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Schon ein bisschen naiv

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Quelle: Henri de Toulouse-Lautrec, Rousse, 1889

Ein sowohl überheblicher als auch leicht abwertender Tonfall haftet an dieser Zeile. 
Sie liegt auf der Zunge so schwer wie der bittere Geschmack 
der braunen Stelle beim Biss in einen zuckersüßen Apfel. 
In den meisten Fällen geht ein kleines, aber entscheidendes ABER voran. 
Als müsse das klebrige Gewicht der Naivität durch eine positive Eigenschaft beflügelt werden. 
Als sei Naivität keine positive Eigenschaft. 
Ist es unvernünftig, den Aussagen anderer Menschen bedingungslosen Glauben zu schenken? 
Ist es gedankenlos, seine eigenen Bedürfnisse für einen Moment zurückzustellen?
Ist es schädlich, an das Gute im Menschen zu glauben?
Naivität ist Vulnerabilität.  
Naivität ist eine Geheimzutat. Die weiche und hervorschmeckende Komponente in einem explosiven Cocktail. Sie ist unverzichtbar und doch etwas schwach und nackt ohne ihr Ensemble.
Naivität ist die pure Gestalt der Liebe. 
Und vielleicht sollten wir manchmal ein bisschen mehr lieben.

Quelle: Henri de Toulouse-Lautrec, Rousse, 1889

Nicole Winter