Was ist eigentlich diese Studierendenvertetung?

Dich stört, dass das Mensaessen nicht günstiger ist? Dass die Busverbindungen unzureichend ausgebaut sind? Oder möchtest Du eine Party Deines Studiengangs planen? Dann werde doch Teil der Studierendenvertretung (kurz: stuv)! An unserer Uni gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Dabei ist es egal, ob Du im ersten Semester oder im Master bist – jede*r ist willkommen! Wie Du das tun kannst, werde ich im Folgenden erklären.
Einer der einfachsten Wege für den Einstieg ist es, sich an den Fachschaftsvertretungen zu beteiligen. Sie vertreten die Interessen der Studierenden gegenüber ihrer jeweiligen Fakultät (z.B. Fakultät für Humanwissenschaften, Philosophische Fakultät usw.). Man kommt schon direkt zu Beginn des Studiums mit ihnen in Kontakt, da diese oft Veranstaltungen für Erstis organisieren und durchführen (z.B. Ersti- Rallies und Info-Tage). Der Fachschaftenrat ist eine Ebene höher anzusiedeln und vertritt all diese einzelnen Fachschaften mit jeweils zwei Mitgliedern pro Fakultät. Hier trifft man auf die klassische Hochschulpolitik: Es werden Anträge beschlossen, Ausschüsse einberufen o.ä. Zusammenfassend hängt also alles mit „Fach-“ direkt mit Deinem Studiengang zusammen.
Darüber hinaus gibt es aber natürlich auch Gremien, die sich für allgemeine, fächerübergreifende Interessen einsetzen. Im Studierendenparlament (kurz: StuPa) werden zentrale Belange aller Studierenden besprochen, Anträge beschlossen und studentische Vertreter*innen gewählt. Die Mitglieder des StuPa, die jährlich bei den Hochschulwahlen im Sommersemester gewählt werden, teilen sich in verschiedene Hochschulgruppen auf, die sich größtenteils an den bekannten demokratischen Parteien orientieren (z.B. Ring Christlich- Demokratischer Studenten, Grüne Hochschulgruppe), dies aber nicht müssen. Die Sitzungen dürfen von Nicht-Mitgliedern besucht werden und auch Anträge dürfen von allen Studierenden der Uni gestellt werden, allerdings haben nur Mitglieder ein Stimmrecht. Um sich ein besseres Bild von der alltäglichen Hochschulpolitik zu machen, ist es empfehlenswert, einfach die nächste Sitzung des StuPa zu besuchen.
Die vom Studierendenparlament beschlossenen Anträge werden von einem weiteren Organ umgesetzt: dem studentischen Sprecher*innenrat (kurz: SSR). Sieben der neun Mitglieder werden vom StuPa gewählt und treffen sich monatlich mit der Universitätsleitung. Der Rat fungiert als „Stimme der Studierenden“ und repräsentiert uns alle auch in der Kommunalpolitik, weshalb er einer der arbeitsintensiveren Gremien ist. Die Sitzungen sind ebenfalls öffentlich und können einfach besucht werden, auch hier freut man sich über neue helfende Gesichter!
Des Weiteren gibt es sogenannte Referate und Arbeitskreise. Hier treffen sich Studierende zu Themen, die ihnen wichtig sind und bei denen sie sich kreativ ausleben möchten. Das Sprachrohr, also die Gruppe Studierender, die hinter dieser Zeitung steht, ist beispielsweise ein solches Referat. Die Studi(o)bühne bietet Schauspielbegeisterten die Möglichkeit, an Aufführungen teilzunehmen und an der Produktion mitzuwirken, während sich das Referat Queer:feminismus für die Sicht- barkeit queerer Personen und die faire Behandlung aller Studierenden einsetzt. Dies sind nur ein paar von vielen Referaten mit unterschiedlichsten Themenschwerpunkten. Das Mitmachen ist denkbar simpel: einfach nachfragen (z.B. per Mail) und am nächsten Treffen teilnehmen.
Auf dem Schaubild zum Aufbau der stuv findest Du auch noch Begriffe wie den Senat oder den Fakultätsrat. Diese sind nicht Teil der Studierendenvertretung, da dort auch Vertreter*innen der Universität wie Professor*innen und Dozent*innen sitzen. Weitere Informationen zu diesen Gremien findest Du auf den jeweiligen Internetseiten der Uni.

Nun hast Du einen Einblick darin, was es alles so für Beteiligungsmöglichkeiten gibt. Doch wie kommt man eigentlich in die Hochschulpolitik rein, was für Projekte gibt es und macht diese ehrenamtliche Arbeit überhaupt Spaß? Das habe ich Zuri Klaschka und Yannik Bauer gefragt, die beide schon seit mehreren Semestern in der Studierendenvertretung tätig sind.
Zuri (they/them oder sie/ihr) ist 24 Jahre alt und studiert momentan Informatik. Sie ist u.a. Mitglied des studentischen Sprecher*innenrates, leitet innerhalb des SSR das Ressort für Antidiskriminierung und sitzt für die Grüne Hochschulgruppe (kurz: GHG) im Studierendenparlament. Als trans* Person war sie in der Vergangenheit schon von Diskriminierung betroffen, was sie zu Beginn ihrer hochschulpolitischen Karriere dazu verleitete, sich beim Referat Queer:feminismus für queere Studierende einzusetzen. Später hat sie sich für die Hochschulwahlen auf die Liste der GHG setzen lassen und wurde ins Studierendenparlament gewählt. Durch ihre aktive Anteilnahme wurde sie im weiteren Verlauf in den studentischen Sprecher*innenrat gewählt und ist dort ab dem 1. Oktober stellvertretende Vorsitzende.
An ihrer Arbeit gefällt ihr besonders, dass sie durch den regelmäßigen Kontakt mit den passenden Stellen viel im Sinne aller Studierenden bewirken kann – auch wenn damit natürlich eine große Verantwortung einhergeht. „Die Möglichkeit, dass die Anliegen der Studierenden gehört werden, ist, finde ich, unerlässlich und gleichzeitig auch eine unheimlich interessante Erfahrung“, so Zuri. Sie und die anderen Mitglieder des SSR treffen sich regelmäßig z.B. mit dem Kanzler der Uni, verschie- denen Abgeordneten des Bayerischen Landtags und Vertreter*innen der Stadt Würzburg. Darüber hinaus ist für Zuri die Mischung aus den vielen Möglichkeiten, Dinge umsetzen zu können, mit der gleichzeitigen Freiheit, was und wie man diese Vorhaben umsetzen will, besonders erfüllend: „Zu sehen, was Leute so ehrenamtlich, wenn sie motiviert sind, auf die Beine stellen, ist wahnsinnig krass.“
Yannik (er/ihn) ist 23 Jahre alt und studiert gegenwärtig Digital Business. Im studentischen Sprecher*innenrat sitzt er seit letztem Jahr und wird ab dem 1. Oktober gemeinsam mit Zuri den Vorsitz bilden. Sein hochschulpolitischer Werdegang begann, als er studentische Hilfskraft (kurz: HiWi) am Rechenzentrum war. Die Arbeit dort machte ihm Spaß, allerdings erfuhr er durch eine Kollegin, dass die Arbeit für HiWis an anderen Stellen der Uni weniger gut war, was ihn dazu brachte, sich im Referat HiWis für seine Kolleg*innen zu engagieren. Dort war er zwei Jahre aktiv, bis ihn ein Freund fragte, ob er sich vorstellen könnte, im SSR tätig zu werden, was Yannik dankend annahm. „Er hat mich an dem Tag gefragt, an dem ich auch tatsächlich gewählt wurde“, ergänzt er lachend.
Ähnlich wie Zuri ist Yannik fasziniert von dem Zusammenhalt der Studierenden untereinander und was durch ein Ehrenamt alles bewirkt werden kann (z.B. die Campuslichter, die Studi–Messe usw.). Durch die Arbeit der engagierten Studierenden der letzten Jahre habe sich die Studierendenvertretung einen wichtigen Status in den Universitätsstrukturen aufgebaut, was auch dazu führe, dass sie oft von der Presse oder hohen Stellen der Stadt angesprochen wird. Ein Beispiel sind die letztlich erschienenen Beiträge des Bayerischen Rundfunks zu der seit Jahren im Bau befindlichen Mensa Hubland Süd, in denen Mitglieder der stuv zu sehen waren (z.B. in diesem Internetartikel: Unendliche Geschichte – Mensa in Würzburg bleibt Dauerbaustelle | BR24). Eine weitere Errungenschaft, auf die Yannik sehr stolz ist, ist die Mobilitätspartnerschaft mit dem WVV, der u.a. für den ÖPNV in Würzburg und Umgebung verantwortlich ist. Durch den Einsatz der stuv wurde z.B. erreicht, dass das Deutschlandticket für uns nur 13,85 € anstatt 58 € kostet, ohne dabei den Semesterbeitrag signifikant erhöhenzu müssen. Des Weiteren wurde bewirkt, dass die Verträge für studentische Hilfskräfte nicht mehr nur auf ein halbes, sondern auf ein ganzes Jahr befristet werden, was den betroffenen HiWis deutlich mehr Planungssicherheit verschafft.
Zuri und Yannik haben auch noch ein ganz persönliches Anliegen: „Jede*r Studierende an der Uni Würzburg wird von uns vertreten, das heißt im Umkehrschluss ganz logisch, dass auch alle Studierenden bei uns immer herzlich willkommen sind!“ Die Sitzungen des Studierendenparlaments und des studentischen Sprecher*innenrats sind immer öffentlich; man kann einfach dazukommen, mitdiskutieren und eigene Vorschläge einbringen, auch als Nicht-Mitglied.
Aber auch die Arbeitskreise, Referate und andere Gremien, die weniger politisch sind, leisten eine tolle Arbeit. Sie eignen sich besonders für den Einstieg, da sie niedrige bis keine Einstiegshürden haben und man sich flexibel mit so viel Zeit und Energie, wie man investieren möchte, engagieren kann.
Dies war ein kurzer Einblick in all die Möglichkeiten, die Dir offen stehen, um Dich kreativ auszuleben und die Universitätsstrukturen zu beeinflussen. Detaillierte Informationen findest Du auf der Internetseite der Studierendenvertretung (https://www.uni–wuerzburg.de/stuv/) sowie auf den Social–Media–Kanälen der stuv und der einzelnen Gremien.