Weihnachten 2025 – Fest des Spielzeugwahn

Labubu, Lafufu, La-what-the-f…?
Labubus, Sonny Angels, Jellycats und vieles mehr….auf social media trifft man sie alle. Die über 1.6 Millionen #unboxinglabubu Videos gehen täglich viral und werden weltweit fanatisch mitverfolgt. Falls Ihr jedoch zur Minderheit der nicht chronically online gehört, noch einmal ganz vorne: sind kleine Plüschmonster, welche seit 2019 vom chinesischen Riesen-Spielzeughersteller PopMart produziert werden. Diese Sammlerstücke erinnern an ein in felleingedecktes Äffchen mit Hasenohren und einem furchteinflößenden, zähnefletschendem Grinsen. Sie basieren auf Labubu, einem Charakter aus der Bilderbuchserie „Die Monster“ vom Hongkong gebürtigen Künstler Kaising Lung.
Der Wahn begann 2024, als die Sängerin Lisa der K-Pop-Gruppe BLACKPINK im April 2024 auf Instagram einen Beitrag von ihrer Louis Vuitton Handtasche mitsamt Labubuals Taschenanhänger („Birkining The Bag“ – wie man seit 2023 in Hommage an Jane Birkin und ihre mit Accessoires personalisierte Handtasche sagt) postete. Das Foto ging viral und löste eine Flut an Labubu-Käufen aus.
Die Plüschwesen werden gesammelt, ausgestellt, an Gürtel und Handtasche getragen. Celebrities wie Rihanna oder Kim Kardashian präsentieren stolz in der Öffentlichkeit ihre Puppen. Die kleinen Monster werden in blickdichten Pappschachteln verkauft; erst beim Unboxing wird klar, welchen genauen Charakter man erworben hat. Je nach Serie kosten solche Boxen, von 18 EUR bis 9000 EUR. Der Erwerb besonders heiß ersehnter Labubu-Serien-Boxen, welche in einem Schwall an sogenannten Drop-Days online verfügbar werden, ist ein Wettkampf intensiver als der Erwerb von Taylor Swifts Eras Tour Tickets. 2024 erzielte PopMart mit seinen Plastikwesen einen Umsatz von 400 Millionen USD. In 2025 sind es bisher schon 4 Billionen USD – und das Jahr ist noch nicht ganz rum.
PopMart ist in seinem Erfolg nicht alleine; der Spielzeugmarkt weltweit erzielte 2025 einen Umsatz von 119,6 Billionen USD. Mit einem Marktwert von 33,5 Billionen USD macht der Erwachsenen-Sektor 28% des Gewinns aus. Laut Marktforschungen der Fima Circana ist das Erwachsenen-Segment seit zwei Jahren der am schnellsten wachsende Spielzeugmarkt. Angetrieben von Nostalgie und einer Flucht in die unbeschwerte Kindheit stürzen sich Erwachsene auf Labubus, Sonny Angels, Lego, Pokémons und Jellycats.
Kidults (Kid + Adult) nennt man diese Spielzeug-Liebhaber. Das Phänomen selbst ist nichts Neues. Disney, Herr Der Ringe, Marvel oder Star Wars genießen schon lange die Aufmerksamkeit erwachsener Fanboys und -Girls. Doch die Ursprünge des Booms dieser Industrie bis in den Mainstream liegen laut Experten in der Zeit der Corona-Pandemie. Isoliert und voller aufgestauter Energie flüchteten sich Ü18-Jährige weltweit ins Figuren- und Kartensammeln.
Laut einer Studie von OnePoll beschrieben sich schon 2023 59% der befragten Erwachsenen als Kidults. Und der Trend wird immer populärer. Mittlerweile scheint er Teil einer globalen Monokultur zu sein. Psychologen führen das Phänomen auf ein Potpourri an sozialen Gegebenheiten zurück: In einer Welt, in welcher der Alltag von einem Shitstorm entsetzender, nervenaufreibender Nachrichten geprägt ist, bieten Spielsachen einen sicheren Zufluchtsort. Dieser ermöglicht eine Auszeit von Krieg und Leid, einen Sicherhafen geprägt von Nostalgie und emotionaler Sicherheit. Eine Unbeschwertheit, die wir nur durch das Kindsein wieder erreichen können. Zyniker sprechen von der Peter-Pandemie. Neben dem Stressabbau bietet der Konsum dieser Sammlerstücke für viele noch einen weiteren Vorteil: Community.
In einem Zeitalter geprägt von Lockdowns, Homeoffice und Social Anxiety erschafft der Sammelhype Gemeinschaft. Zusammengeschweißt von einer geteilten Begeisterung und Fanatik werden in sozialen Netzwerken, so wie im echten Leben Freundschaften geschlossen. Gleichgesinnte fühlen sich akzeptiert und verstanden, als Teil von etwas Größeren. Diese soziale Zugehörigkeit ist essenziell für unser seelisches Wohlbefinden. Laut Psychologen kann eine solche gesellschaftliche Akzeptanz nicht nur Stress, Angst und Depressionen reduzieren, sondern auch eine positive Auswirkung auf unsere körperliche Gesundheit haben. Unter anderem werden ein gestärktes Immunsystem und ein besseres Gedächtnis auf gepflegte soziale Beziehungen zurückgeführt, so Sozialpsychologin Naomi Eisenberger der UCLA. Kein Wunder also, dass der Wirbel um die Spielsachen nicht mehr aufzuhalten scheint.
Auch hier in Würzburg haben die Labubus sich schon eingeschlichen. Läuft man gemütlich die Eichhornstraße entlang, so grinsen einen immer wieder die Fratzen der Monsterchen aus den Schaufenstern entgegen. Vorsicht jedoch beim Kauf – statt den echten Labubus könntet ihr es auch mit einem Lafufu zu tun haben.
Ja, korrekt. Labubus sind mittlerweile so berühmt, dass sie ihre ganz persönlichen Doubles bekommen haben: die Lafufus. Diese Fake-Labubustauchten Anfang 2024 auf und sehen den echten oftmals zum Verwechseln ähnlich. In TikToks zeigen Experten online, an welchen Details man die Puppen voneinander unterscheiden kann – etwa der Anzahl an Zähnen (immer 9 beim wahren Ding) oder einer Siegelprägung unter der rechten Fußsohle, welche nur unter UV-Licht sichtbar wird.
So stellt sich nun nur noch die Frage, was bei euch dieses Jahr wohl unterm Weihnachtsbaum liegen wird. Seid ihr der Spielzeugmanie schon verfallen? Standen auf euren Wunschzetteln Labubus an erster Stelle? Und könnt ihr auch sicherstellen, ob es sich wirklich um ein Labubu und kein Lafufu handelt? Egal, ob das Christkind dieses Jahr eure wildesten Kidult-Träume erfüllt oder nicht – wir wünschen euch ein frohes Fest!