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„Der Hass ist jetzt wieder laut geworden“

Blogvon Nele Jahrsdörfer

„Der Hass ist jetzt wieder laut geworden.“ So lauteten die Worte von Margot Friedländer.

Margot wurde 1921 in Berlin geboren. Sie war eine große Schwester, Scheidungskind und jüdisch. Warum ist letzteres wichtig? Weil es der einzige Grund für die Tragik ihrer und der vieler anderer Geschichten war.

Margots Mutter und ihr jüngerer Bruder Ralph wurden nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihrem Vater widerfuhr das Gleiche in einem anderen Vernichtungslager. Margot selbst wurde 1944 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und überlebte. Nach dem Krieg verließ sie Deutschland und zog mit ihrem Mann in die USA.

Doch damit endet ihre Geschichte nicht, denn Margot kam 2010 in ihr Heimatland zurück. Als Zeitzeugin betrieb sie bis zu ihrem Lebensende 2025 Aufklärungsarbeit. Sie sprach in Schulen, Gedenkstätten, im Bundestag und in vielen anderen Einrichtungen über ihr Leben, über das, was geschehen war und nie wieder geschehen sollte.

In einem ihrer letzten Interviews machte sie einen eindringlichen Kommentar über die Gegenwart. Auf die Frage, was sie heute beobachte, das sie an die Zeit von damals erinnere, antwortete sie: „Der Hass ist jetzt wieder laut geworden.“

Doch was meinte Margot damit genau?

Hass wird im Duden als heftige Abneigung beschrieben, als ein starkes Gefühl von Ablehnung und Feindschaft gegenüber einer Person, Gruppe oder Einrichtung. Doch wann wird ein Gefühl laut? Wenn es geteilt, bejubelt oder gerechtfertigt wird. Wenn Menschen nicht mehr schweigen, sondern ihre Feindseligkeit öffentlich äußern.

Hassen wir also wieder laut? Wird Hass heute verstärkt, findet er Zustimmung? Und in dem Fall, gegen wen richtet er sich? Gegen Menschen die anders aussehen, anders glauben oder anders lieben? Oder gegen Institutionen, wie die Schule oder den Bundestag? Wen hassen wir?

Sicher ist: Kein Mensch wird mit Hass geboren. Er ist erlernt. Er entsteht, etwa wenn Angst, Vorurteile oder Neid stärker werden als Mitgefühl und Verständnis. Ein Neugeborenes kennt keine Vorurteile, es lernt sie erst, weil wir sie weitergeben. Vielleicht lehren wir mehr Hass, indem wir ihn laut werden lassen.

Doch wenn der Hass wieder laut geworden ist, stellt sich eine entscheidende Frage: Wie können wir ihn wieder zum Schweigen bringen?

Margot Friedländer hat darauf eine Antwort gegeben. Sie sagte: „Ihr seid alle gleich. Wir werden alle auf dieselbe Art geboren. Es gibt kein christliches, muslimisches oder jüdisches Blut, es gibt nur menschliches Blut. Und das ist was ich euch sage: Respektiert Menschen.“

Wird Hass leise, wo Respekt laut wird?