Zum Inhalt springen

Das bedrohte Meer: Überfischung und ihre Folgen

Blog

(Quelle: Pixabay)

Fischen bis nichts mehr übrig ist – so lautet anscheinend das Motto der massiv gewachsenen Fischindustrie. Denn laut UNO-Bericht gelten 33 Prozent aller Bestände als überfischt und 60 Prozent als maximal genutzt. Im Mittelmeer und im Schwarzen Meer werden sogar von ganzen zwei Dritteln aller Fischarten mehr gefangen, als nachwachsen können. Dies hat fatale Auswirkungen für unsere Weltmeere zu Folge.

Als überfischt gilt ein Bestand, wenn so viel Fisch gefangen wird, dass sich die Art durch natürliche Vermehrung nicht mehr regenerieren kann. Dies führt zu einer Übernutzung der bestehenden Ressourcen, wodurch jetzt schon mehrere Fischarten ausgestorben oder extrem zurückgegangen sind. Zudem wird durch die Überfischung auch in die Nahrungsketten im Meer von außen eingegriffen. Denn wenn eine Fischart sich besonders stark verringert, leiden darunter auch diejenigen Arten, die diesen Fisch als Nahrungsquelle dringend benötigen. Letztendlich führt dies zu erheblichen Veränderungen des Gleichgewichts im Meeresökosystem.

Die Europäische Union entscheidet im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP), wie viel Fisch pro Jahr gefangen werden darf. Dabei werden sie eigentlich vom Internationalen Rat für Meeresforschung beraten. Trotzdem fallen die Fangmengen deutlich höher aus, als es Wissenschaftler*innen raten. Weltweit wird immer mehr Fisch gegessen, seit 1961 hat der Konsum jedes Jahr um über drei Prozent zugenommen. Laut UNO hat 2018 jeder Mensch im Schnitt 20 Kilogramm Fisch gegessen und von einem weiteren Zuwachs ist auszugehen – diese Nachfrage gilt es zu stillen. Hinter der Überfischung der Meere steckt also eine riesige Industrie, die mit unserem Fischkonsum erheblichen Profit macht.

Die eigenen Fischbestände reichen daher längst nicht mehr aus. In Deutschland können zum Beispiel nur 12 Prozent der Nachfrage aus eigenem Fang gedeckt werden. Daher muss Fisch massenhaft importiert werden, was zum Verhängnis für lokale Fischer wird. Denn für 800 Millionen Menschen weltweit ist Fisch eine der wichtigsten Einkommens- und Nahrungsquellen. Aufgrund der Überfischung durch die Industriestaaten wird ihre Existenz bedroht. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch China, das weltweit die mit Abstand größte Fischereiflotte besitzt. Sie fischen in den Meeren Ost- und Westafrikas, vor den Galapagosinseln, im Iran und laut Studien auch heimlich vor Nordkorea. Die Fischer vor Ort protestieren seit Jahren gegen die Eingriffe anderer Länder in ihren Gewässern, da für sie dadurch nichts mehr übrig bleibt. Doch Beachtung wird ihren Protesten nur wenig geschenkt.

Besonders gefährlich sind auch die Methoden der Fischerei. Die tonnenschweren Bodenschleppnetze richten am Meeresgrund verheerende Schäden an, indem sie beispielsweise wichtige Korallenriffe zerstören. Auch der sogenannte Beifang stellt ein immenses Problem dar. Denn aus den Gewässern werden nicht nur diejenigen Fische gefangen, die letztendlich auch in unseren Märkten landen. Schätzungsweise ertrinken jährlich 300.000 Wale und Delfine, die sich in den Fischernetzen verfangen haben. Auch für zahlreiche Schildkröten und Seevögel bedeuten die Fischereimethoden den Tod. Zusätzlich werden auch noch Millionen Tonnen Fisch jedes Jahr wieder sterbend oder stark verletzt in die Meere zurückgeworfen, da hochwertigere Fische sich besser verkaufen lassen.

Das Unterwasserleben, die Umwelt und auch die Existenz von zahlreichen Menschen wird durch die Überfischung also extrem bedroht. Wenn es zu keinen Veränderungen kommt, wird irgendwann nichts mehr übrig bleiben. Die Zukunft für unsere Meere sieht düster aus.

Liora Shahrestani Mayer