Zum Inhalt springen

Tigermuscheln

Blogvon Hannah Menzenbach

Ich spüre das Rauschen des Meeres im Ohr der Muschel

Kennst du dickwandige, getigerte Muscheln

die sich an den Klang der Wellen erinnern?

Sie haben das Kommen und Gehen

in ihrem Inneren aus Perlmut gespeichert

Es kräuselt sich luftig in glatter Watte

ohne zu ersticken

sondern trägt sich immer weiter fort

ohne zu verklingen

Ein endloses Musikstück

Ein Echo der Wiederholung

Diese Muscheln kommen aus dem Meer

und lagen am Strand wie Sand

neben verkrusteten Schalen von Krebskörpern

und verblasstem Plastikspliss

und durchfeuchtem Totholz

und Ölkanister angespültem Tank

verklebter Möwenfeder

Die Muscheln haben sich vieles gemerkt

auch wenn sie stumm waren

gerade weil sie stumm waren

Auch heute sprechen sie nicht

Sie leben das Lied des Meeres

Sanftes Klagen, leises Flüstern

Hörst du ihnen zu?

Press dein Ohr an die kalten Rillen ihrer Mundkörper

Vergiss deine Geschichte

Lausche

Die Muscheln sind weise

Sie haben was sie kennen nach Innen gekehrt

Ihr Herz ist was sie umgeben hat

Zerbricht ihre hart geschichtete Form

geht das verdichtete Gedicht

in salziger Luft auf

Befreien heißt Verlorengehen

Sag, welches Geheimnis trägst du in dir?

Flüsterst du auch oder bin ich zu laut?

Ich glaube die Muscheln lieben das Meer

Was man liebt hat man in sich