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Ein bisschen mehr Grün

Blogvon Anna-Lisa La Rocca

In einer Zeit, in der wir neben dem Einkaufen nicht viele Anlässe haben rauszugehen, sind in Parks mehr Spaziergänger denn je unterwegs. Besonders in Städten, in denen man im Normalfall nicht einfach mal den Wald vor der Tür hat, bieten sie vielen Menschen ein Fünkchen Ruhe und Frieden im Stadtalltag. Denn all das, was Städte sonst so attraktiv gemacht hat, stand im letzten Jahr still: keine Nachtclubs, keine Restaurantbesuche, keine Möglichkeiten, neue Leute kennenzulernen. Da wünscht man sich doch glatt das Landleben zurück, das viele Studenten in die Stadt hat ziehen lassen!
Ein bisschen mehr Grün wäre dafür schön. Gerade jetzt, wo die Produktivität und Industrie der Natur mit nur einem Wimpernschlag vorgezogen wird, scheint das ein sinnvoller Wunsch zu sein. Und genau dafür wird in vielen Städten schon gesorgt: Utrecht in den Niederlanden war die    erste Stadt, die im Sommer 2020 über 300 Dächer der Bushaltestellen bepflanzt hat und auch viele deutsche Städte wie Berlin und Hamburg haben nachgezogen.

Quelle: Anna-Lisa La Rocca EinBisschenMehrGrün.jpeg

„Urban Gardening“ nennt sich der Trend, der mehr Grün in die Städte bringen will. Neben dem Verschönern des grauen Stadtalltags sollen die vertikalen Gärten an Wänden oder wild bepflanzte Balkone auch das Mikroklima der Städte verbessern. Sie können zum Beispiel den in den letzten Jahren bedrohten Bienen neue Nahrungsmittel bieten und oder sogar für bessere Luft sorgen, indem sie mehr CO2 binden. Durch den Anbau von Obst, Kräutern und Gemüse kann Urban Gardening außerdem das Angebot an lokalen Nahrungsmitteln mit ortsnahem Konsum fördern und damit ebenfalls den CO2-Ausstoß verringern. Die Wurzeln dieser Bewegung liegen in New York, wo es seit den 70er Jahren sogenannte Community Gardens gibt. Die Idee dahinter war es, stadtgestalterische mit gärtnerischen und ernährungspolitischen Fragen zu verbinden und diese alltagspraktisch umzusetzen. Daraus entwickelte sich schließlich das Konzept der nicht-kommerziellen Gartenprojekte, die durch die immer mehr zur Nachhaltigkeit tendierende Gesellschaft weiter angekurbelt wurden.
Auch in Würzburg gibt es diverse Urban-Gardening-Projekte. Neben dem Kräutergarten, der im Innenhof des Jugendkulturhauses Cairo seinen Platz gefunden hat, zählt dazu auch der „CampusGarten“ der Uni Würzburg. Dieser befand sich bis vor kurzem beim Students’ House am Hubland, musste diesen Platz jedoch abgeben, da das Students’ House in nächster Zeit abgerissen wird. Doch dem Referat Ökologie wurde bereits eine Verlegung an einen neuen Platz auf dem Unigelände zugesprochen. Dennoch wird es noch eine Weile dauern, bis dieser zur Verfügung stehen wird. Der schon 2014 gegründete Garten macht trotzdem schon ganz schön was her. Durch seine Zweiteilung in Eigenbepflanzung und einen angelegten Steingarten soll er die Biodiversität fördern. Dabei bieten Insektenhotels und Blühwiesen für viele Tiere neue Lebensräume.
Gemeinsam mit dem Würzburger Urban-Gardening-Verein Stadtgärtner konnte das Referat Ökologie sogar für das Landesgartenschaugelände 2018 eine 2000 Quadratmeter große Stadtgartenschau zusammenstellen. Nicht ohne Grund begeistert der CampusGarten über 100 Studierende. Mit seiner Fläche, die inzwischen zwei Handballfelder umfasst, gestaltet der CampusGarten der Universität Würzburg damit also den Würzburger Alltag. Und das ist auch dringend notwendig. Denn neben positiven Auswirkungen auf das Klima und die Artenvielfalt in der Stadt kann Natur auch das psychische Befinden der Menschen verbessern.
Wer sich das nächste Mal ausgelaugt und fertig fühlt, bevor der Uni-Tag mit Zoom- Meetings und Vorlesungsaufzeichnungen überhaupt richtig angefangen hat, sollte, anstatt einfach nur das Fenster zu öffnen und kurz zu lüften, einen Spaziergang in der Natur zu machen. Vielleicht im nächstgelegenen Park?
Das kann die Herzfrequenz, den Blutdruck und die Adrenalin-Ausschüttung senken und damit auch das Stressgefühl lindern, das einen viel zu oft ergreifen kann, wenn man im Unialltag das Gefühl hat, nicht produktiv genug zu sein. Deshalb sieht man: Urban Gardening und ein bisschen mehr Grün in der Stadt erscheint doch durch und durch sinnvoll.