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Die neuen 20er: Ziele, Wünsche, Träume

Blogvon Olivia Rongisch

Quelle: Pixabay, Bild von 愚木混株 Cdd20

Die Uhr schlägt zwölf. Der Champagner füllt die Gläser. Am Himmel ist farbenfrohes Feuerwerk zu bewundern.

Das neue Jahrzehnt konnte für die meisten Menschen nicht früh genug kommen. Hätte man geahnt, wie der Beginn des neuen Jahrzehnts tatsächlich aussehen würde, wäre man da möglicherweise etwas skeptischer gewesen. Nach der Bedrohung eines dritten Weltkrieges, Feuern in Australien und der globalen COVID-19-Pandemie fühlte man sich beinahe schlecht dafür, sich Erfolg in der Liebe oder im Berufsleben für das neue Jahr gewünscht zu haben. Jedoch sollte man sich von den Umständen, die dieses äußerst beängstigende erste Jahr der neuen 20er mit sich bringt, nicht von seinen Zielen und Träumen ablenken lassen.

Die Erwartungen an die neuen 20er waren für viele sicher durchaus groß. Besonders wenn man die Werke von Autoren wie Fitzgerald gelesen hat, die die goldenen 20er glorifizieren. So ist es nicht weiter verwunderlich, wenn diese Erwartungen dann enttäuscht werden. Allerdings gilt es zu beachten, dass auch vor hundert Jahren die 20er nicht gerade rosig begannen. Ein Bombenattentat auf die Wall-Street, der Kapp-Putsch, ein mobartiger Lynchmord an drei farbigen Männern, die fälschlicherweise einer Vergewaltigung beschuldigt wurden, sowie die Gründung der NSDAP, welche in den 20ern ihren politischen Aufstieg begann, waren Teil des ersten Jahres der „goldenen“ Zwanziger.

Am zweiten November 1921 trat Präsidentschaftskandidat Warren G. Harding seine Amtszeit als 29. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika an. Die Wahlen 1920 waren ganz unabhängig vom Ergebnis ein wahrer „game-changer“, da dies die ersten Wahlen in den USA waren, an denen auch Frauen ihre Stimme zur Geltung bringen durften. Vielleicht hatte dies zur Folge, dass Harding mit einem deutlichen Vorsprung ins Weiße Haus zog. Mit seinem Wahlspruch „A return to normalcy (Normalität)“ wollte der Kandidat Amerika davon überzeugen, den Status Quo vor dem ersten Weltkrieg wiederherzustellen. Lustigerweise sollten in den nächsten zehn Jahren einige der größten Umbrüche in der Geschichte der westlichen Welt stattfinden. Neben der Einführung des Frauenwahlrechts wurde in den goldenen 20ern das Radio, der Tonfilm und sogar die Fließbandproduktion erfunden, welche wiederum die Massenproduktion ermöglichte, wie wir sie heute kennen. Dadurch entstand erstmals eine wahre Konsumgesellschaft. Dieser Wirtschafts-Boom führte zu einer Vergrößerung des nationalen und infolgedessen auch internationalen Wohlstandes. Heutzutage würde wohl fast jeder behaupten, dass diese Entwicklungen sich durchaus als positiv erwiesen.

Was ist dann Normalität überhaupt? Waren die 1910er normal? Die Geschichte der Menschheit ist geprägt von Veränderungen. Die Welt war schon immer im Wandel und wird niemals nicht im Wandel sein. Mit jeder Person, die geboren wird, und mit jedem Ereignis, das stattfindet, eröffnen sich der Welt neue Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. Solange Menschen Ziele, Träume und Wünsche haben, wird die Welt nie aufhören, sich zu verändern.

Sich ein Ziel zu setzen bedeutet unweigerlich Veränderung schaffen zu wollen. Ob es nun eine Veränderung für die Welt oder eine Veränderung für die eigene Person ist. Die Entscheidungen, die wir treffen, haben weitreichende Einflüsse auf unsere Umgebung und auf die Menschen um uns herum. Das Ziel zu haben, einen bestimmten Beruf ausüben zu wollen, ist definitiv mit Veränderung verbunden. Eine Veränderung der Arbeitsmoral mag beispielsweise für viele angehende Ärzte von Nöten gewesen sein. Jedoch ist auch nicht zu missachten, welchen Einfluss die eigenen Ziele auf Mitmenschen und deren Ziele haben können. Ein weltbekannter Künstler wie Van Gogh hat nicht nur Museen und angehende Künstler geprägt, sondern auch die Epoche seines Schaffens maßgeblich mitdefiniert. Es gibt auch Ziele, auf die wir keinen wirklichen Einfluss haben. Viele Menschen haben die Auffassung, sie müssten sich an soziale Normen halten und ein „normales“ Leben führen. Aber wie kehrt man nun zur Normalität zurück, wenn sogar die Normalität irgendwo für Veränderung sorgt?

Der Traum, zur Normalität zurückzukehren, ist ähnlich wie die meisten Träume. Eine Vorstellung von etwas, was sich im Grunde schön anhört, aber oftmals doch eher schwer zu realisieren ist. Selbst der Traum der Normalität bringt eine gewisse Veränderung mit sich. Man hat das Verlangen, eine Idee in die Tat umzusetzen und damit etwas zu erreichen. Man möchte sich selbst beweisen, dass man schaffen kann, was man sich vornimmt. Man möchte Selbstbewusstsein aufbauen, um stärker in den nächsten Tag zu starten, und man möchte diese Kraft nutzen, um schwere Zeiten zu überstehen. Man möchte Tage erleben, an denen man frei sein kann und sein Leben unbeschwert leben kann. Man möchte träumen.

Doch trotz der scheinbaren Unmöglichkeit der Rückkehr zur Normalität ist es dennoch unumgänglich, dass die Menschheit sich momentan nach den Tagen sehnt, an denen die Welt noch „normaler“ schien. Verständlich. Es wäre irrsinnig zu behaupten, dass das momentan einfache Zeiten wären, doch der Wunsch, wieder in den gewohnten Alltag zurückzukehren, ist mit Sicherheit weniger unrealistisch, als komplette Normalität zurückzuerlangen. Die Hoffnung, die mit neuen Wünschen nach Verbesserung einhergeht, sorgt für die Besserung der menschlichen Moral. Wenn der Wunsch nach einer Besserung der Umstände nur stark genug ist, wird es mit Sicherheit möglich sein, eine angenehmere Zeit zu schaffen.

Wird sich die Welt verändern? Ja. Wird es danach schlechter sein als es vorher war? Nicht zwangsweise! Die goldenen Zwanziger zeigen uns, dass jede Zeit gute, aber auch schlechte Umstände mit sich bringt. Das Jahrzehnt mag nicht so gestartet haben, wie viele es sich gewünscht hätten. Dennoch heißt das nicht, dass der weitere Verlauf der 2020er ebenso problematisch sein muss. Letztendlich sind es die Menschen, die mit ihren Zielen, Träumen und Wünschen die Welt verändern. Jeder Wunsch erweckt neue Hoffnung. Jeder Traum einen neuen Willen und jedes Ziel zeigt uns einen neuen Weg in die Zukunft. Es ist an uns, den 20ern ihren goldenen Glanz zurückzubringen!

Burak Sentürk, Olivia Rongisch