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KÜNSTLICHE INTELLIGENZ UND POLITIK: Wer kontrolliert die Algorithmen?

Blogvon Nele Jahrsdörfer

Algorithmen bestimmen zunehmend unser Leben. Von sozialen Netzwerken, die unser Medienkonsumverhalten beeinflussen, bis hin zu KI-Systemen, die politische Entscheidungen lenken können. Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich zu einem immer mächtigeren Akteur. Doch wer kontrolliert die Algorithmen, die unsere politischen und gesellschaftlichen Realitäten mitgestalten?

KI in der politischen Kommunikation

KI hat die Art und Weise revolutioniert, wie politische Botschaften verbreitet werden. Wahlkampagnen nutzen datenbasierte Ansätze, um Inhalte gezielt an Wählergruppen anzupassen. Algorithmen personalisieren diese und erhöhen dadurch die Effektivität politischer Werbung. Dabei entstehen jedoch problematische Dynamiken: Filterblasen und Echokammern.

Algorithmen zeigen Nutzern bevorzugte Inhalte, die ihren bestehenden Überzeugungen entsprechen. Dieser Mechanismus kann dazu führen, dass gegensätzliche Meinungen ausgeblendet werden und Polarisierung verstärkt wird. Laut einer Untersuchung von Lazovich (2023) werden auf Plattformen wie ChatGPT durch Algorithmen Inhalte, basierend auf der politischen Zugehörigkeit eines Nutzers, angepasst.

Auch Suchmaschinen können die Meinungsbildung beeinflussen. Epstein und Robertson (2018) wiesen nach, dass die Manipulation der Reihenfolge politischer Suchergebnisse die Präferenzen der Nutzer verändern kann. Bis zu 20% der Teilnehmenden eines Experiments in diesem Rahmen änderten ihre Meinung zugunsten einer Partei, wenn die Suchergebnisse entsprechend priorisiert waren. Das zeigt: Algorithmen können politische Meinungen nicht nur widerspiegeln, sondern aktiv mitgestalten!

KI im politischen Entscheidungsprozess

KI wird nicht nur in der politischen Kommunikation eingesetzt, sondern auch direkt in Entscheidungsprozessen. Regierungen nutzen KI-Systeme für Prognosen, etwa zur Bewertung wirtschaftlicher Risiken, oder für Migrationskontrolle.

Ein Beispiel ist der Einsatz von Predictive Policing, bei dem Algorithmen Kriminalität vorhersagen sollen. Doch diese Technologien sind intransparent und fehleranfällig. Predictive-Policing-Modelle basieren auf historischen Daten, die oft Vorurteile und bestehende Diskriminierung widerspiegeln. Dies führt dazu, dass benachteiligte Gruppen überproportional häufig ins Visier der Strafverfolgung geraten.

Fake News und Desinformation

Ein weiteres wachsendes Problem ist die Verbreitung von Desinformation. Deepfake-Technologien und automatisierte Bots setzen KI ein, um falsche Informationen glaubwürdig und in großem Umfang zu verbreiten. Dies wurde schon während der US-Wahl 2016 deutlich, als Social Bots nachweislich Einfluss auf die öffentliche Meinung genommen haben (vgl. Woolley und Howard (2018)). Ähnliche Kampagnen wurden während den indischen Parlamentswahlen 2019 beobachtet.

Wer kontrolliert die Algorithmen?

Die Macht der Algorithmen wirft eine zentrale Frage auf: Wer kontrolliert, wie KI genutzt wird? Derzeit dominieren große Technologieunternehmen wie Google, Meta und OpenAI den Markt. Obwohl politische Regulierung, wie der EU Digital Services Act (DSA), Transparenz und Rechenschaft fördern soll, ist diese oft unzureichend. Es bleibt unklar, wie globale Unternehmen zur Verantwortung gezogen werden können.

Wissenschaftler*innen wie Florini (2018) betonen, dass nationale Regulierung nicht ausreicht, um die globale Auswirkung von KI zu kontrollieren. Die internationale Zusammenarbeit soll entscheidend sein, um Technologieunternehmen zur Verantwortung zu ziehen. Ein Vorschlag umfasst die Schaffung unabhängiger internationaler Organisationen, die den Einsatz von KI und somit auch den Algorithmen überwachen und regulieren.

Auch die demokratische Kontrolle von KI ist entscheidend. Binns (2017) fordert eine stärkere Einbindung der Öffentlichkeit, um sicherzustellen, dass KI-Systeme im Einklang mit ethischen und demokratischen Prinzipien stehen. Technische Transparenz allein genügt nicht – es braucht öffentliche Debatten, Bildung und politisches Engagement, um die Kontrolle über Algorithmen zurückzugewinnen.

Was kann der Einzelne tun, um weniger kontrolliert zu werden?

Neben der Regulierung durch Politik und internationale Organisationen kann jeder einzelne von uns seinen Einfluss geltend machen, um weniger stark von KI kontrolliert zu werden.

Die folgenden Punkte sind lediglich als Ideen und Denkanstöße gedacht, um persönliche Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf KI zu überdenken.

  • Medienkompetenz stärken: kritisch hinterfragen, warum bestimmte Inhalte angezeigt werden.
  • Plattformen bewusster wählen: Suchmaschinen wie DuckDuckGo nutzen, die Transparenz über Algorithmen garantieren.
  • Daten schützen: persönliche Informationen bewusst minimieren.
  • Filterblasen vermeiden: Inhalte manuell suchen und nicht-personalisierte Angebote bevorzugen.
  • Politisch aktiv werden: Einsatz für stärkere Regulierung und Transparenz.
  • KI kritisch hinterfragen: Ergebnisse und Empfehlungen von KI-Systemen nicht ungeprüft akzeptieren.

Fazit: Die Macht der Algorithmen

Künstliche Intelligenz birgt enormes Potenzial, Politik und Gesellschaft zu transformieren. Doch ohne klare Regeln und Kontrollmechanismen besteht die Gefahr, dass KI zu einem Werkzeug wird, das demokratische Werte untergräbt. Die Kontrolle über Algorithmen sollte nicht allein bei Technologieunternehmen liegen. Stattdessen braucht es eine breite gesellschaftliche Debatte, wirksame politische Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit. Der Mensch sollte nicht als Opfer des Systems oder der Technologie gesehen werden, sondern als autonom entscheidendes und handelndes Individuum.

geschrieben von Nele Jahrsdörfer

Literatur:

Woolley, S. C./Howard, P. N.: Computational Propaganda. Political Parties, Politicians, and Political Manipulation on Social Media, 2018.

Binns, Reuben: Fairness in Machine Learning. Lessons from Political Philosophy, Conference on Fairness, Accountability, and Transparency 2017.

Lazovich, Tomo: Filter bubbles and affective polarization in user-personalized large language model outputs, Bosten 2023.

Epstein, Robert/Robertson, Ronals E.: The search engine manipulation effect (SEME) and its possible impact in the outcome of elections, in: Proceedings of the National Academy of Sciences 112, 33 (2018) S. E4512–E4521.

Floridi, Luciano u.a.: AI4People – An Ethical Framework for a Good AI Society: Opportunities, Risks, Principles and Recommendations, in: Minds and machines 28, 4 (2018) S: 689–707.