Jigokudani

Kennst Du diese Äffchen in Japan, die im Winter in den heißen Quellen baden?
So ungefähr ging es mir, nur war es Nacht und es lag kein Schnee. Dafür wehte ein frischer Wind über das Becken, sodass alles, was aus dem Wasser herausschaute ziemlich kalt, und alles unter der Oberfläche ermüdend warm war. In der Ferne schien ein grelles Licht. Legte ich meinen Kopf in einem bestimmten Winkel zur Seite, schob sich etwas in den Lichtstrahl, das durch den fegenden Wasserdampf auf multiple Leinwände seinen Schatten warf und immer größer wurde, je näher die Dampfwand kam, um sich sofort vom Wind aufscheuchen zu lassen und sich auf eine andere Ebene zu konzentrieren.
Der ständige Wechsel verlieh dem Schatten etwas Bewegendes, wie ein Unterwassermonster, das zum Luftschnappen immer wieder emporschießt. Und ich denke mir: Sollte ich wenigstens mal rutschen, wenn ich schon im Schwimmbad bin, oder kommt das zu traurig, so ganz allein?
Wundertüte Uni heißt diese Ausgabe. Einige Uni-Neulinge werden das Sprachrohr in ihre Erstitüte bekommen und vielleicht diesen Text lesen. Was soll ich sagen, Hand aufs Herz: Zu Beginn meines Studiums – aus dieser Zeit stammt der Text – war ich öfter einsam, als ich mir manchmal eingestehen wollte, öfter als mir lieb war. Natürlich kann Zeit für sich selbst auch angenehm, kreativ, beruhigend sein. Aber wenn ich als einer, der die Unizeit nun fast hinter sich hat, einen Tipp an alle Ersties geben darf: Nehmt jede Party mit, die sich auftut. Stürzt bei der Ersti-Rallye die Schnäpse hinunter. Und dreht euch in den Vorlesungen nach links und rechts um: „Übrigens, ich bin __. Wie heißt du?“
Andreas Jäger