„Vielleicht hilft da ein bisschen Lametta?“

Die Weihnachtszeit soll bekanntermaßen eine Phase der Ruhe und Besinnlichkeit sein. Man soll die Feiertage mit der Familie genießen, das Jahr entspannt ausklingen lassen und einfach einmal durchatmen. Was auf den ersten Blick verheißungsvoll klingt, entspricht jedoch nicht immer der Lebensrealität vieler Menschen. Denn häufig ist diese Zeit vielmehr geprägt von anstrengenden Küchentischdebatten mit Verwandten, die ausgerechnet das eine Treffen im Jahr als ideale Gelegenheit für übergriffige oder problematische Kommentare nutzen.
Wenn man also nicht gerade damit beschäftigt ist, solche Situationen auszuhalten, hetzt man womöglich durch überfüllte Geschäfte, um noch die letzten Geschenke zu besorgen. Und als wäre das nicht genug, stehen meist auch schon die nächsten Fristen und Abgaben vor der Tür und schwirren uns im Kopf umher. Wie also soll man mit dieser ganzen Mental Load einen kühlen Kopf bewahren und es dennoch schaffen, zur Ruhe zu kommen? Hier sind ein paar konkrete Tipps, um diesem Ziel ein Stückchen näher zu kommen.
1. Realistische Erwartungen
Das Bild eines durch und durch idyllischen Weihnachtsfests kommt nicht von ungefähr. Ob in Instagram-Stories, klassischen Weihnachtsfilmen oder der Fernsehwerbung: Massenmedien nutzen dieses Narrativ bewusst, weil es schlichtweg funktioniert. Doch gerade dadurch verfestigen sich unrealistische Vorstellungen in unseren Köpfen. Im Umkehrschluss entsteht Druck: Man möchte einem Ideal entsprechen, das in dieser Form meistens kaum erreichbar ist. Sich dieser medial erzeugten Verzerrung bewusst zu werden, kann bereits eine große Entlastung sein.
2. Entspannen, und zwar richtig
Sich echte Pause zu gönnen klingt leichter als es ist. Schnell ist der Laptop aufgeklappt, noch eine letzte Mail beantwortet und schon ist der Körper wieder aus dem Erholungsmodus raus. Für wirkliche Regeneration braucht es jedoch einen klaren Cut zum Arbeitsalltag. Einige Tage bewusst gar nichts studien- oder arbeitsbezogenes zu tun wirkt oft nachhaltiger als man denkt. Denn auchvermeintlich kleine Aufgaben verhindern, dass man vollständig abschalten kann.
3. Zeit für sich nehmen
Zwischen all den Familientreffen, Terminen und Erwartungen bleibt schnell eines auf der Strecke: die eigenen Bedürfnisse. Doch gerade in der Weihnachtszeit sollten diese nicht zu kurz kommen. Oft hilft es schon für einen Moment innezuhalten, die Augen zu schließen, ein paar Mal tief durchzuatmen und sich zu fragen: „Was brauche ich gerade eigentlich?“. Die Antwort kann ganz unterschiedlich ausfallen. Vielleicht eine Tasse heißer Kakao, ein kurzer Spaziergang oder endlich Zeit für dieses eine Buch, das schon viel zu lange im Regal wartet. Solche kleinen Auszeiten sind kein egoistischer Rückzug, sondern ein wichtiger Beitrag zur eigenen Erholung.
4. Grenzen setzen!
Gerade über die Feiertage verbringt man oft sehr geballt Zeit mit der Familie. Die Gefahr ist groß, in alte Muster zurückzufallen. Umso wichtiger ist es, die eigenen Grenzen zu kennen und zu wahren. Jede Person hat das Recht, sich wohlzufühlen und die Feiertage so zu gestalten, dass sie guttun. Grenzen zu setzen muss nicht erst im Rahmen eines großen Konflikts passieren: oft reicht schon ein klares und ruhiges „Nein“ in einer unscheinbar wirkenden Situation, um Überforderung vorzubeugen.
Die Weihnachtszeit bedeutet leider nicht für alle schöne oder unbeschwerte Tage. Nicht jede Person hat jemanden, mit dem sie feiern kann und nicht jede familiäre Beziehung fühlt sich an den Feiertagen leicht an. Umso wichtiger ist es, in dieser Zeit nicht zu hart mit sich selbst zu sein. Weihnachten muss nicht perfekt sein. Sich Raum zu geben, die eigenen Grenzen zu achten und auf die persönlichen Bedürfnisse zu hören, kann dabei helfen, die Feiertage etwas freundlicher zu gestalten. Und manchmal ist es genau dieses Maß an Selbstfürsorge, das die besinnlichste Wirkung entfaltet.