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Erstis – Wie geht’s euch?

Blogvon Francesca Valentin

Versagensängste, Einsamkeit und die Ironie des Erwachsenwerdens in Zeiten, in denen die  persönliche Entfaltung als Student*in in Würzburg nahezu komplett eingeschränkt ist. Wie  schafft man das? Ich habe mich mit zwei Studierenden im ersten Semester unterhalten und  

gefragt, wie das so ist, quasi allein in einer vermeintlich fremden Umgebung, mit der  ursprünglichen Erwartung, dass jetzt die beste Zeit des Lebens beginnt.  

Aus meinen Gesprächen mit Felix und Juli, konnte ich für mich persönlich bereits viel lernen.  Beide gehen unglaublich stark mit der Situation um und passen sich an die Umstände an. Ob  ich das genauso durchgezogen hätte? Ungewiss.  

Juli ist 20 Jahre alt, studiert Sonderpädagogik auf Mittelschullehramt und ist während dem  Light-Lockdown in eine WG hier in Würzburg gezogen. Vor ihrem Umzug kannte sie bereits  zwei Freunde aus ihrer Heimat, die in Würzburg studieren und hatte demnach schon  Kontakte, die das Ankommen leichter gestalteten. „Zum Glück“, so Juli. „Ich glaube, es wäre  viel härter gewesen, wenn ich bis auf meine WG wirklich absolut niemanden gekannt hätte.  Durch meine zwei Freunde hatte ich zumindest indirekten Kontakt zu deren WGs und deren  Freunden. Ich fühlte mich also sehr schnell nicht mehr allein.“ 

Das erste Mal auf eigenen Beinen zu stehen und endlich das machen zu können, was man  will, kommt für Juli aber trotzdem nicht ganz hin. „Klar, ich lerne viel und wohne jetzt halt  woanders. Aber das Studieren an sich geht doch eigentlich noch so viel weiter übers Lernen  hinaus! Das ist im Moment absolut nicht der Fall und das ist schon sehr schade.“ Genau wie  alle anderen, die zum ersten Mal ausziehen und etwas Neues beginnen, hatte auch Juli die  Hoffnung, jetzt endlich ihr Leben starten zu können. In gewissem Maße tue sie das auch, nur  eben nicht so wie erwartet. Trotzdem fühle sie sich wohl hier, ihre WG habe für sie einen  sehr hohen Stellenwert und wenn sie sich mal einsam fühlen sollte, telefoniert sie mit ihren  Freunden von daheim oder schaut einen Film. „Man findet seine Wege damit umzugehen.  Und so wirklich dramatisch ist es ja auch nicht! Ich bin gerade mal zwei Monate hier, da  kommt bestimmt noch viel Aufregendes auf mich zu.“ Aufgeben ist demnach keine Option.  „Was soll man denn auch anderes machen, als trotzdem zu studieren?“, sagt Juli. In ihrer  Heimat sitzen und zu warten, bis alles vorbei ist, erscheint ihr noch langweiliger.  „Mir geht’s gut, ich fühl mich wohl hier und bin einfach gespannt, was noch alles passieren  wird.“, meint Juli. „Ich hoffe trotzdem, dass ich nicht auch die nächsten Semester meine  Abende damit verbringen muss, Filme zu schauen. Ich bin 20 Jahre alt, ich will was erleben!“.  

Felix hat diesen Sommer sein Abitur in Würzburg gemacht, ist demnach bereits an die Stadt,  sowie an die Umstände in Bildungseinrichtungen durch Corona gewöhnt. Er wohnt bei  seinen Eltern, hat dadurch auch Bezug zu den Leuten in seinem Umfeld und natürlich auch  Freundschaften in Würzburg – als Erstsemester nicht immer der Fall.  

Trotzdem hat er sich den Start ins Studentenleben anders vorgestellt: „Die Örtlichkeit fehlt.  Man will auf dem Campus sein, neue Leute kennenlernen und Dinge erleben. So fühlt sich  das eher an wie ein Fernstudium“. Es fehlen die sozialen Kontakte und Interaktionen, die das  Leben als Student*in so aufregend machen. Dafür, so Felix, lerne er mehr. Der  Bildungsstandard wirke höher und man sei gezwungen, sich selbst schnellstmöglich zu  organisieren und eine Struktur zu entwickeln, wenn man nicht abgehängt werden will. Das  sei natürlich mit Stress verbunden. „Es gibt Tage, an denen ich gut damit umgehen kann.  Dann finde ich auch Wege mich davon abzulenken, entweder lese ich oder schreibe Texte für 

meine Musik. Das viele Lesen in der Uni raubt mir aber auch oft die Motivation, meine  eigenen Bücher weiterzulesen. Also mache ich manchmal einfach gar nichts.“, erklärt Felix.  Er sieht das aber nicht negativ. „Jeder muss mit Stress umgehen. Ich denke, das ist eine Art  Lebensaufgabe. Ich habe das Glück, jetzt daraus zu lernen und kann mich völlig auf neue Dinge einlassen. Dann mache ich ein paar Monate eben keine Musik mehr, ich finde schon  etwas Neues, das mir Spaß macht. Das ist doch irgendwie auch das Aufregende daran!“. Die  Einschränkung der sozialen Perspektiven ist für Felix also keineswegs eine Einschränkung  seines persönlichen Prozesses. Er nutzt die Zeit viel für Reflektion über das, was gerade  passiert und natürlich auch über Einsamkeit. Der entkommt man nämlich trotzdem nicht.  „Die Ironie ist doch eigentlich, dass wir alle einsam sind, aber keinen richtigen Weg finden  dieser zu entkommen“. In Felix` Studiengang haben sich bereits einige Lerngruppen gebildet,  in denen sie sich gegenseitig bei spezifischen Studienfragen helfen können, ein richtiges  Gefühl von Zusammenhalt oder Freundschaft entstand dabei bisher aber noch nicht. „Das  braucht Zeit. Wir müssen uns alle erstmal an die Situation gewöhnen.“, sagt er.  Abgesehen davon, dass man dieses Semester noch nicht wirklich „Student*in“ im  allgemeinen Sinne sein kann, ist Felix dennoch ziemlich zufrieden, wie es läuft. Er kannte  durch sein Abitur bereits die chaotischen, überforderten Zeiten im Umgang mit Corona an  seiner Schule und war daher positiv überrascht, wie gut die Universität Würzburg alles regle.  „Der Einstieg fiel mir leichter als gedacht. Überall konnte man sich einlesen oder die Info Videos auf der Homepage ansehen. Da hat sich die Universität sehr gut drum gekümmert.“ Auf die Frage hin, ob er es sich wegen Corona trotzdem anders überlegt und das Studium  abbricht, um beispielsweise eine Ausbildung zu machen, oder ein Jahr Pause, bis alles vorbei  ist, antwortet Felix ganz trocken: „Corona ist doch kein Grund aufzugeben.“ Ob er in genau der Fächerwahl bleibt, die er aktuell belegt, weiß Felix noch nicht. Er will aber  definitiv weiterstudieren und das Beste aus der Situation rausholen.  

Das Beste aus der Situation rausholen. Weitermachen. Das sind Dinge, die jede*r  Studierende, egal ob im ersten, dritten oder achten Semester, von den beiden abschauen kann.  

Corona bremst uns und das Leben um uns herum aus. Warum diese Zeit nicht nutzen?  Wir haben nicht wirklich viel zu tun. Das heißt, wir können uns ins Studium reinstürzen,  unsere Prüfungen nachholen, endlich den Kurs belegen, für den man sonst nie Zeit hatte!  Oder wir merken, dass uns eigentlich komplett andere Dinge interessieren, schmeißen unser  Studium und finden heraus, was wir wirklich wollen.  

Wir erfinden neue Hobbies, fangen an Sport zu machen, und hören damit wieder auf. Wir  verbringen mehr Zeit mit unseren Mitbewohnern, ziehen um oder wieder nach Hause zu den  Eltern. Wir machen Tanzparties allein oder zu zweit, wir schauen Tiger King und versuchen  uns an neuen Gerichten. Wir haben Heimweh, Fernweh oder einfach nur „Es ist Winter und  ich finds doof“-Weh. Wir lernen, dass es okay ist, nicht immer gut drauf zu sein. Wir finden  heraus wer wir sind, was wir können und wo unsere Grenzen liegen. Wir scheitern, wir sind  frustriert und eigentlich wollen wir doch alle nur mal wieder feiern gehen.  

Aber trotz allem geben wir nicht auf. Wir machen weiter und versuchen, das Beste aus der  Situation herauszuholen.