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Studiere zuerst dich selbst, bevor du andere studierst

Blogvon Sinah Breunig

Quelle: Sinah Breunig
Quelle: Sinah Breunig

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“   Würdest du als Leser zum Lesen des Textes deine Augen nicht benötigen, so würde ich dich nun darum bitten, sie zu schließen. Aber gut, dann versuchen wir es eben über den anderen Ansatz: Öffne dein Herz. Ich weiß, leichter gesagt als getan, aber versuch es beim folgenden Abschnitt einfach mal. Mach dein Herz weit und konzentrier dich auf dein Innerstes. Auf das, was dich tief in deinem Inneren bewegt und antreibt. 
Mit geschlossenen Augen sitzt du da. Du versuchst dein Herz zu hören, doch das ist wesentlich leichter gesagt als getan. Dabei suchst du doch bereits dein gesamtes Leben lang einfach nur nach etwas, was dich im Leben führt und leitet. Menschen kommen und gehen, Momente und Augenblicke ziehen an dir vorbei, wie Schatten eines anderen Ichs. Die ganze Hektik um dich herum. Alle wollen so viel von dir. Und inmitten der Trümmer deiner Schlacht stehst du. Du suchst dich selbst und weißt nicht, wo du anfangen sollst. Wie kann man ohne Anhaltspunkt ehrlich zu sich und der Welt sein? Also sitzt du da und liest und stockst und liest weiter und träumst. Du probierst Dinge, scheiterst und schaffst es irgendwie wieder dich aufzuraffen und aufzustehen. Und dann wirst du erst wirklich melancholisch. Mit dem Blick durch dein Zimmer streifend versuchst du verzweifelt eine Erklärung für alles zu finden. Vielleicht wandert dein Blick nun zu einem dieser aufstellbaren Ringbuch-Sprüchekalender, wie ich einen hinter meinem Schreibtisch auf meinem Fensterbrett stehen habe. Ein Geburtstagsgeschenk. Weil ich doch so viel nachdenke oder warum auch immer… 
Da hat sich vor einiger Zeit mal ein kluger Kopf etwas überlegt und seine Erkenntnisse in solch einen Spruch gepackt. Und jetzt kommt unsere Oma, ein Onkel oder irgendeine Freundin mit einem solchen Zitat an und meint dir damit, wie auch immer, helfen zu können. Was verbirgt sich hinter solchen allgemeinen Sätzen, die anscheinend für jeden zu gelten haben? Oder ist da möglicherweise in Wahrheit einfach nichts dahinter? Geschwafel ohne Sinn?

Quelle: Sinah Breunig

Wenn es mir mal schlecht geht, schreibe ich entweder, mache Sudokus, spiele Gitarre oder blättere in diesen 365 Seiten herum, auf der Suche nach mir selbst. Da stehen kluge Dinge und ich wähle immer den Spruch aus, der mich gerade anspricht. Und dann lese ich mir den aufgeblätterten Spruch ein paar Mal nacheinander durch, säusle ihn vor mich hin und lege nachdenklich den Kopf schief. Manche Sprüche ergreifen mich so emotional, dass ich weinen oder lächeln muss. Manchmal auch beides. Solche Sprüche wirken immer so einfach. Wie ein Rezept zum Glück. Dummerweise enthält solch ein Spruch meist nur ein paar der vielen Zutaten. Vom Zubereitungs- und Backvorgang ist keine Rede. Also verzweifle ich, sehe mir Filme oder Serien an, in denen das Leben so leicht zu sein scheint, wie viele dieser Sinnsprüche. 
Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade draus. Pah, wenn es doch immer so einfach wäre! Das Problem ist nämlich, wenn dir das Leben solche Zitronen gibt, fehlen dir oft die Mittel und die Stärke zum Auspressen. Die Zitrone könnte auch schon längst vertrocknet sein. Oder du hast du sie aus Versehen mit einer Limette verwechselt. Auch kann es passieren, dass man erst nach all der Arbeit, ganz am Ende, beim Trinken der Limonade, erkennt, dass die Zitrone längst kaputt war und alles umsonst gewesen zu sein scheint. Wer weiß das schon?
Und doch klammern wir uns an diese Sprüche. Sie geben uns kein Lebensrezept, aber Hoffnung. Oft brauchen wir nicht mehr als Hoffnung. Hoffnung auf Veränderung, auf einen höheren Zweck unseres Seins, auf Freiheit und Glück. Besonders auf Glück. Viele der Sinn-Sprüche sind schon ganz schön alt, was sie für mich irgendwie auch ganz schön weise erscheinen lässt. Doch ist es nie klug einfach etwas zu glauben, was man hört, ohne darüber nachzudenken, ob es zum eigenen Leben und Wesen überhaupt passt. Daher ist es bei solchen Sprüchen wohl am sinnvollsten, sie stets zu hinterfragen, zu reflektieren, sie als Denkanstoß zu sehen und zu nutzen. Während ich diese Worte schreibe, hebt sich mein Blick ganz automatisch zu dem derzeit aufgeschlagenen Spruch meines Sinnsprüche-Kalenders: Sei mutiger als du wirklich bist. Gehorche deinem Gefühl mehr als deiner Vernunft. Trau dich einen Schritt weiter. Das Leben wird dich reichlich dafür belohnen.
Vielleicht hast du einen Spruch, der dich im Leben leitet, vielleicht auch nicht. So oder so ist es dein Leben und nur du bist für es verantwortlich, also träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum und sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.