Vielmehr als nur ein Stipendium – eine Förderung durch das Evangelische Studienwerk Villigst
Jeden Semesterstart aufs Neue strömen Scharen von Neu-Studierenden in die Universitäten des Landes. Für die meisten ist es eine aufregende Zeit. Das erste Mal alleine Wohnen, für sich selbst einkaufen und Wäsche waschen. Und dann erst das Studium, dass so ganz anders ist als die Schule. Im chaotischen Unialltag, zwischen der Suche nach Räumen und Büchern, tut ein bisschen Orientierung und Sicherheit gut. Beides hat mir das Evangelische Studienwerk Villigst geboten. Es ist das Begabtenförderungswerk der evangelischen Kirchen in Deutschland. Wie fast 1.200 andere Studierende und rund 200 Promovierende aller Fachrichtungen erhielt ich während meines Bachelors ein Stipendium. Das umfasst eine monatliche Pauschale, die uns Stipendiat*innen finanziell gewaltig unter die Arme greift. Wenn man nicht in hohem Maße von einem Nebenjob, BAföG-Regularien oder der Familie abhängig ist, eröffnen sich neue Möglichkeiten. Ich fand Zeit, um nicht nur die Seminare zu besuchen, die mein Stundenplan pflichtmäßig vorsah, sondern um interessante Zusatzmodule zu belegen oder mich gar rein interessenshalber in Vorlesungen zu setzen. Darüber hinaus konnte ich mich in verstärkter Weise meinem zivilgesellschaftlichen Engagement widmen. Lernen ist längst nicht auf Seminare und Vorlesungen beschränkt. Sich außenuniversitären Angelegenheiten widmen zu können ist aber ein Privileg. Förderwerke wie Villigst machen es möglich. Auch Auslandsaufenthalte, Sprachkurse oder Exkursionen werden bezuschusst oder bezahlt. Für meine Bachelorarbeit erhob ich Daten in Indonesien. Villigst unterstützte mich dabei – finanziell und mit kompetenter akademischer Beratung. Denn wer Stipendiat*in bei Villigst ist, profitiert nicht nur von den finanziellen Vorzügen. Die ideelle Förderung ist eine Stütze im individuellen Werdegang aller Stipendiat*innen und gibt darüber hinaus die Möglichkeit, immer wieder einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Wenn richtungsweisende Entscheidungen anfallen, steht kompetente Beratung immer zu Verfügung. Immer wieder plagten mich Zweifel: Studiere ich das Richtige? Was kommt nach dem Bachelor? Welchen Berufsweg möchte ich einschlagen? Bei Gesprächen in Villigst konnten mir zwar nicht direkt Antworten gegeben werden, die Berater*innen verstanden es aber, die richtigen Fragen zurückzustellen und dann entsprechende Tipps zu geben. Es war sehr hilfreich – ich studiere nun im Master und bin sehr zufrieden mit meiner Wahl. Die ideelle Förderung geht aber über die Beratung hinaus.
Auf Sommeruniversitäten kann man in fremde Disziplinen hineinschnuppern – so belegte ich ein spannendes Seminar zu kritischer Männlichkeit – und Arbeitsgemeinschaften bieten die Möglichkeit, spannende Themenfelder mit anderen Interessierten zu bearbeiten. Letztere sind komplett stipendiatisch organisiert. Nach meiner Stipendienzusage reichte ich auf der zweimal jährlich stattfindenden Stipendiat*innenkonferenz einen Antrag zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft zum Thema Nachhaltigkeit ein. Er wurde von einer großen Mehrheit angenommen und spannenden Wochenende mit interessanten Referierenden, tollen Stipendiat*innen und geistreichen Gesprächen stand somit nichts mehr im Wege. Wir beschäftigten uns mit Braunkohleverstromung, Postwachstumsökonomien oder Nudging – dem „Anstupsen“ für umweltfreundliches Verhalten. Alle Teilnehmenden haben unterschiedliche Hintergründe, was das Niveau der Treffen in Villigst ausmacht. Der „Villigster Geist“ lebt durch die Menschen, die man einmal und oft auch mehrmals trifft. Und das Studienwerk freut sich immer über neue Stipendiat*innen. Gesucht werden engagierte junge Menschen, die sich für ihr Studienfach begeistern können und Interesse für fachübergreifende, gesellschaftliche und politische Themen mitbringen. Vorrausetzung ist, dass das dritte Fachsemester noch nicht überschritten wurde. Man sollte sich generell mit Kirche und Protestantismus identifizieren können, muss aber nichts zwangsläufig aktive*r oder praktizierende*r Christ*in sein. Ich habe beispielsweise während meiner Schulzeit Konfirmand*innen betreut und meinen Freiwilligendienst bei einem kirchlichen Träger gemacht. Weil Villigst von Vielfalt lebt, sind Studierende aus nichtakademischen Elternhäusern und von Fachhochschulen ausdrücklich zur Bewerbung aufgefordert. Die Bewerbungszeiträume liegen immer vom 15. Oktober bis zum 1. März für eine Förderung ab dem Wintersemester und vom 15. April bis zum 1. September für eine Förderung ab dem Sommersemester. Eine Bewerbung lohnt sich – es gibt nichts zu verlieren und viel zu gewinnen.
Weitere Infos: https://www.evstudienwerk.de/bewerbung/studium/bewerbung.html
Jakob Nehls