Mir war kalt als es brannte und es brannte hell
Es ist tief, tief im Winter und draußen scheint die Sonne nicht.
Es ist tief, ich schniefe, meine Nase trieft,
Wie bei Kindern, wenn sie abends mit roten Backen
Und Moos in den Taschen nach Hause kommen.
Nach Hause kommen verstehe ich nicht.
Zuhause ist so ein abstrakter Begriff:
Vier Wände, oder etwas mehr,
Ein Dach, ein Boden, ein Bett und wer
Oder was ist dein Zuhause für dich?
Ein Ort, eine Ansammlung von Dingen?
Was ist mein Zuhause? Für dich
Zu atmen und dir etwas vor zu singen.
Ich bin stehen geblieben auf der letzten Note.
Eine hohe, kalte, die ich halte und betone
Bis sie schließlich zu Pausen zerbricht.
Rauchst du? Nein, ich rauche nicht,
Ich brenne! Ich renne aus den Flammen,
Als Botschaft an uns alle und von allen,
Dass unser Haus brennt. Wie subtil.
Weißt du noch, damals, als Zuhause zerfiel?
Es ist kalt hier, frierst du? Mir ist kalt.
Es ist halb vier, hilfst du mir dich bald
Mal wieder zu sehen? Wir kreisen in viel zu großen Runden
Um Ruinen wie Monde und wie die Hunde
Suchen wir Zuhause und jaulen durch die Nacht
Die uns nachdenklich und manchmal auch noch trauriger macht.
Es ist viel zu spät, um noch Sterne zu sehen,
Ein Schiff, das über Wolken segelt, wird auch darin untergehen.
Es ist tief und keiner versteht es,
Keiner kann es fassen und jeder verdreht es.
Menschen wollen die Sterne ergreifen
Doch können noch nicht einmal den Horizont erreichen.
Menschen wollen Tiefgang und Emotion,
Menschen wollen Niedergang und Destruktion.
Menschen wollen Wahrheit und Menschen wollen Zahlen,
Menschen wollen Nacktheit, Menschen wollen Qualen.
Ich bin stehen geblieben auf der letzten Not.
Ein hohles, kaltes Dasein, bis zum Tod,
Das schließlich zu tausenden Scherben zerbricht.
Läufst du? Nein, ich laufe nicht,
Ich renne! Ich brenne vor Wut,
Eine Botschaft an Alle: Genug ist genug!
Unser Haus brennt. Wie irrelevant.
Weißt du noch? Damals ist Zuhause verbrannt.
Es war warm hier, frierst du? Mir ist zu heiß.
Wir waren hier, frag nicht woher ich das weiß.
Wir suchen nach dem Ende aber halten in der Mitte
Inne.
Wir suchen nach Zuhause und kratzen uns die Augen aus.
Bauen den Turm in den Himmel, weil jeder Held eine Hybris braucht
Und Babel geht neben Atlantis baden.
Wir spielen um unser Leben und haben nicht die besten Karten.
Wir sprechen Sprachen, die keiner versteht.
Wie wollt ihr jemals hören, wenn ihr nur mit den Augen seht?
Blind und taub mit einem steinernen Lächeln
Bringt ihr die stärksten Schwächen zum Zerbrechen.
Und manchmal, wenn ich nachts meinen Tiefpunkt erreiche,
Dann bete ich dafür, dass ich keinem von euch je gleiche.
Es tut weh, nur zuzusehen und immer allein zu sein,
Doch es muss höllisch sein sich immer wieder selbst zu verneinen.
Nein, ich bin nicht das, was du nicht sein wollen würdest!
Nein, ich bin hier drinnen. Mir ist zu kalt, was vor der Tür ist.
Nein, ich bin nicht weichlich, ich will nur nicht wieder frieren
Und aus Büchern, die ich nie gelesen habe, zitieren.
Meine Augen tun weh, klar, sie bluten ja auch noch.
Ich kann dich nicht mehr vor mir sehen. Oder etwa doch?
Da ist ein Fleck genau an der Stelle, wo sonst mein Augenlicht war.
Hab schon vergessen, was ich im letzten hellen Augenblick sah.
Ich hasse das Licht, weil es mir zeigt, dass ich blind bin.
Über der Stadt, die mir zeigt, dass ich ihm Herzen ein Kind bin,
Das seine Zukunft für ein Glas Wasser und eine Hand voll Kekse
Verkauft hat. Er findet uns und du bist der nächste!
Er macht dir ein Angebot, er stellt dich vor die Wahl:
Glück, nach ewiger Wanderung oder ewige Qual.
Doch zögere nicht zu lange, sonst trifft es dich wie mich:
Bin ewig voller Qualen gereist während mein endliches Glück verstrich.
Dreh dich um! In den Schatten, da! Siehst du ihn nicht?
Da steht der Sandmann, der dir zuckersüße Träume verspricht.
Er lockt dich damit an und zeigt dir, was du nie finden wirst
Und dann willst du es so sehr, dass du den Verstand verlierst.
Zuhause, das ist so ein abstrakter Begriff.
Ich will über Wolken fahren und ich
Besteige im nächstbesten Hafen ein Schiff.
Weil, weißt du nämlich, was Zuhause betrifft,
War ich es, der den Funken in den Zunder blies,
Der den Dolch in die Seele unserer Gesellschaft stieß,
Gemeinsam, mit allen anderen vereint.
Wir sind so unendlich groß, aber gemeinsam sind wir klein.
Es ist kalt, so tief sitzt der Schmerz nach dem Angriff.
Ich will mich umentscheiden, doch ich kann nicht
Ungeschehen machen was ich tat.
Unsere Stunde hat geschlagen, von unten ans Kinn und so hart,
Dass wir alle unsere Zähne verlieren, die strahlend weißen.
Wir beißen uns an gestern fest, denn heute ist scheiße.
Am Horizont kann ich das Ende der Wolkendecke sehen.
Ein Schiff, das über Lügen segelt, wird auch darin untergehen.
Es ist kalt hier, frierst du? Mir ist es zu viel.
Weshalb? Weil schon wieder Zuhause zerfiel.
Mal wieder kreisen wir mit viel zu großen Träumen
Um Ruinen wie Monde und wie die Streuner
Suchen wir Zuhause und jaulen durch die Zwinger,
Was es manchmal besser macht und manchmal schlimmer.
Ich traue mich nicht mehr, mich im Spiegel anzusehen,
Eine Gesellschaft, die auf Leichenbergen steht, muss untergehen.
Elias Stahl