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Finanzierung der BAföG-Reform in Gefahr?: Was Studierende wissen müssen

Blogvon Nele Jahrsdörfer

Die geplante Reform des BAföG ist eine der größten Chancen der letzten Jahre, die finanzielle Unterstützung für Studierende in Deutschland endlich an die Realität des Studierendenalltags anzupassen. Doch die Umsetzung ist bedroht: Aktuell ist unklar, wie die Reform finanziert werden soll. Das sorgt für wachsende Sorgen bei Studierenden. Das Deutsche Studierendenwerk (DSW) fordert nun klare Entscheidungen der Regierung. 

Warum BAföG gerade Thema ist?

Das BAföG, kurz für Bundesausbildungsförderungsgesetz, ist die wichtigste staatliche Unterstützung für Studierende in Deutschland. Es soll dafür sorgen, dass jeder unabhängig vom Einkommen der Eltern ein Studium aufnehmen und erfolgreich beenden kann. BAföG kann finanziell bei Miete, Lebenshaltungskosten sowie Studienmaterialien unterstützen und wird teils als Zuschuss, teils als zinsloses Darlehen gezahlt. Für viele Studierende ist es die Grundlage, um das Studium überhaupt stemmen zu können.

Tatsächlich ist die Zahl der BAföG-Empfänger in den letzten Jahren stetig gesunken. 2024 wurde von einer historischen Tiefzahl berichtet: deutlich weniger Studierende werden gefördert als früher. Hauptgründe dafür sind der oft komplizierte Antragsprozess, die verbreitete Annahme vieler Studierender, keinen Anspruch auf BAföG zu haben, sowie die unzureichende Höhe der Förderung in Relation zu den tatsächlichen Lebenshaltungskosten.

Quellen: Bundesministerium für Bildung und Forschung, Statistisches Bundesamt © 2024 IW Medien / iwd
Quellen: Bundesministerium für Bildung und Forschung; Statistisches Bundesamt © 2024 IW Medien / iwd

In diesem Jahr ist u.a. deshalb eine umfassende BAföG-Reform geplant, die höhere Bedarfssätze, eine realistischere Wohnpauschale und insbesondere einen erleichterten digitalen Zugang für mehr Studierende vorsieht. Ziel ist es, die Förderung an die tatsächlichen Lebensrealitäten anzupassen und die soziale Ungleichheit im Hochschulsystem zu verringern. Doch die Umsetzung der Reform steht derzeit auf wackligen Beinen.

Finanzierungsstreit sorgt für Unsicherheit

Im Bund herrscht Streit über die Finanzierung der geplanten BAföG-Reform, wie das DSW berichtet. Der Haushalt 2026 sieht aktuell 250 Millionen Euro weniger Mittel für das BAföG vor. Dadurch bleibt unklar, wie die versprochenen Verbesserungen umgesetzt werden sollen.

DSW-Chef Matthias Anbuhl fordert, die Reform idealerweise noch im Februar 2026 zu beschließen. Nur so hätten die BAföG-Ämter genug Zeit, die Änderungen bis zum Wintersemester 2026/27 umzusetzen. Andernfalls könnten Verzögerungen oder Kürzungen die Reform erheblich schwächen.

Neben dem Studierendenwerk kritisieren auch andere Organisationen wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), dass die aktuelle Förderung viele Studierende nicht erreicht. Sie fordern eine schnelle, wirksame Reform, die mehr Menschen hilft und bürokratische Hürden abbaut.

Auswirkungen und Handlungsoptionen für Studierende

Die aktuelle Lage hat direkte Konsequenzen für Studierende: Wer auf die Reform gezählt hatte, um die steigenden Mieten oder Lebenshaltungskosten zu decken, muss nun vorsichtig planen. Anbuhl warnt, das Vertrauen junger Menschen in die Politik könne weiter sinken. 

Verzögerungen oder Kürzungen würden besonders Studierende aus einkommensschwachen Familien belasten. Um Engpässe zu überbrücken, sollten Studierende alternative Finanzierung wie Stipendien oder Nebenjobs einplanen. Gleichzeitig ist es wichtig, sich über die Reform zu informieren und gegebenenfalls politisch einzubringen. Die kommenden Wochen sind entscheidend: Ob die Reform kommt, entscheidet, ob Studieren in Deutschland für alle bezahlbar bleibt.

BAfög-Reform 2026 – Das soll sich ändern

Die BAföG‑Reform 2026 bringt mehrere Neuerungen, die Studierende flexibler unterstützen sollen. So wird ein Flexibilitätssemester eingeführt, das es ermöglicht, ein zusätzliches Semester BAföG zu erhalten, auch wenn die Regelstudienzeit überschritten wird. Außerdem erhalten junge Studierende einmalig eine Studienstarthilfe von 1.000 €, die nicht zurückgezahlt werden muss, um den Einstieg ins Studium zu erleichtern.

Die Reform erhöht auch die Freibeträge, beispielsweise für das Einkommen der Eltern, wodurch mehr Studierende Anspruch auf BAföG haben. Gleichzeitig werden Zuverdienstmöglichkeiten aus Mini‑Jobs weniger stark auf das BAföG angerechnet, sodass Studierende ihr Einkommen aufstocken können, ohne Kürzungen befürchten zu müssen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Reform ist die Vereinfachung und Digitalisierung der Antragsverfahren, wodurch Bürokratie abgebaut und die Beantragung digitalisiert werden soll.

Weniger geändert wird bei den Förderhöchstbeträgen, die nur moderat angepasst werden, und bei der Rückzahlung der Darlehen, die weiterhin bestehen bleibt. Insgesamt zielt die Reform darauf ab, BAföG flexibler, gerechter und zugänglicher zu gestalten, ohne die grundlegende Struktur des Förderprogramms zu verändern.