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Feminismus – viel mehr als ein Trend

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Das Wort „Feminismus“ sollte nun spätestens bei jedem und sogar in der breiten Masse der Bevölkerung angekommen sein. Nicht zuletzt durch Statement-Shirts schwedischer Modeketten, die den Trend von Luxuslabels übernahmen und nun in der Gesellschaft salonfähig machten. Ob dies nun positiv oder negativ zu bewerten ist, sei dahingestellt. Vor allem aber wird nun endlich darüber geredet – auch wenn mancher nur den Trend mitmacht – es steckt eine Message dahinter!

Durch meine Zulassungsarbeit im Rahmen meines Lehramtsstudiums mit dem Titel „Feminisierung einer Profession“ wollte ich ergründen, warum anteilsmäßig so viel mehr Frauen im Grundschullehramt tätig sind, als Männer. So entwickelte ich immer mehr Interesse für die Frauenbewegungen und vor allem die Geschlechtergerechtigkeit, die im Jahre 2017 immer noch nicht existiert!

Doch zuerst zur Definition: Was bedeutet Feminismus eigentlich?

Auf jeden Fall bedeutet es nicht, dass nun alle Ökoemanzen Männer hassen, wie es in so vielen Vorurteilen mitschwingt. Mir scheint es, dass so mancher sogar regelrecht Angst vor „starken“ Frauen hat. (Doch muss man meiner Meinung nach nicht besonders stark sein, um eine eigene Meinung zu haben und diese zu vertreten…😊)

Auf Google wird das Substantiv „Fe·mi·nịs·mus“ [der] als „eine Ideologie und gesellschaftliche Bewegung, die die Gleichberechtigung der Frau in allen Lebensbereichen und eine Veränderung der gesellschaftlichen Rollen von Frauen anstrebt“ bezeichnet.

Gleichberechtigung klingt gut. Das müssten doch auch die Herren der Schöpfung endlich einsehen. Aber warum nennt man diese Bewegung dann nicht „Equalismus“ oder „Gendergleichstellung“?

In meinem Lieblingspodcast (http://lila-podcast.de/) wurde auf diese Frage sehr geschickt geantwortet. Dies möchte ich gern ähnlich übernehmen. Würde man also eine neue Bewegung mit anderen – vielleicht mit weniger Vorurteilen und Ängsten behafteten Begriffen – benennen, so würde man die Jahrhundertelange Arbeit vieler Frauen nicht mehr berücksichtigen. Wir knüpfen an die Vergangenheit an und „kämpfen“ weiter. Wir stellen eine Verbindung zur Historie des Begriffs der Frauenbewegung her, welche die „Bewegung zur Lösung der Frauenfrage“, die die Gleichberechtigung der Geschlechter im gesellschaftlichen Leben, getragen von den sogenannten Frauenrechtlerinnen, bezeichnet. Sie begann in verschiedenen Ländern mit der allgemeinen politischen Freiheitsbewegung um 1848 und verlief in drei Richtungen: zum einen gab es die die Frauenbildungsbewegung, welche den Zugang zu allen männlichen Bildungsstätten und Berufen erstrebte und so 1908 den Zugang zu den Hochschulen erlangte. Zum anderen spricht man von der sozialen Frauenbewegung, welche sich für die Hilfe der unterdrückten und notleidenden Industrie- und Heimarbeiterinnen und die gesetzliche Regelung der Frauenarbeit einsetzte. Die politische Frauenbewegung – oft auch Emanzipation der Frau genannt – zielt auf die rechtliche und politische Gleichstellung von Mann und Frau ab, besonders das Frauenwahlrecht (Vgl. Herder Lexikon Soziologie. 1976) Außerdem würde man bei diesen anderen Begriffen eventuell den Fokus verlieren. Es existieren noch viele andere Ungerechtigkeiten, aber wir konzentrieren uns erst einmal auf die Frauengleichberechtigung – eben dem Feminismus.

Okay. Was in der Vergangenheit geschah ist ja alles schön und gut, aber warum ist Feminismus heute noch so brandaktuell?

Ich denke, dass es super wichtig ist unsere Gesellschaft zum Umdenken zu mobilisieren. Es kann nicht sein, dass Frauen immer noch viel weniger Geld für die gleiche Arbeit bekommen, weil sie eventuell einen Risikofaktor darstellen. Unter dem Fachbegriff Gender Pay Gap erfährt man zum Beispiel auf der Seite des Statistischen Bundesamts, dass der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen im Jahr 2015 um 21 % niedriger, als der Verdienst der Männer ausgefallen ist. Ebenso bezog sich die Autorin Ilse Brehmer in ihrem Buch „Lehrerinnen. Zur Geschichte eines Frauenberufes“ auf diese Ungleichheit, die sie schon damals im Jahr 1980 voller Empörung wie folgt schildert. „Weil die berufliche Karriere des Mannes als „normal“ gilt, wird die Frau zum „Unsicherheitsfaktor“ und zu einer „Fehlinvestition“. Warum ist es nicht normal, daß man die Form seiner gesellschaftlichen Arbeit in seinem Leben verändert? Warum ist es nicht normal, Kinder zu bekommen und für sie zu sorgen? Nur weil Männer unfähig sind, schwanger zu sein, zu gebären und zu stillen, sollte man diese Dinge nicht als gesellschaftlich abartig darstellen.“ (S.199.)

Männer erhalten bessere Aufstiegschancen und eine bessere Bezahlung, weil sie nicht durch die Geburt eines Kindes ausfallen. Würden Männer öfter die auch ihnen zustehende Elternzeit, die für ein leibliches Kind sowohl für die Mutter als auch für den Vater auf längstens drei Jahre besteht, in Anspruch nehmen (und dies auch bei sehr gut bezahlten Arbeitsplätzen), so würde meiner Meinung nach endlich ein Umdenken in den Chefetagen nach und nach stattfinden können.

Doch nicht nur in diesem Bereich sehe ich akuten Handlungsbedarf. In den Köpfen der Männer – ob gebildet oder weniger – ist es anscheinend immer noch als Kompliment verstanden, wenn sie einer Dame hinterherpfeiffen – auch catcall genannt. Dass dies eher mit Erniedrigung des weiblichen Geschlechts gleichzusetzen ist, kommt ihnen leider keineswegs in den Sinn. In dem Video „What if we talked about male bodies the way we talk about female bodies“ welches von attn: zum Beispiel auf Facebook und Twitter veröffentlich wurde, wird der Spieß einmal herumgedreht, indem Frauen Männer auf ihre Körper reduzieren, ihre Körper kommentieren und den Männern all diese Bemerkungen und unangenehmen Flirts an den Kopf werfen.

Jeder Mensch sollte Feminist sein, egal welches Geschlecht, egal welches Sozialprestige, egal welcher Ethnie oder Religion angehörig, egal ob in der Öffentlichkeit tätig oder als Hausfrau in der Familie. Es ist kein Wettstreit, wer nun der bessere, der richtige oder echte Feminist ist. Jeder kann etwas tun, um die Gesellschaft nur ein bisschen zu verändern. So postet Suzie Grime beispielsweise eine ganze Videoreihe zum Thema Feminismus auf youtube, Jennifer Rostock greift die Thematik in ihrem Song „Hengstin“ auf und die Parodie „Verdammte Schei*e“ von Giulia Becker, welche schon fast zur Parole geworden ist ging viral durchs ganze Netz.

Es geht mir darum, dass wir uns füreinander einsetzen.

Wir können aufklären, erklären und informieren, um die Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Ich bin keine schlecht gelaunte Zimtzicke, die sich sinnlos aufregt. Meine Wut hat einen Grund. Ja, ich bin eine Frau; Nein, ich lasse mir den Mund nicht verbieten!

Ich möchte, dass mehr Menschen unserer Gesellschaft die kleinen und großen Ungerechtigkeiten im Alltag erkennen und für mehr Gerechtigkeit kämpfen. Natürlich kann ich so die Welt nicht retten, aber wenn jeder ein bisschen dazu beiträgt kann sie zu einem besseren Ort für uns und unsere Kinder werden. Ich möchte mich einfach wohler fühlen. Ich möchte nicht schief angeguckt werden, wenn ich mich in einer Bar über Menstruationstassen unterhalte. Ich möchte nicht gefragt werden, ob alles okay ist, nur weil ich ungeschminkt bin und deswegen wohl kränklich aussehe. Ich möchte keine Angst mehr auf dem Heimweg durch den Park haben, nur weil ich eine Frau bin.

Danke, dass ich diese Zeilen schreiben durfte, danke fürs Lesen und dreifachen Dank an euch, wenn ihr mitdenkt, weiterdenkt und endlich handelt!! (Wer Anmerkungen / Anregungen von anderen tollen Projekten etc. hat, kann gern auf mich zukommen 😊)

Peace out, eure Josefine Praline xxx

BÜCHEREMPFEHLUNGEN:

  • „Wir Alphamädchen. Warum Feminismus das Leben schöner macht“ von Meredith Haaf, Susanne Klingner und Barbara Streidl (2008)
  • „We should all be feminists“ von Chimamanda Ngozi Adichie (2014)
  • „Little book of feminism“ von Harriet Dyer (2016)

Josefine Lietz