Der Tag
Endlich ist der Tag gekommen,
vor Euphorie vollends benommen,
schreie ich es laut hinaus,
das Patriarchat ist endlich aus.
Nie mehr nachts die Schlüssel halten,
aus anderem Grund als die Tür aufzuschließen.
Kann im Bikini meine Blumen gießen,
Ohne, ganz ohne die Blicke irgendeines Alten.
Keine ungewollten Männerhände an meinem Po,
kein Gehirn ist mehr so roh.
Lasst mich feiern, lasst mich rufen,
das Patriarchat hat hier nichts mehr zu suchen.
Ach wie schön es doch wäre,
würde ich nicht nur fiktiv reimen.
Es bringt mich nur zum Weinen,
bedenke ich die Leere.
Die Leere in den Köpfen von Politikern,
Ja Politiker, ungegendert.
Die zum Kampftag Rosen verteilen,
Und denken, bei der nächsten Wahl würden wir nun zu ihnen eilen.
Und so nehme ich zurück,
was ich eben laut verkündet,
Und sage es nun noch einmal, Stück für Stück:
Der Tag, an dem ich nicht mehr bange,
weil meine Freundin mir nicht zuhaus geschrieben hat,
weil die Tür nicht sofort hinter mir zuklackt,
der Tag an dem mein Körper mir gehört,
und die Vorstellung auch den letzten Mann nicht mehr verstört
wenn Polizei und wir nicht mehr nach Hautfarbe clustern,
und verdammt, noch nicht mal mehr deshalb mustern,
wenn Er Er sein kann, denn er ist nicht Sie,
wenn Sie Sie offen lieben kann, oder Er Ihn, Sie Them oder auch niemanden, je.
Der Tag an dem all diese Gründe nicht mehr zählen,
an dem wir Grund 1 bis 219a abwählen,
Freund*innen, ich sag’s euch
dann werde ich vollends benommen
euphorisch auf der Straße stehen.
Dann schreien wir es laut hinaus,
das Patriarchat ist wirklich endlich aus.