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Soziale Medien – wirklich sozial?

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Was vor über zehn Jahren als neu und spannend galt, gehört heute mittlerweile zum Alltag von Millionen von Menschen: Social Media.

Doch ist dieses Vernetzt-sein wirklich so toll, wie es uns suggeriert wird?

Nach jahrelanger exzessiver Nutzung muss ich mir selbst eingestehen, dass dem nicht so ist.

Die Idee, auf einer Plattform wie instagram, Inspirationen mit Gleichgesinnten zu teilen ging über die Jahre verloren. Nun zählen follower und likes, die sogenannte Reichweite, viel mehr als Individualität und Ästhetik.

Menschen werden zu Marken-Botschafter*innen, von Sponsoring durch Firmen ist nahezu jedes Bild geskripted, um ja die Zielgruppe zu erreichen – meist Teenager oder Midtwenties, die ihren Weg in der Gesellschaft noch suchen oder einfach dazugehören wollen.

Ich habe beschlossen da nicht mehr mitzuspielen.

Natürlich gibt es auch kleinere Accounts mit weniger Followern, Private Accounts, die sich nicht einer Marke oder irgendwelchen neuen Produkten verschrieben haben, doch sobald ein Account die Zehntausendermarke knackt wird’s gefährlich – die Firmen schicken dir jeden Scheiß, du fühlst dich berühmt, darfst nun auch endlich influencen und dein neuer teurer livestyle wird dir auch noch bezahlt.

Etliche Blogger brechen ihr Studium ab um endlich selbstständig zu werden, ihren Körper, ihr Gesicht, ihr Leben irgendwelchen mitunter fragwürdigen Marken hinzugeben und zur Verfügung zu stellen.

Ist es das, was ihr euch immer erträumt habt? Wenn ja, dann gratuliere ich euch. Wenn nein, tut ihr mir sehr leid. Aus mir spricht kein Neid – im Gegenteil. Was soll ich mit tausend mehr oder weniger sinnlosen Produkten? Ich möchte nicht tagein, tagaus Mails beantworten, mich auf size zero hungern, damit mir jede angesagte Hose passt und zum hundertsten Mal Rabattcodes von Firmen aus Übersee in die Kamera beten. Nein, das ist mir alles zu viel. Eine groteske Entwicklung, an der ich nicht mehr teilhaben möchte.

Abgesehen davon fressen diese Apps in unglaublich hohem Maße unsere Zeit – ohne, dass wir es merken. Wir sitzen da mit unseren Geräten – oder liegen noch im Bett und swipen schon durch die weiten Sphären der Sozialen Medien. So geht das auch den ganzen Tag weiter – noch bevor Langeweile aufkommen kann – der Griff zum Smartphone erfolgt zeitnah und wir werden augenblicklich durch die Informationsflut in Form von Texten und Bildern scheinbar befriedigt.

Wir fühlen uns vernetzt, können unsere über die ganze Welt verteilten Freunde jede Sekunde über Facebook erreichen. Wir haben eine Menge digitaler Freunde, auch wenn wir regelmäßig ausmisten, weil wir nicht mehr wissen, ob wir mit dieser oder jener Person wirklich schon geredet haben oder das überhaupt in Zukunft vorhaben. Es rieselt Kommentare und Likes unter dem neuen Profilbild, auf dem wir uns von der Schokoladenseite zeigen. Es wurde im Park bei Sonnenschein geschossen. Natürlich muss es jeder schön finden. Doch abends sitzen wir allein zuhause. Keiner meldet sich. Alle sind unterwegs und posten die leckerste Buddah-Bowl der Welt für umgerechnet nur 2,50€ in Thailand, dem tollsten Konzert vom Coachella oder dem Last-Minute-Flug nach Lissabon. Toller, größer, schneller, weiter… der Strudel scheint nicht mehr aufzuhören, mitzuhalten ist unmöglich: Ich steige lieber endlich aus und widme mich schöneren Dingen wie dem Lesen von spannenden Sachbüchern auf Balkonien und der Aufzucht von kleinen Pflanzenablegern.

Bitte legt das Smartphone zur Seite. Fotografiert nicht jeden fancy drink, Sonnenuntergang oder Fitnesswalk. Genießt die Momente – ob beim Waldspaziergang in der Natur oder den verbalen Austausch mit Menschen. Die Sonne lacht, also geht an den Main, trefft euch zum Grillen oder bastelt Freundschaftsarmbänder und mixt euch DIY-Deos. Habt wieder Spaß und Freude am Leben offline. Denn das ist das wirklich Wichtige auf dieser Welt.

Josefine Lietz