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“Countries are just lines drawn in the sand with a stick” (Enter Shikari)

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Rassismus, Intoleranz, Sexismus, Antisemitismus, Hass, Nationalismus, Antifeminismus, Faschismus, um nur einige Wörter zu nennen, die für manche Menschen als Rechtfertigung zur Grenzziehung zwischen „Wir“ und „den Anderen“ dienen. Sie konstruieren Identitäten über Abgrenzungsmechanismen, die ein klares Gegenüber aufweisen, das es zu „bekämpfen“ gilt. Diese Abgrenzung tragen einige ihr Leben lang mit sich herum, ohne jemals zu erkennen, dass „die Anderen“ nichts weiter getan haben, als den selben Zufallsfaktor der Existenz aufzuweisen.

Unter dem Motto „Grenzen überwinden“ hat die selbstorganisierte Würzburger Gruppe „Peace, Love & Solidarity“ am Donnerstag, den 9.11.2017, zu einer Kundgebung am Vierröhrenbrunnen eingeladen. Der 28-jährige „Geburtstag“ des Mauerfalls in Deutschland eignete sich gut, um aktuelle Thematiken mit historischen Ereignissen zu verknüpfen. Das Ziel der Kundgebung war es, Analogien in den Köpfen der Menschen herzustellen, zwischen dem was war und dem, was gerade passiert.

Die benannten „Grenzen“ nehmen heute die vielfältigsten Formen an. Sie können physischer Natur sein wie die Mauer, die Lima (Peru), in zwei Teile trennt: Arm & Reich. Es kann die imaginierte Mauer Donald Trumps sein, die zumindest in seinem Kopf schon längst die USA von Mexiko trennt. Es können die Grenzzäune sein, die einige zentral- und osteuropäische Länder um sich errichtet haben. Grenzen und Mauern finden wir heute wie damals überall.

Der Mauerfall spielt deswegen eine so große Rolle, weil hier die Mauer überwunden und eingerissen wurde. Familien, Freunde, Liebende, Menschen jeglicher Colour, die durch die Mauer auseinandergerissen wurden und 28 Jahre in unterschiedlichen Staaten leben mussten, konnten sich wiedervereinigen. Die künstliche Aufteilung Deutschlands in Ost und West war Vergangenheit. Diesem historischen Ereignis gedachte man am 9.11.2017, aber was man dabei vergisst, ist, dass Mauern, Grenzen und Zäune in der heutigen Zeit wieder eine Renaissance erleben. Sie sprießen aus dem Boden und den Köpfen der Menschen.

Viele Parteien und Verbünde (z.B. AfD, Front National, Lega Nord) schüren den Bau dieser Grenzen und befeuern ihn mit Stammtischparolen. Mit Erschrecken kann man beobachten wie rechtes, fremdenfeindliches Gedankengut wieder Einzug in die Köpfe der Menschen nimmt und salonfähig gemacht wird. War es vor einigen Jahren noch undenkbar, dass xenophobe Ideen wieder wählbar werden, sind sie mit den Bundestagswahlen 2017 sogar ins Parlament eingezogen.

Es bleibt nicht mehr viel übrig von der alten Weisheit, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Geschichte verläuft anscheinend doch zirkulär und wiederholt sich ständig selber.

In unserer heutigen, globalisierten Welt lösen sich nationale Strukturen immer weiter auf. Die Reduktion der Komplexität unseres Daseins durch klare Abgrenzungen – ob territorial oder anderer Art – ist nicht länger möglich. Diese Entwicklungen schreiten schnell voran, zu schnell für viele Menschen. Allerdings stellen Gewalt und Rassismus, Angst und Feindlichkeit keine nachhaltigen Lösungswege für die aktuellen Vielfachkrisen dar. Es braucht eine geistige Revolution sowie einen Wertewandel hin zu einer solidarischen Gemeinschaft, die weder Umwelt noch Menschen ausbeutetet, sondern in Liebe und Frieden koexistiert. Der gemeinsame Nenner dieser Gemeinschaft sollte allein das Menschsein sein.

Zum Glück haben das bereits viele erkannt und bekämpfen in ihrem Rahmen und mit ihren Mitteln Grenzziehungen, Rassismen, Diskriminierung und viele weitere abscheuliche Wörter und Inhalte: so auch Peace, Love & Solidarity aus Würzburg. Ein lockerer, selbstorganisierter Verbund aus Aktivist*innen, die sich neben vielen weiteren politischen und sozialen Themen vornehmlich für geflüchtete Menschen einsetzen und darüber hinaus die politische Situation in Deutschland und Europa anprangern.

„Als Peace, Love & Solidarity organisieren wir gemeinsam kulturelle und politische Projekte und Veranstaltungen, um Räume zu schaffen, in denen Menschen sich austauschen und organisieren können. Nur durch persönliche Begegnungen, die von Respekt und Solidarität geprägt sind, kann gesellschaftlichen Ausgrenzungsmechanismen, wie Kapitalismus, Sexismus, Rassismus, Homophonie (…) entgegengewirkt werden“, wie es auf ihrer Internetseite heißt.

Sie riefen am Donnerstag, den 9.11.17, dazu auf, Grenzen und Mauern gemeinsam zu überwinden. Zusammen mit Teilnehmer*innen und Passant*innen errichtete die Gruppe auf dem Platz neben dem Vierröhrenbrunnen in der Würzburger Innenstadt eine Mauer aus Pappkartons. Mit bunten Farben konnte jede*r das schreiben, was es zu überwinden gilt: Rassismus, Rechtspopulismus, Engstirnigkeit, Sexismus, Faschismus, die Festung Europa sind nur einige Stichwörter, die auf die Kartons gesprayt wurden. Andere versahen die Wörter mit einem großen X, um gleich klarzumachen, dass es für dieses Gedankengut keinen Platz gibt. Am Ende wurde die Mauer von den Teilnehmer*innen gemeinsam eingerannt und symbolisch überwunden. Jede*r war herzlich eingeladen an der Aktion teilzunehmen und sich beim offenen Mikrofon zu äußern. Die Beträge enthielten einerseits Appelle zum Nachdenken und menschlichen Handeln und erzählten andererseits über persönliche Schicksale von Menschen, die von Abschiebungen, Grenzziehungen und der Einmauerung Europas diskriminiert werden.

Darüber hinaus veranstaltete die Gruppe bereits mehrere Soli-Partys für geflüchtete Menschen. Im Juni 2017 organisierten sie eine Tanz-Demo durch die Würzburger Innenstadt unter dem Motto „Unser Fest gegen ihre Festung“. Sie machten aufmerksam auf die Abschottung Europas sowie die unmenschliche, willkürliche Abschiebepolitik der Bundesregierung. Des Weiteren organisierte die Gruppe im Verbund mit weiteren engagierten Gruppierungen aus Würzburg, wie dem MediNetz, Mehr als 16a und der Initiative Bleiberecht die montäglichen Mahnwachen gegen Abschiebungen.

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Julia Boving