Politisierte Vergänglichkeit
Ich bin bereit für die Vergänglichkeit der Politisierung meiner Körperhaare:
Für die Vergänglichkeit Eurer Blicke auf meinen Beinen und unter meinen Armen.
Könnt Ihr aufhören zu gucken und ich höre auf zu rasieren?
Und bevor jemand schreit, man dürfe doch wahrnehmen, was man wolle, weil die Beine sind ja da und die Haare obendrauf auch.
Was solle denn gesehen werden, wenn nicht das, was gesehen wird?
Man kann doch gucken und wahrnehmen und überhaupt.
Wann war das letzte Mal, dass Dein Blick auf das Bein eines Mannes fiel und die Haare dessen sich in Deinen Augen verfingen?
Wann war das letzte Mal, dass Deine Blicke über die Beine eines Mannes glitten?
Wann war das letzte Mal, dass sich Dein Blick an den Beinhaaren eines Mannes hielt?
Was dachtest Du, was waren Deine Schlüsse über ihn?
Alleinig seine Haare am Bein ließen Dich schließen auf die Meinung, die in ihm besteht?
Entpolitisiere meinen Körper und ich entpolitisiere Deinen Blick.
Versteht mich nicht falsch, ich bin politisch, und ich denke genau das, was Du in bzw. an mir siehst.
Ich will die Wiese der radikalen Vielfalt vor mir aufgeblüht sehen und die Augen der Missachtenden darunter vergraben.
Ich will den Feminismus der Intersektionalität steigen und Flügel schwingen sehen.
Und ich will die Luft des Windes an meinen Beinhaaren spüren und wissen, wofür ich stehe.
Ich will aber auch mein Denken an meinen Worten und nicht an meinen Haaren gebunden sehen.
Lasset mir die Ästhetik meines Körpers, so lasse ich Euch die des Eurigen.
Beinhaar an Beinhaar, rasierte Beine auch dabei,
nur vermutlich,
werden das nicht meine sein.