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Jedem Tier die Freiheit!

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Der erste Animal Rights March Oktober 2019 Bild: Jakob Nützel
Der erste Animal Rights March Oktober 2019 Bild: Jakob Nützel

Fast 630 Millionen Hühner, knapp 60 Millionen Schweine, 40 Millionen Puten, 25 Millionen Enten, mehr als drei Millionen Rinder, rund 2 Millionen Schafe und 20.000 Ziegen.

Das sind nicht die Zahlen der Tiere, die in Deutschland leben, sondern die derer, die in einem Jahr hierzulande geschlachtet werden. Erscheinen diese Zahlen auf den ersten Blick nahezu unwirklich, so sind sie doch Realität. Aus Protest gegen das Töten und die Ausbeutung von Tieren bekommt die tierleidfreie bzw. vegane Lebensweise immer mehr Aufmerksamkeit und auch in Würzburg haben sich junge Menschen zusammengeschlossen und 2018 die Gruppe „Würzburg Aktiv für Tierrechte und Umweltschutz“ (WATU) gegründet.

Dieser Zusammenschluss von Veganer*innen organisiert u.a. Kundgebungen, Mahnwachen oder große Demonstrationen. Die Hauptaktionsform ist jedoch der sogenannte „Circle of Truth“, bei dem Aktivist*innen in einem Kreis stehen und Laptops halten, die Aufnahmen aus der industriellen Tierhaltung zeigen, während sich andere mit interessierten Passant*innen austauschen. Laut Mie Dorner von WATU sei das Ziel dieser Aktionen nicht die Forderung nach einem strengeren Tierschutz, sondern der Wunsch nach Tierbefreiung. Jedes Tier, ob Hund oder Schwein, verdiene ein Leben in Freiheit, ohne dass sein Körper ausgenutzt oder sein Leben vorzeitig beendet werde, so die 22-Jährige.

Die Reaktionen auf den Protest der Gruppe sind unterschiedlich. Bei einem „Circle of Truth“ würden sich viele Menschen interessiert zeigen, wodurch sich sehr informative Gespräche entwickeln würden, erklärt die Aktivistin. Andererseits gäbe es auch immer wieder Passant*innen, die den Aktivist*innen abfällige Bemerkungen zurufen, wobei sie betont, dass die positiven Rückmeldungen eindeutig überwiegen. So sei es sogar schon dazu gekommen, dass die Videos, die vom Leid der Tiere zeugen, Menschen Tränen in die Augen getrieben hätten. Die Studentin spricht von teils herausfordernden Gesprächen, die sich jedoch oft in sehr ergiebige Richtungen entwickeln würden, und man könne letztlich mit vielen Zweifeln und Mythen rund um die vegane Lebensweise aufräumen.

Neben dem „Circle of Truth“ organisiert WATU auch Kundgebungen, um darauf aufmerksam zu machen, wie bestimmte Dienstleister und Unternehmen vom Tierleid profitieren. Im November letzten Jahres wurde beispielsweise mit ca. 80 Aktivist*innen vor dem Zirkus Krone protestiert, der zu dieser Zeit in Würzburg Veranstaltungen mit Wildtieren aufführte. Darüber hinaus nimmt die Gruppe auch an Mahnwachen teil. Die bislang größte Protestaktion mit knapp 300 Teilnehmer*innen war der „Animal Rights March“ im Oktober 2019, der erstmals in Würzburg stattfand, von WATU organisiert wurde und am 17.10.2020 erneut stattfindet.

WATU betont, dass sie Menschen auf friedliche Art und Weise zum Nachdenken anregen möchten. Außerdem sei das Ziel, auf Augenhöhe Informationen über die Hintergründe der kommerziellen Tierhaltung sowie deren Auswirkungen auf die sogenannten Nutztiere, auf die Gesundheit von uns Menschen und die Umwelt bereitzustellen. „Wir möchten so viele Menschen wie möglich dazu inspirieren, eine tierleidfreie, vegane Lebensweise zu führen, mit dem Ziel, dass Tiere in Zukunft nicht mehr für den menschlichen Konsum für Fleisch, Milch, Fisch und Eiern ausgebeutet werden“, erklärt WATU. 

Außerdem hebt WATU hervor, dass bei ihnen jeder Mensch eingeladen sei, je nach Motivation, Zeit und Kapazitäten zu Aktionen zu kommen und nicht verpflichtet sei, regelmäßig teilzunehmen. Die Aktivist*innen erklären: „Wir sind ein Kollektiv, das bedeutet, dass wir keine Hierarchie in der Gruppe besitzen und wir für verschiedene organisatorische Angelegenheiten wie das Planen von Aktionen, Presse oder Öffentlichkeitsarbeit, Arbeitsgruppen gebildet haben, in denen sich jede*r nach Motivation, Zeit und Fähigkeiten einbringen kann. So variiert die Zahl der Menschen, die bei den Aktionen teilnehmen und die, die die Organisation übernehmen, ständig“. Wer mehr über die Arbeit von WATU erfahren möchte, kann die Gruppe auf allen gängigen Social Media-Kanälen finden.

Allen Unentschlossenen versichert WATU: „Würzburg ist genau der richtige Ort, um sich an die vegane Lebensweise heranzutasten!“. Würzburg sei eine sehr vegan-freundliche Stadt mit mehreren komplett veganen Restaurants und vielen anderen, die mindestens eine vegane Option anbieten. Mit vollem Magen protestiert es sich eben besser.

Jakob Nützel