Rezension: Wo in Paris die Sonne aufgeht

„Wo in Paris die Sonne aufgeht“ (Les Olympiades) ist der neuste Film von Jacques Audiard. „Les Olympiades“ feierte bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2021 seine Premiere. Ab dem 07. April lief der französische Film in den deutschen Kinos an. Die Hauptdarsteller der Romanze sind Makita Samba, Noémie Merlant und Lucie Zhang. Der Film zeigt, wie sich die Lebenswege von Emilie, Camille und Nora im 13. Arrondissement in Paris kreuzen. Emilie hangelt sich von Job zu Job, während Camille als junger Lehrer an einer Schule anfängt. Nora nimmt ihr angefangenes Jura-Studium wieder auf und drückt die Schulbank, wohingegen Louise als Camgirl arbeitet. Liebe, Lust und Schmerz verbindet jede Lebensgeschichte miteinander. Der ewige Junggeselle Camille wird der neueMitbewohner und Liebhaber von Emilie, allerdings nicht sehr lang. Genauso kurzlebig ist Noras akademische Karriere, nachdem auf einer Party Kommilitonen in ihr das Camgirl Amber Sweet erkennen wollen. Woraufhin sie sich auf die Suche nach ihrer Doppelgängerin macht. Sowohl Camille als auch Nora müssen ihre Vorstellungen von Liebe und Beziehungen überdenken.

Meiner Meinung nach hat Audiard einen fesselnden Film geschaffen, der sich nur schwer in eine Kategorie stecken lässt. Er ist zu ernst und hart, um ihn eine Romanze zu schimpfen und doch zu optimistisch für ein Drama. So manch einer bezeichnete den Film als Komödie. Obwohl ich nicht so weit gehen würde, war ich stellenweise überrascht, wie natürlich und zwanglos der Film für den einen oder anderen Lacher im Kinosaal sorgte. Mit seinen 106 Minuten Lauflänge ist der Film kurz, ohne dass die Geschichte gestresst wirkt. Im Gegenteil, der Film lässt sich Zeit und erzählt seine vergleichsweise kurze Geschichte ruhig. Dazu passt die Kameraarbeit, die durchwegs solide ist und insbesondere durch den Schwarz-Weiß-Look grandiose Bilder kreiert. Jedoch könnte sich der ein oder andere zu Beginn mit dem farblosen Bild schwertun – das ist wohl Geschmackssache. Positiv im Gedächtnis bleibt der stimmige Soundtrack. Ebenso loben muss man die Schauspieler, die ihre Rollen überzeugend spielen, für mich vor allem Lucie Zhang. An dieser Stelle sollte die Diversität des Casts betont werden, der die Internationalität der französischen Hauptstadt perfekt widerspiegelt. Dennoch fehlte mir stellenweise die Authentizität, so waren die Dialoge zu genial und aalglatt. Es fiel mir schwer, die gut geschriebenen Dialoge in die Realität zu übertragen. Wenn man akzeptieren kann, dass in Filmen andere Spielregeln gelten, hat man viel Spaß mit den Dialogen.
Alles in allem kann ich den Film jedem weiterempfehlen, der einen sinnlichen, unterhaltsamen Film ansehen möchte, der zum Nachdenken anregt, ohne den Zuschauer zu überfordern. Zu sehen ist der Film im Central im Bürgerbräu.