Die Musik deiner Zukunft

Musik existiert schon sehr lange. Wie lange genau, ist unbekannt. Der Philosoph Demokrit schrieb ca. 400 vor Christus davon, dass Menschen wohl irgendwann versucht hätten, den Gesang der Singvögel nachzuahmen. Sie hätten Schilfrohre als Instrumente und ihre Stimmen genutzt. So hätten sie begonnen, als Spiegel der Natur Musik zu machen.
Heute kennen wir Musik der Vergangenheit und der Gegenwart. Die Musik der Zukunft dagegen wird uns für immer fremd und ungewiss bleiben. Menschen schreiben Bücher, drehen Filme, haben Visionen von der Zukunft. Doch sobald die sogenannte „Zukunft“ passiert, ist sie bereits Gegenwart. Und selbst diese wird uns meist erst so richtig bewusst, wenn sie bereits der Vergangenheit angehört.
Wir werden niemals die Möglichkeit haben, Zukunftsmusik als solche zu hören. Die Zukunft können wir jagen, so viel wir wollen – sie wird uns immer unausweichlich einen Schritt voraus sein. Der Verlauf der Zeit mit seinen Geschehnissen ist viel zu komplex, fremd und unbekannt, um ihn durchschauen zu können.
In unseren Leben war die Musik schon immer da. Von Anfang an. Bevor wir überhaupt geboren waren, haben die meisten bereits Musik gehört. Auch nach ihrem Tod werden viele bei ihrer Beerdigung noch Musik gespielt bekommen.
Ganz sicher ist, dass jeder in irgendeiner Form mit Musik groß geworden ist. Viele Menschen verbinden irgendwelche besonderen Momente ihres Lebens mit spezifischer Musik. Meistens ist das Lied oder die Melodie an sich nicht das zentral Wichtige. Es kommt vor allem darauf an, mit welchen Emotionen wir die Musik verknüpfen. Es kommt vor allem darauf an, was in unserem Herzen geschieht.
Es gibt diesen Spruch: „Musik ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt zu werden, da die Seele spricht.“ Auf der ganzen Welt wird Musik gemacht. Egal, wie es den Menschen dort geht. Selbst wenn es Menschen total übel geht, ist Musik da, die sie verbindet oder weiterbringt. Teilweise ist diese Musik auch ein bewusster Ausdruck der Lebenssituation. Ich bin der Überzeugung, dass Musik in gewisser Weise alle Menschen miteinander verbindet. Es ist ein unsichtbares Band der Menschlichkeit. Wir können die Musik ein Leben lang nicht loslassen oder abgeben. Das ist einfach etwas, was in uns steckt. Musik begleitet uns ein Leben lang. Schwer zu sagen, was wir ohne Musik wären, schließlich kennen wir es nicht anders. Deshalb glaube ich auch, uns würde etwas Essentielles fehlen.
Wenn du dir vorstellst, du wärst eine Melodie. Unser gesamtes Leben wäre eine Melodie. Wann genau sie angefangen hat, kann niemand sagen. Wir erinnern uns normalerweise nicht an die frühesten Dinge, die wir erlebt haben. Doch im Verlauf des Lebens wird uns diese Melodie bewusst. Dann spürst du sie. Diese Musik, die dich trägt und begleitet und nicht loslässt. Du treibst auf dieser Melodie wie ein Papierboot auf einem Fluss. Ohne Wahl. Die Melodie deines Lebens ist einfach da: manchmal fröhlich, manchmal melancholisch, manchmal ganz schnell und wild, manchmal langsam und ruhig, manchmal sogar ganz still. Deine Lebensmusik ist völlig individuell. Es erscheint dir unmöglich, sie mit Worten und Taten auszudrücken. Nur du selbst hörst sie. Vielleicht kannst du Teile, Abschnitte oder eine bestimmte Stimmung für den Moment darstellen. Aber alles zusammen – das ist unmöglich. Dafür ist alles einem viel zu großen Wandel unterworfen. Auf einmal verändert sich die Melodie und schlägt eine neue, unbekannte Richtung ein. Nur die Grundtöne werden wohl dein Leben lang in die Melodie verwoben bleiben. Womöglich besteht keine Chance, sie jemals loszuwerden. Es ist einfach deine Melodie. Du bist die Melodie.

In unserem Leben wird noch viel Musik auf uns zukommen. Manche wird uns gefallen, andere werden wir verabscheuen und wieder andere werden wir schnell vergessen. Aber eine echte Wahl haben wir nicht. Wir wissen nicht einmal, wie lange wir noch Musik hören dürfen und können. Genauso wenig wissen wir, was für eine oder ob überhaupt irgendeine Musik danach kommt.
Die Frage, die sich hierzu stellt, lautet wie folgt: Wollen wir die Zukunft kennen? Unsere Zukunftsmusik? Ist es wirklich das, was wir im Leben erreichen wollen? Immer nach vorne schauen, immer wissen was passiert, nie überrascht werden, im Positiven wie im Negativen. Wäre das Leben nicht langweilig, wenn wir alles wüssten? Also sind wir still. Viele von uns träumen von der Zukunft, erhoffen sich Bestimmtes von der Zukunft. Doch am Ende bleibt sie fremd und unbekannt, im Verborgenen. Unser Leben ist kein Leben der Zukunft. Es ist dein Leben der Gegenwart.