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Was ist die Uni für dich?

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Was siehst du, wenn du an die Uni denkst? Siehst du ein „Sammelbecken für einen Haufen pseudoelitärer Straßenpenner“ – Fick die Uni, NMZS, Antilopengang – ? Schlicht deinen Ausbildungsplatz? Eine Plattform, um sich selbst zu inszenieren? Eine grausame Institution, die dir mit den Klausuren, Testaten, Hausarbeiten, Seminararbeiten, Doktorarbeiten oder unter welchem Titel auch immer sich eine Prüfung verbergen kann zu Leibe rückt? Ein Ort, wo du dich beweisen kannst, um es mal den anderen – wem auch immer – mal so richtig zu zeigen, was du draufhast? Ein Ort, wo du dich beweisen musst, weil die Mama seit du zwei bist von deiner verborgenen Hochbegabung faselt? Ist das Studium für dich eine nötige Lebensabschnittsphase, bevor endlich das goldene Zeitalter des selbstverdienten Geldes kommt? Oder die beste Zeit des Lebens, bevor leider irgendwann die Arbeit beginnen muss, weil man nicht ewig nach dem nächsten Kaffeeautomaten am Unigelände suchen kann?

Und was erwarten Eltern oder die Gesellschaft idealerweise von uns?

Von der Gesellschaft wird häufig das Idealbild des Studenten propagiert, der a) sehr gut an der Uni ist, aber nicht weil er ein Streber ist, sondern weil er alles so interessant findet, b) nebenher noch Zeit findet, mit Freunden trinken zu gehen, weil das in dem Alter so üblich ist, c) sich noch irgendwo engagiert, am besten im sozialen Bereich und d) immer gut drauf ist.
Wie realistisch ist dieses Bild aber tatsächlich?
Für mich ist es widersprüchlich, dass eine exzellente Performance an der Uni erwartet wird, aber sie gleichzeitig nicht zum Lebensmittelpunkt werden soll. Was passiert aber, wenn die Uni zum Lebensmittelpunkt wird? Schnell werden die Kumpels, mit denen man saufen geht, bloße Staffage, zu mehr hat man keine Zeit. Reine Zweckfreundschaften entstehen, die während der Uni-Zeit existieren, aber danach nicht mehr – weil Hey, die Zeit ist dann vorbei, Kumpel. Alles endet halt mal, die Uni war doch das relevante, nicht wir, das sahst du doch auch so. Das Irgendwo-engagieren wird für den persönlichen Lebenslauf geführt, aber nicht weil man sich wirklich für die kleinen Eisbärchen auf der Arktis interessiert. Eine hohle Welt entsteht, die sich um die eigene Show dreht. Nein, ich habe nie Probleme an der Uni, ich kann das alles, weil ich so schlau bin, nicht weil ich bis um zwei an meinen Arbeiten schreibe. Ich bin cool. Definiert man sich über den eigenen Erfolg, definiert man auch die Welt um sich herum danach – wer hat hier auch ein Stipendium/Titel/Pipapo? Wenn du nichts kannst, bist du nichts. Dieses Leistungsdenken kann in den privaten Bereich übergreifen, bis dahin, dass sogar Hobbies unter dem Erfolgsaspekt betrachtet werden. Wäre ja komisch, einfach was zum Spaß zu machen.
Wieso sollte man sich aber von Erfolgserwartungen, die eine wie auch immer geartete Außenwelt an uns stellen, in die Irre führen lassen? Wieso sollte man sich von universitären Medaillen wie Titel blenden lassen? Natürlich sind kleine Sternchen im Lebenslauf wichtig, wenn man bestimmte Positionen erreichen will. Aber sie transformieren einen nicht zu einem besseren Menschen.
Die Zeit des Studiums ist das Morgenrot eines freien, selbstbestimmten Lebens und nicht dafür da, um sich in ein Korsett aus Ehrgeiz oder Erwartungen zu zwängen. Natürlich gehen wir zur Uni, um für den späteren Beruf zu lernen. Aber wieso sollten wir mit Anfang 20 unseren Selbstwert noch von Noten, von Zahlen auf einem Blatt Papier abhängig machen, die häufig ohnehin nicht unseren wahren Wissensstand spiegeln, wenn wir ehrlich sind? Warum sollten wir anfangen, nach einer Rolle zu leben, anstatt das zu machen, was wir für richtig halten? Ob wir damit eine Rolle zufällig erfüllen, ist doch egal.

Warum sollten wir hohle, wertlose Pseudofreundschaften zu unseren Kommilitonen unterhalten, weil wir alles auf Zeit sehen? Wieso sich nicht in die angenehme Gesellschaft von Freunden begeben, statt sich eine Saufstaffage zu suchen? Warum sich nicht ausleben? Prinzipiell kann man jetzt beinahe alles machen. Wie „gut“ man darin ist, ist doch erst mal egal, solange man Spaß daran hat. Warum sollte man in dem von den Eltern vermittelten Weltbild starr verharren, ohne es zu hinterfragen? Wieso sollte man sich dem Irrtum ergeben, immer funktionieren zu müssen? Wir erleben jetzt eine kurze Zeit größtmöglicher Freiheit, bevor uns eine stressige Arbeitswelt einholt. Wir sind jetzt niemanden mehr Rechenschaft schuldig, außer uns selbst. Wieso sollten wir uns nicht einfach sein lassen, statt ein leistungsaffines Weltbild zu unterstützen, in dem die Erfolglosen als Versager abgestempelt werden? Oder versuchen, uns selbst in eine Rolle zu quetschen?
Show für die anderen oder der Start ins eigene Leben – Welche Rolle das Studium für Dich einnimmt, bleibt Dir überlassen.

Irmgard Stark