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VON WÜRZBURG NACH PORTUGAL: Ein ehrlicher Erasmus-Bericht

Blogvon Nele Jahrsdörfer

Ich bin jetzt seit Anfang September in Portugal, genauer in Coimbra, einer Stadt voller Leben, Geschichte und Musik. Mein Erasmus hat hier begonnen, und obwohl das erst zwei Monate her ist, fühlt es sich an, als wäre ich schon ewig hier.

Als ich ankam, hatte ich einen Plan: Ich wollte internationale Leute kennenlernen. Ich wollte Englisch sprechen, neue Kulturen erleben, mich von der deutschen Komfortzone lösen. Mein Gedanke war: Wenn ich zu viel mit Deutschen zu tun habe, spreche ich am Ende wieder nur Deutsch und genau das wollte ich vermeiden.

Das war die Theorie. Die Realität ist, wie so oft, ehrlicher.

Denn natürlich kann man sich nicht aussuchen, mit wem man sich versteht. Ich habe internationale Freunde gefunden – aus Frankreich, Tschechien, Finnland, Portugal – aber auch Deutsche. Und ja, mit denen spreche ich natürlich Deutsch. Es war naiv zu glauben, man könne Freundschaften planen. Menschen begegnen einem nicht nach Sprache oder Herkunft. Sie begegnen einem, weil man sich auf derselben Wellenlänge trifft.

Erwartungen und Realität

Schon bevor ich herkam, aber auch nach meiner Ankunft, hörte ich oft: „Erasmus ist die beste Zeit deines Lebens!“ Erasmus heißt endlosen Partys, Alkohol und Erinnerungen fürs Leben. Und ich dachte, so müsse es wohl sein, sonst mache ich etwas falsch.

Aber schnell merkte ich, dass ich anders ticke. Ich wollte studieren, lesen, lernen, verstehen. Ich wollte Gespräche führen, nicht jeden zweiten Tag feiern. Und ja, ich war auch mal auf Partys – aber selten.

Am Anfang hatte ich Zweifel: Lebe ich Erasmus richtig? Heute weiß ich: Es gibt kein „richtiges“ Erasmus. Jeder erlebt es anders. Für manche bedeutet es, jede Nacht durchzutanzen. Für mich bedeutet es, jeden Tag etwas Neues zu sehen, zu denken, zu fühlen.

Über Orte und Menschen

Ich war in Porto, Braga, Viseu, Lissabon, Sintra, Madeira und in zwei Nationalparks. Ich habe surfen gelernt, spiele Padel-Tennis und trinke fast täglich Kaffee in derselben kleinen Bar, in der mich die Besitzerin inzwischen mit Namen begrüßt. Ich habe viel gesehen und Neues probiert.

Aber das Beeindruckendste sind die Menschen hier. Die Portugiesen sind offen, herzlich und unglaublich hilfsbereit. Auch wenn ich kaum Portugiesisch spreche, bemühen sie sich, mich zu verstehen, sie wollen verstehen. Diese Geduld ist etwas, das ich selten erlebt habe.

Jetzt, Ende Oktober, fühle ich mich angekommen. Ich habe tolle Freunde, viele Eindrücke, neue Routinen, kleine Lieblingsorte. Ich lese, ich lerne, ich entdecke. Und manchmal mache ich einfach gar nichts und das ist völlig in Ordnung. Erasmus ist nicht immer leicht, nicht immer wie man es erwartet, zumindest gilt dies für mich. Es ist eine Zeit voller kleiner Erkenntnisse. Und vielleicht ist genau das der Sinn von Erasmus.