Film Review: Three Billboards outside Ebbing, Missouri
Die Oscar-Saison ist eröffnet und für alle Interessierten gab es am 17. Januar im Programmkino Central die Möglichkeit, einen starken Kandidaten für gleich mehrere Nominierungen zu sehen.
In Zusammenarbeit mit dem Institut für Anglistik und Amerikanistik lief der Film „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ von Martin McDonagh. Es ist der inzwischen vierte Film des irischen Drehbuchautors seit 2006. Während McDonagh sich bis hierhin einen Ruf mit äußerst dunklen, teils absurden Komödien wie „Brügge Sehen und Sterben“ machte, kommt man bei diesem Werk fast nicht darum, ihn als sein erstes Drama zu bezeichnen. Dass der Film preisverdächtig ist, bewies er bereits bei den Golden Globes Anfang Januar, wo er sechs Nominierungen und vier Preise für sich beanspruchen konnte.
In Anspielung auf seinen etwas sperrigen Titel erblickt man gleich in den ersten Szenen des Films drei verfallene Werbetafeln am Rande einer fast verlassenen Straße. Während der Einstieg des Filmes uns noch ein verhangenes und verlorenes Fleckchen Erde irgendwo im Mittleren Westen der USA präsentiert, füllt sich das Bild bald mit hektischen Leben, und die Geschichte hinter diesen Tafeln enthüllt sich dem Zuschauer.
Es ist etwas Grausames passiert in Ebbing, Missouri: Die kaltblütige Vergewaltigung und Ermordung der jungen Angela Hayes. Nachdem die Polizei sich schwertut, auch nur die kleinste Spur zur Aufklärung des Verbrechens zu finden, setzt Angelas Mutter Mildred den Polizeichef mit drei anklagenden Botschaft auf eben diesen Werbetafeln unter Druck.
Die Charaktere des Filmes, allen voran Hauptfigur Mildred, gespielt von Frances McDormand, und Chief Willoughby (Woody Harrelson) bieten zu Anfang einiges an Spannung auf. Gepackt von dieser Dynamik hätte es wohl wenige Zuschauer überrascht, wenn Mildred und der Polizeichef sich am Höhepunkt zum Westernduell auf einer staubigen Hauptstraße getroffen hätten.
Stattdessen entfalten sich in schneller Reihenfolge einige sehr zeitgenössische Themen, die McDonagh allerdings nur oberflächlich streift, statt sie wirklich tiefgehend anzusprechen. Wer sich von diesem Film Antworten auf die heutigen sozialen und kulturellen Fragen in den USA erwartet, wird eher enttäuscht werden.
Was sich dem Kinogänger stattdessen bietet, ist eine feine Dramatik. Während McDonagh sich nie ganz von seinem typischen Humor mit kantigen Charakteren und einigen Lawinen von Schimpfwörtern und Tiraden löst, bringt er doch einiges an Abwechslung mit herein.
Die Essenz seiner Geschichte lässt sich vielleicht in einer aufrichtigen Konfrontation mit den ganz schwierigen menschlichen Gefühlen finden: Schmerz, Trauer, Wut und Hass.
Die drei Hauptcharaktere Mildred, Chief Willoughby und der etwas hilflose Polizist Jason, gespielt von Sam Rockwell, stellen sich im weiteren Ablauf des Filmes alle ihren ganz eigenen Herausforderungen.
Man mag nun einige der Story-Wendungen, der sich McDonagh bedient, für etwas sperrig halten, aber letzten Endes stehen eine einzigartige Geschichte und die herausragenden schauspielerischen Leistungen im Vordergrund. Abgerundet werden diese durch die stimmige Kameraführung, die sich nie in den Vordergrund drängt, aber der Geschichte in den richtigen Momenten unter die Arme greift.
Was bleibt ist ein Film, der sich nicht so leicht in eine feste Box drängen lässt. Dramatische Elemente lösen sich mit Situationskomik und derber Sprache ab, eine überraschende Mischung, die dennoch funktioniert. Eine klare Empfehlung.
Lorenz Friedl