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WIESO WÜRZBURG NICHT FÜR IMMER?: Eine Sommerliebe

Blogvon Solveg Streicher

Der Bachelorabschluss, der Master, das Praktikum – es geht zu Ende. Würzburg wird wieder verlassen. Es war schön hier, niemand beschwert sich. Alle sind traurig zu gehen, aber niemand bleibt. Alle fanden es gut, aber nicht gut genug?

Mittlerweile hat ein großer Teil meiner Freundesgruppe das Studium beendet, abgebrochen oder sich für ein anderes Fach entschieden. Die meisten wollen weiter, in eine größere Stadt, denn Würzburg fühlt sich an wie ein Dorf. Jeder kennt jeden und egal wo man hingeht, irgendjemand Neuen trifft – es gibt bestimmt eine Überschneidung im Freundeskreis. Es sollte sich gut überlegt werden, wer gedatet wird, da die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, sich jeden Tag in der Mensa oder Bib zu sehen. Jetzt bin ich hier in der großen Stadt und vermisse eigentlich das Vertraute. Hier läuft man niemandem über den Weg. Die Anonymität und Freiheit bieten einem unbegrenzte Handlungsmöglichkeiten. Unbegrenzte Handlungsmöglichkeiten, die ich gar nicht nutzen kann, weil ich nichts Unbegrenztes tun möchte. Würzburg als kleine bayerische (unterfränkische) Idylle, wo ich nachts ohne Sorge heimlaufen kann, wo ich auf Online-Dates gehen kann, ohne Angst zu haben, und wo ich nie allein war. Ich fühlte mich hier sehr wohl. Vielleicht zu wohl. Das kann ja irgendwie noch nicht alles gewesen sein.

Mit Anfang 20 in einer komfortablen Stadt. Einer Stadt mit wenig Herausforderungen, weil man sich nicht unbedingt entscheiden muss, wer man ist. Man ist eine Gemeinschaft, eine Bubble und es gibt eben nur zwei Clubs, die gut sind und drei Veranstaltungen am Wochenende, auf die man gehen kann. Es ist immer was los, aber nicht zu viel los. Man kann also bei fast allem dabei sein, ohne sich entscheiden zu müssen. Die Großstadt zwingt einen, sich zu entscheiden. Zu entscheiden, wer man ist und wo man wirklich hinwill, und nicht einfach dabei sein.

Würzburg ist der perfekte Anfang. Man fühlt sich zugehörig und gut aufgehoben. Spießig, aber alternativ genug, um die ersten Schritte aus dem bürgerlichen Elternhaus zu nehmen. Vielleicht macht Würzburg diese Dynamik aus. Der ständige Wandel an Menschen, die die Stadt verändern und prägen. Ein Abschnitt des Lebens, der uns auf viele weitere vorbereitet. Ich würde, glaube ich, niemals nein zu einem Sommer in Würzburg sagen, aber Sommer sind nun mal nicht für immer.