriffen und der Kampf war für beide Sportler und sämtliche Sponsoren und TV-Sender ein voller Erfolg. Und Erfolg gibt bekanntlich Recht, zumindest in einem gewissen Maße.

Nun ist es eben – wie in vielen Fällen – so, dass der Schein etwas Trügerisches an sich hat, denn obwohl Gewalt unbestritten ein Teil des Sports ist, übersieht man oft die eiserne Disziplin, mit welcher Tag ein Tag aus in Kampfkunstschulen weltweit trainiert wird. Auch lernt man dort von Beginn an größten Respekt gegenüber anderen, sich selbst und den eigenen Fähigkeiten. Auch wenn es nach außen oftmals anders wirkt, werden Kämpfe in der Regel nicht mit Aggression, sondern mit Präzision geführt, denn wer die Kontrolle über sich selbst und seine Emotionen verliert, verliert meistens auch den Kampf. Auch die Vorstellung, dass besagte Schulen voll sind mit muskelbepackten Kampfmaschinen und Hooligans, ist natürlich völlig verfehlt. In Wahrheit findet man dort Männer, Frauen und Kinder, die nach der Schule, Uni oder einem langen Arbeitstag gemeinsam aktiv sein und Spaß am Training haben möchten. Der Umgangston ist in aller Regel respektvoll und freundschaftlich und im härtesten Fall sportlich streng und diszipliniert. Kurz gesagt: Man findet hier keine Gewalttäter, sondern Freunde, denn wer sich nicht an die Regeln hält und beispielsweise außerhalb des Sports gewalttätig wird, fliegt aus einer respektablen Schule im hohen Bogen raus.

Im Wettkampf gilt im Normalfall dasselbe Prinzip. Der Gegner, der Ringrichter und die eigene Gesundheit werden respektiert und sportliche Fairness steht an allererster Stelle. Selbst wenn es manchmal nicht den Anschein hat, gibt es durchaus auch im MMA-Bereich strenge Regelwerke, welche dazu gedacht sind die Gesundheit der Athleten zu schützen und einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen. Selbst im Fall Mayweather-McGregor begegneten sich beide Profis nach dem Kampf mit großem Respekt, sodass man davon ausgehen könnte, dass alles Gifteln im Vorfeld in allererster Linie Werbung für das bevorstehende Event und eventuell sogar abgesprochen war. Das sind allerdings nur Spekulationen.

Ein großer Teil der Freizeitsportler*innen werden auch nie an einem Kampf teilnehmen. Sie trainieren den Boxsport, Muay-Thai, Jiu-Jitsu oder Krav Maga lediglich, um fit zu bleiben und den eigenen Körper und dessen Belastbarkeit besser kennenzulernen. Für sie steht der Spaß und die Fitness an erster Stelle und wenn man dabei noch lernen kann, wie man sich in einer Gefahrensituation im Ernstfall selbst verteidigen kann, ist das umso besser.

Zusammenfassend kann man sagen: Kampf ist nicht gleich Kampf. Es handelt sich hier um Sport und nicht um Krieg oder antike Gladiatorenkämpfe. Regeln sind Vorhanden und haben beachtet zu werden. Natürlich gibt es, wie überall, auch in diesem Bereich schwarze Schafe und selbstverständlich kann ein Schlag zum Kopf gefährliche Verletzungen nach sich ziehen. Aber ein gewisses Verletzungsrisiko gibt es beim Sport leider immer und deshalb alles zu verteufeln, wofür die mannigfaltigen Kampfkünste aus aller Welt stehen, wird der Sache nicht gerecht.

Constantin Fuchs