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Regen im Juli

Blogvon Anna-Lisa La Rocca

Es ist Regen im Juli.
Nicht der warme Sommerregen, der durch die Bäume prasselt und angenehm auf der Haut prickelt. Er lässt
einen frei und furchtlos fühlen, als wäre man der Hauptcharakter in einem Teenager-Film, der in seinem
besten Kleid durch den Regen tanzt. In Realität flüchtet man unter den nächsten Baum, obwohl man ihn gar
nicht braucht.
Es ist Regen im Juli.
Der Kalte und Harte, der einen an Herbst und Winter und Einsamkeit erinnert. Er frisst sich durch die Jacke,
durchweicht einen bis aufs Mark, so dass man nichts weiter will, als eine Decke, einen Kakao und eine
Umarmung. Und auch wenn das immer hilft, hilft es dieses Mal nicht.
Denn es ist Regen im Juli.
Auf einmal steht man in einem unbändigen Sturm. Der Wind peitscht und es hagelt und kein Baum kann
mehr als Schutz dienen. Es ist nass und kalt und alle Mäntel und Schirme liegen tief vergraben im Schrank.
Deshalb steht man dort hilflos und kalt und will den Sommer zurück.
Man will, dass die Wolken sich verziehen und der Wind vergeht. Will, dass die Pfützen verschwinden und
die Sonne durchkommt. Sie soll die Arme erwärmen, so dass es einem gar nichts mehr ausmacht, dass man
die Augen zusammen kneifen muss, weil sie so hell scheint. Denn sie lässt Juli sich wieder nach Juli
anfühlen.
Ein Juli, der immer ein wenig zu heiß ist und ein paar Mücken zu viel hat. Aber Mohn blüht auf dem Feld
und Nektarinen schmecken süß und saftig zugleich und irgendwie genau richtig.
Doch so ist es nicht.
Denn es ist Regen im Juli.
Während man dort steht im prasselnden kalt, weiß man, es ist die eigene Schuld. Die Anzeichen waren da.
Die dunklen Wolken am Himmel. Der Donner in weiter Ferne. Der Wind, der aufzieht. Trotzdem lässt man
den Schirm zuhause und zieht keinen Mantel an.
Und man sieht die durch den Wind zerstörten Bäume, die auf den Straßen und Wegen liegen. Blumenkübel
umgekippt im Hof. Menschen sammeln die Scherben auf. Fußmatten liegen Häuser entfernt von ihren
Besitzern und finden nie wieder den Weg zurück.
Es ist Regen im Juli.
Und man ist es selbst gewesen, der bei Frau Holle die Betten gemacht hat. Der den Regen zu verantworten
hat.
Es ist Regen im Juli.
Und man weiß nicht, ob er vorbei geht.
Hofft nur, dass er verschwindet und der Sommer zurückkehrt.
Denn eins tut mir zutiefst leid.
Der Regen im Juli.