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Kunst – (Un)Sinn?

Blog

Als Mitglieder eines Kunstvereins, der sich in der Sammlung des Kulturspeichers hauptsächlich mit moderner bzw. konkreter Kunst beschäftigt, werden wir oft mit der Frage konfrontiert: Ist das Kunst? Einfache Quadrate und Kreise auf einer Leinwand oder ein in sich verschlungener Draht – oft bekommt man ähnliche Aussagen wie diese zu hören: „Das kann ich doch auch machen, dafür braucht es kein Talent. Das macht als Kunstwerk keinen Sinn.“ Mit einem abschließenden Schnauben wendet sich der Sprechende dann vom Bild ab und sucht sich etwas, das in seinen Augen eher Kunst ist.
Hat Kunst jedoch etwas mit Sinn zu tun? Braucht Kunst einen Sinn? Ist Kunst sinnvoll oder unnütz und frei von Sinn? Oder ist Kunst nur dann voll mit Sinn, wenn jeder Betrachter direkt versteht, was die Kunst erreichen möchte?

Braucht Kunst einen Sinn?

Um dieser Fragestellung nachzugehen, muss man zuallererst definieren, was Kunst eigentlich ist.
Viele bekannte Persönlichkeiten der Zeitgeschichte versuchten sich an dieser Definition und unterscheiden sich in ihren Antworten: Während Goethe Kunst als „eine Vermittlerin des Unaussprechlichen“ bezeichnet, nennt der Maler Paul Cézanne Kunst eine „Harmonie parallel zur Natur“. Kunst ist demnach etwas nicht Natürliches, etwas Menschengemachtes, vermittelt Gefühle, die die Sprache nicht auszudrücken vermag und spendet in ihrem Dasein Hoffnung und Inspiration. Doch welche Bereiche umfasst die Kunst? Sind das nur die Malerei und bildende Kunst?
Folgt man den gängigen Definitionen hierfür, wird als ursprünglich anerkannte Kunst in der Antike nur die Musik aufgeführt – die bildende Kunst hatte nur den Zweck der Repräsentation durch Skulpturen. Auch im Mittelalter war die bildende Kunst ein Kommunikator, beispielsweise zwischen der Kirche und dem analphabetischen Kirchenpublikum. Kunst war durch ihre teuren Materialien, das nötige Talent und die meist privilegierten Inhalte, eine Repräsentation von eigener Macht – Kunst sollte der Welt zeigen, was man selbst erreichen konnte und erreichen wollte. In der frühen Neuzeit änderte sich in der Funktion nur wenig – so konnten sich allerdings nicht nur Personen von Adel Kunst leisten, sondern ebenso Kaufmänner/-frauen und andere wohlhabende Personen. Kunst war ein Luxusgut. Doch wie sieht es heute aus? Erfüllt Kunst heute noch einen Zweck? Die Ständegesellschaft existiert in diesem Sinn nicht mehr, jeder Mensch kann mit jedem sozialen Hintergrund etwas erreichen – Kunst ist dabei dennoch immer ein Status des Genusses und des Luxus. Heutzutage ist der/die Künstler/-in kein „Werkzeug“ einer anderen Person, sondern ein/e eigenständig Handelnde/r mit eigenen Gefühlen, Inspirationen und Beweggründen, die er/sie in seine/ihre Kunstwerke einfließen lässt.

Doch wer entscheidet eigentlich, was Kunst ist und was nicht? Darf man im Allgemeinverständnis Kunst den Sinn und die Daseinsberechtigung absprechen? Was macht Kunst mit uns und gibt es wirklich Kunst ohne Sinn? Zur Beantwortung dieser Frage haben wir uns in unserem Verein einmal umgehört und einige Statements gesammelt:

„Das Interessante an Kunst? Sie besitzt Sinn und Unsinn zugleich, in jeder Form und Variante. Für den Kunstschaffenden macht sie Sinn, für den Betrachtenden keinen oder umgekehrt. Kurzum, Kunst ist keine Sache die bewusst geschaffen wird. Sie entbehrt sich sogar jeglicher Logik. Sie ist in erster Linie ein Ausdruck von Emotionen und kann im Zuge dessen auch neue hervorrufen. Somit ist jedes Kunstwerk einzigartig, da es stets individuell interpretiert und bewertet wird.“ (Nadine)

„Kunst als Unsinn zu bezeichnen nimmt ihr nicht die Bedeutung, sondern macht sie frei von direkten organischen Empfindungen. Im Unsinn findet Kunst ihren Sinn abseits von kausalen, vernunftgeleiteten Schlussfolgerungen. Dabei entsteht Raum und Offenheit für ästhetische Erfahrungen, es werden Denk- und Veränderungsprozesse angestoßen.“ (Maria)

„Kunst ist eher Sinn. Sie ist eine natürliche Reaktion und ein Nebenprodukt der menschlichen Erfahrung. Als Menschen haben wir den Impuls, unsere Welt und Erlebnisse nachzubilden, damit wir sie besser verständlich machen und interpretieren können. Das Resultat ist die Kunst, die unsere Welt, Umgebung, Emotionen, Probleme, und Menschlichkeit in ganz verschiedenen Formen und Medien widerspiegelt.” (Meghan)

„Kunst existiert eigentlich gar nicht! Zumindest nicht von sich aus, sondern nur in Abhängigkeit von unserer eigenen, subjektiven Perspektive darauf. Anders gesagt: Alles kann Kunst sein, wenn wir es dafür halten. Kunst ergibt Sinn für denjenigen, der ihr einen zuschreibt. Damit befreit sie uns vom Druck des gesellschaftlichen Konsenses: Niemand kann kontrollieren, was wir als Kunst empfinden. In unserer Kunstbetrachtung sind wir ganz frei und ganz wir selbst.” (Lara)

„Kunst unterscheidet sich vor allem dadurch von Nicht-Kunst, dass sie keinen Zweck erfüllt. Erst das macht sie wirksam, weil sich ihr Sinn nicht auf eine Aufgabe hin zuspitzt – so wie ein Bett vor allem dazu da ist, nicht auf dem Boden schlafen zu müssen. Hat es das vollbracht, ist seine Aufgabe quasi erfüllt – sondern einen Denkprozess eröffnet. Das berühmteste Bett in der Kunst ist wahrscheinlich das von Tracey Emin, das sich in kaum etwas von anderen Betten unterscheidet, außer, dass es im Museum steht. Es verdrängt seinen ursprünglichen Sinn und macht Platz für etwas anderes, was es herauszufinden gilt. Dieser Sinn ist aber nicht mehr vom Hersteller festgeschrieben, sondern entsteht erst beim Betrachter, und ist in 100 Köpfen 100mal verschieden. Dieses kreative Unverständnis macht ein Objekt zum Kunstwerk.“ (Philipp)

Kann man Kunst also einen Sinn oder Un-Sinn zuschreiben? – Das muss wohl jeder selbst
entscheiden

So verschieden wie wir Menschen sind, so verschieden ist auch unser Blick auf und Empfinden von Kunst. Vielleicht gibt es also gar nicht „die Kunst“, sondern unendlich viele individuelle Wege, die Welt zu verarbeiten und unsere eigene Position in ihr auszuloten. In unserem ästhetischen Empfinden werden wir zwar von unserer Umgebung geprägt, aber wir haben immer die Möglichkeit, unsere Vorstellungen zu hinterfragen und uns so vielleicht ganz neu zu (er)finden. Ein befreiender Ansatz ist es, die Suche nach dem Sinn hinter der Kunst bei der Auseinandersetzung mit dieser außer Acht zu lassen und einzig und allein die Empfindungen, die die Kunst auslöst, in den Vordergrund zu stellen.

Was soll Kunst für dich sein? Egal wie privilegiert und elitär Kunst für manche erscheinen mag – generell ist kein Vorwissen vorausgesetzt, um Kunst zu erleben. Lass dich auf die Entdeckungsreise ein und du wirst feststellen, dass es dafür nichts braucht außer einer Portion Neugier und Offenheit. Fühl dich dabei nicht schlecht, wenn du ein Kunstwerk nicht magst oder nicht verstehst – Kunst soll dein Leben schöner machen, nicht komplizierter. In der Kunst ist für wirklich jeden Geschmack etwas dabei, denn: Egal wie komisch du bist, es gibt immer noch Salvador Dalí.

Falls du jetzt Lust hast, dich in einer tollen Gruppe mit Kunst zu beschäftigen und dabei noch einen Blick hinter die Kulissen eines Museums zu werfen, dann schau doch mal bei uns vorbei. Wir freuen uns auf dich!

Tamara Hauer, Lara Turtur
vom Verein: MiKs – Junge Freunde Freundeskreis Kulturspeicher Würzburg