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On Air: Interview mit Devil May Care

Blog

“Fly as high as no one dared to
When nothing is ventured there’s nothing to win
Aim sunwards…“

Im Höhenflug gerade Richtung Sonne. Egal ob als Support Act für Stick to your guns oder wie vergangenen Mai für Itchy, die 4 Würzburger scheint nichts aufzuhalten auf ihrem Kurs Richtung oben. Mit ihrem neusten Sampler „Echos“ beschreiten sie Wege jenseits der 4-stelligen Klickzahlen auf Spotify und besuchten nun auf ihrer vergangenen Tour die landesweiten Clubs. Wir haben Sänger und Gitarrist Tim zuhause getroffen, um mehr über den Alltag einer jungen Rockband zu erfahren. 

„But today I can’t remember“ lautet eine Zeile aus eurem Song Empathy. Könnt ihr euch an eure ersten Schritte zurückerinnern? Wie hat das Ganze denn damals angefangen? 

Angefangen hat alles 2012. Jo (Drums) und Lukas (Guitar) kannten sich schon länger und wollten endlich eigene Songs schreiben und präsentieren, nachdem sie einige Jahre zusammen in einer Coverband gespielt hatten. Nach kurzer Zeit kamen Moritz (Bass) und ich dazu und bilden seitdem Devil May Care unverändert in dieser Besetzung. In den ersten Jahren haben wir einige EPs aufgenommen und Konzerte gespielt, was dazu beigetragen hat, dass wir uns als Band erst einmal gefunden haben. Mit der Produktion unseres neuesten Albums im letzten Jahr haben wir zusammen einen großen Schritt gewagt und unsere Leidenschaft „Band“ auf die nächste Ebene gebracht.

Das Niveau eurer Band ist ja längst auf einem professionellen Level angelangt. War das ein Etappen-Prozess oder gab es einen bestimmten Punkt, an welchem ihr beschlossen habt, die Ärmel hochzukrempeln?

Insgesamt ist das schon ein eher schleichender Prozess, auch wenn man an dem ein oder anderen Punkt aktiv über Dinge spricht und sich für einen Weg entscheidet. So waren die ersten Jahre extrem wichtig, um uns erst einmal selbst als Musiker und Band zu entwickeln, Konzerte zu spielen, Aufnahmen zu machen und so weiter. Man kommt nun einmal nicht einfach so in diese Musikwelt hinein und weiß gleich, wie alles läuft. Das braucht Zeit und viel Erfahrung, die es erst einmal zu sammeln gilt. Mit dem Schritt, zu einem Produzenten nach Berlin ins Studio zu fahren, haben wir dann allerdings ganz bewusst entschieden, dass wir mehr wollen und haben aktiv die nächste Ebene in Angriff genommen. Dass dadurch im weiteren Verlauf noch das Label UNCLE M dazukommt, hat natürlich auch extrem viel dazu beigetragen, dass wir uns mittlerweile auf einem professionelleren Level bewegen.

Als ich euren Sänger und eure neueste Platte das erste Mal gehört habe, musste ich sofort an Caleb Shomo und Beartooth denken. Würdest du sagen, dass speziell Künstler aus dem Hardcore euch signifikant geprägt haben oder hinterlassen auch andere Genres ihre Spuren in eurem Songwriting?

Auf jeden Fall ist es richtig, dass wir in letzter Zeit bevorzugt eben diese Bands wie Beartooth, Silverstein etc. hören. Am Ende trägt das sicherlich dazu bei, dass sich das dann auch in unseren Songs und unserer Musik widerspiegelt. Trotzdem sind wir absolut nicht eingefahren was unseren Musikgeschmack betrifft. Wir alle sind offen für jedes Genre und ziehen Inspiration aus allem, was wir hören und sehen, ob das nun Metal, Punk, Hip-Hop oder Pop ist. Genau dadurch ergibt sich dann auch dieser eigene Sound, den jede Band irgendwo ausmacht. Jeder hat verschiedene Einflüsse, die zusammen das ergeben, was beim Songwriting herauskommt. Bei uns ist das mit Sicherheit in erster Linie Hardcore, Metal und Punk, was dann am Ende zu unseren Post-Hardcore-Songs führt.

Nun seid ihr ja momentan sowas von „On“. Wie empfindet ihr das gesteigerte Interesse an euch, im Würzburger Raum und darüber hinaus?

Das hat über die letzten Jahre stetig zugenommen. Es kommt schon häufiger vor, dass man auf Festivals, bei Konzerten, beim Einkaufen oder auch so einfach in der Stadt angesprochen wird. Das freut uns natürlich sehr, weil sich darin auch einfach zeigt, dass sich die ganze Arbeit, die wir die letzten Jahre in unser Projekt stecken, bemerkbar macht. Spätestens seit wir Anfang des Jahres unser Album ECHOES rausgebracht haben, hat man schon das Gefühl, dass der Großteil derer, die sich in der Szene bewegen, etwas mit unserem Namen anfangen kann. Dazu muss man aber auch sagen, dass Würzburg ja eigentlich auch nur ein Dorf ist. 😉

Ihr seid ja bereits auch schon auf ausländischen Bühnen gestanden. Wie läuft denn so ein typischer Tag on Tour bei euch ab, wenn man freitags in Bern und samstags dann schon wieder in Wien stehen muss?

Tatsächlich ist das alles langweiliger, als man es sich vorstellt. Der Tour-Alltag ist davon geprägt, dass man 80% des Tages im Bus auf der Autobahn unterwegs ist. Natürlich gibt es auch hier immer viel zu tun und zu besprechen. Einerseits will die Außenwelt ja auch immer mitbekommen, was gerade so passiert, weshalb immer mindestens einer am Handy hängt und Stories oder Postings macht. Außerdem sind wir sehr kritisch und verbesserungshungrig, sodass gerne mal ein paar Stunden über den Gig am Vortag diskutiert wird und man sich überlegt, was man heute besser oder anders machen kann. Insgesamt ist es aber natürlich schon so, dass man eine lange Zeit mit seinen besten Freunden unterwegs ist und man dadurch logischerweise viel Spaß hat und es immer was zum Lachen gibt. Nach der langen Fahrt wird dann meistens kurz die Location begutachtet, bevor es schon zum Soundcheck geht. Nach einem kurzen Aufenthalt im Backstage – wo man vielleicht noch schnell etwas isst, sich umzieht und auf die Show konzentriert – geht es ab auf die Bühne, um ca. eine Stunde 200 % zu geben. Dann folgt der wichtige Teil am Merchstand. Hier haben wir die Chance, direkt mit den Leuten zu reden, sich auszutauschen und Feedback zu bekommen. Und natürlich auch Merch zu verkaufen. Denn so blöd wie es klingt, davon lebt eine Band. Mit eigener Musik kann man heutzutage leider von keinen lohnenden Gagen ausgehen, weshalb die Einnahmen am Merch meist alles sind, was uns bleibt. Nur dadurch kann es für uns weitergehen und eventuell dann auch die nächste Platte finanziert werden. Abends gehts dann schnell ins Bett, nachdem es am nächsten Tag meistens schon wieder früh losgeht und man irgendwie sehen muss, nicht krank zu werden und die Stimme fit zu halten. Also nichts mit Sex, Drugs and Rock’n’Roll. 😀 

Und euer Privatleben? Wie wirkt sich das Projekt Devil May Care auf eure Jobs und den privaten Alltag aus?

Privater Alltag = Band. Es gibt kaum eine freie Minute, die nicht für die Band genutzt wird. Zum Überleben reicht die Musik leider noch nicht aus, weshalb wir alle natürlich auch normalen Jobs nachgehen müssen. Aber abseits davon ist wenig Platz für andere „Hobbies“. 

Wie stellt ihr euch die Zukunft der Band vor? Gibt es bereits Pläne?

Für uns war das natürlich erst der Anfang. ECHOES war bzw. ist unser erstes professionell aufgenommenes Album, womit die Reise für uns erst so richtig startet. Wir haben einen extrem guten Grundstein gelegt, auf dem wir jetzt selbstverständlich aufbauen wollen. Songs sind bei uns immer in der Mache und auch die nächsten Konzerte und Touren sind in Planung. Davon erfährt man aber wohl am schnellsten auf Instagram und Facebook. 😉

Was würdest du anderen, noch unbekannten Gruppen raten, die ebenfalls hoch hinauswollen?

Man sollte sich erst einmal Zeit lassen, um sich als Gruppe zu festigen und herauszufinden, wohin der Weg gehen soll. Natürlich muss man aktiv sein und immer gewillt sein, so viel wie möglich zu tun, aber alles braucht seine Zeit. Das Wichtigste ist es, nicht den Mut zu verlieren und Durchhaltevermögen zu zeigen. Zur richtigen Zeit auf externe Meinungen zu hören und sich helfen zu lassen, kann sicher auch nicht schaden. 😉

Bei Devil May Care stehen die Lichter also auf alles andere als Off. Wir wünschen der Band weiterhin alles Gute und hoffen natürlich, dass der Aufwind der Jungs anhält oder, um es in ihren Worten zu sagen, „Fly as high as no one dared to.“ 

Echos:

Die zweite Platte der Würzburger ging am 15. März 2019 online und  mit mehr als 11.000 monatlichen Hörern hat das Album längst seinen Weg in die Community gefunden. Musikalisch bewegt sich das Sample zwischen Hardcore-Bands wie Bearthooth und Punk/Hardcore -Bands wie Rise Against. Auch dringt es hier und da sogar bis in den Pop/Punk vor. Aggressive Drums mit modernen, starken Hooks.  Mit seinen 13 Tracks handelt es sich um ein umfangreiches Album, welches seinen Hörern mit einer geballten Ladung an Energie und Emotionen direkt unter die Haut geht. Ein absolutes Muss für jeden Würzburger.

Marcel Dinkel