Zum Inhalt springen

Femme Fatale

Blogvon Katharina Genz, Pascal Jeck

Es schüttet. Der Himmel weint. Er versucht stark zu bleiben. Das muss er, sagte ihm sein Vater immer. Es war ein lauer Sommerabend gewesen. 20 Grad und ein schöner Sonnenuntergang. Als der letzte Sonnenstrahl hinter dem Horizont verschwunden ist, wurde alles surrealer. Die Dunkelheit vergraut den moralischen Kompass, wie ein Filter, der die Gedanken beeinflusst.
Er biegt in die dritte Seitengasse ein. Von der  Hauptstraße ist lange nichts mehr zu hören. Am Ende der Straße flackert ein neonrotes Schild. Er steuert darauf zu. Spärliches Licht des Inneren kämpft gegen die verrauchten Fenster.
Er bleibt vor dem Schild stehen. “Rausch” steht darauf. Er atmet einmal tief ein und drückt die Klinke herunter.
Es quietscht, die Tür bleibt an dem über dem Eingang angebrachten Schild hängen. Er tritt ein. Kalter Rauchgeruch liegt in der Luft. Er kann nur schemenhaft Details erkennen. In der Ecke steht ein Klavier. Ein alter Pianist sitzt mit Zigarette im Mundwinkel davor und spielt “Creep” von Radiohead. Wie Klischeehaft denkt er sich. Er läuft ein paar Schritte herein und tritt an die Bar heran. Sie ist verlassen. Ein paar ungespülte Biergläser und ein spärlich beleuchtetes Schnapsregal lassen die Örtlichkeit wenigstens etwas lebendig wirken. Er setzt sich und raucht.
Nach dem letzten Zug der zweiten Zigarette klingelt die Eingangstür. Nur schemenhaft kann er die Gestalt erahnen. Die Person kommt näher und die Silhouette wird langsam detailreicher, als würde die Person in einer Szene mit offen gefilmter Blende ins Bild treten.

Tonlos im Regen (Katharina Genz)
Tonlos im Regen (Katharina Genz)

Die Frau erreicht das Licht der Barbeleuchtung. Ein schwarzes Kleid steht vor ihm. Sie setzt sich neben ihn. Er beachtet sie nicht und schenkt zwei Gläser Whiskey ein. Er trinkt. Das andere steht unberührt zwischen ihnen.
Die Frau öffnet ihre Clutch und zieht einen Mont Blanc und ein Notizbuch hervor. Schwungvoll schreibt sie ein paar Zeilen runter und legt den Zettel unter das unberührte Glas Whiskey. Sie steht auf und verschwimmt wieder zu einer Silhouette.