Fernweh meets Leadership

Praktika und Freiwilligenarbeit im Ausland sind beliebt unter Studierenden – besonders nach nun beinahe zwei Jahren Pandemie hat viele das Fernweh gepackt. Endlich wieder in den Zug oder ins Flugzeug steigen, fremde Orte erkunden, neue Menschen kennenlernen, exotische Gerichte probieren und am Ende mit spannenden Geschichten nach Hause zurückkehren, das können viele kaum noch erwarten. Praktika und soziale Projekte bieten außerdem eine tolle Gelegenheit, praktische Erfahrungen zu sammeln, die das Studium ergänzen können, in eine andere Arbeitskultur reinzuschnuppern, die eigenen Sprachkenntnisse zu verbessern, internationale Kontakte zu knüpfen und sich dabei persönlich und professionell weiterentwickeln.
Doch ein Praktikum im Ausland kann auch eine Herausforderung sein, besonders wenn es zum ersten Mal allein und für längere Zeit ins Ausland gehen soll: Wo möchte ich hingehen? Wie komme ich an einen Praktikumsplatz heran? Wie finde ich Anschluss vor Ort?
Genau hier setzt AIESEC an. Wir sind eine internationale Studierendenorganisation, die nach dem zweiten Weltkrieg mit dem Ziel gegründet wurde, interkulturellen Austausch zu fördern und dadurch mehr Toleranz, Respekt und Zusammenarbeit zu schaffen. Uns ist wichtig, dass du eine gute Erfahrung hast. Du hast immer jemanden an deiner Seite, der dich während des gesamten Prozesses begleitet, von der Anmeldung über die Bewerbung, die Reisevorbereitungen und natürlich auch während deiner Zeit im Ausland. Zusätzlich bieten wir dir ein Vor- und Nachbereitungsseminar, in dem du dich mit anderen austauschen und deine eigenen Erfahrungen reflektieren kannst.
Die Reflektion eigener Erfahrungen ist uns bei AIESEC besonders wichtig: Neben interkulturellem Austausch ist Leadership Development unser zweites Kernthema. Unser Ziel ist es, die persönliche und professionelle Weiterentwicklung von jungen Menschen zu fördern. Die jungen Leute von morgen sind die Führungskräfte von morgen – wir geben ihnen die Chance, ihre Führungsqualitäten in einem sicheren Umfeld zu entwickeln, die eigene Komfortzone zu verlassen, neue Dinge auszuprobieren, auch mal Fehler zu machen und ihre Soft- und Hard Skills auszubauen.
Als ich AIESEC vor vier Jahren beigetreten bin, hatte ich von all dem keine Ahnung. Ich war zu Beginn meines Studiums neu in die Stadt gezogen und wusste nur eines: Ich möchte nicht nur studieren. Mir war es von Anfang an wichtig, mich nebenbei ehrenamtlich für einen guten Zweck zu engagieren – und natürlich neue Leute kennenzulernen. AIESEC war durch Zufall die erste Organisation, über die ich gestolpert bin, und ich habe mich angemeldet, ohne genau zu wissen, worum es eigentlich geht.
Seitdem sind vier Jahre vergangen und inzwischen bin ich Vorstandsvorsitzende von AIESEC in Jena und leite mein eigenes Lokalkomitee – etwas, das ich mir vor vier Jahren niemals hätte vorstellen können. Und genau das ist es, was AIESEC für mich zu etwas ganz Besonderem macht und warum ich nach so langer Zeit immer noch hier bin: Es ist für mich ein Ort, an dem ich mich ausprobieren kann, aus meiner Komfortzone herausgezogen werde und immer wieder an neuen Herausforderungen wachse. Ist das manchmal unangenehm? Auf jeden Fall! Aber in dieser Organisation bin ich umgeben von Menschen, die sich gegenseitig unterstützen, sich selbst genauso weiterentwickeln wollen wie ich und die alle ein gemeinsames Ziel verfolgen. Das gibt mir das Gefühl, in einem „Safe Space“ zu sein, in dem ich auch mal Fehler machen kann – denn daraus lernt man schließlich.
Gelernt habe ich in den letzten vier Jahren unheimlich viel: Wie kann ich Inhalte in einem Workshop so vermitteln, dass alle mitkommen? Wie kann ich vor hunderten von Menschen sprechen oder an einem Infostand an fremde Menschen herantreten – etwas, was für einen eher schüchternen Menschen wie mich gar nicht so einfach ist. Worauf kommt es eigentlich in der Teamarbeit an? Wie funktionieren Google Sheets und wie kommuniziere ich mit anderen? Wie ist es, als Freiwillige in einem fremden Land zu sein, dessen Sprache ich nicht spreche? (Mit AIESEC war ich zum ersten Mal in meinem Leben allein in Südamerika unterwegs – eine der prägendsten Erfahrungen meines Lebens!)
Ich habe in verschiedenen Teams und mit den unterschiedlichsten Menschen zusammengearbeitet und dabei Einblicke in die Bereiche Marketing, Human Resources und Finanzen bekommen – und obwohl ich damit als zukünftige Lehrerin wohl eher weniger arbeiten werde, konnte ich aus jeder dieser Erfahrungen etwas mitnehmen, das sich auch auf andere Bereiche meines Lebens übertragen lässt, wie zum Beispiel gutes Zeitmanagement, mehr Selbstbewusstsein und mehr Klarheit darüber, wer ich bin und was ich in meinem Leben erreichen möchte.
Das Wichtigste: Ich kann mehr, als ich mir selbst zutraue. Und was ich noch nicht kann, das kann ich lernen.

Henrike Münch