Unser Trinkwasser – Ein Kulturgut, das wir schützen müssen

In Würzburg bemerkt jeder den faden Geschmack, die hartnäckigen Kalkflecken und die grundsätzliche Härte des Wassers. Doch woher kommt unser Trinkwasser eigentlich?
Während in der Stadt das Trinkwasser ganz selbstverständlich aus dem Hahn fließt, zeigt sich das Naturphänomen in Zell am Main auf besondere Weise als Teil der Ortsgeschichte. Hier wird das Unsichtbare sichtbar. Noch heute ist in den Kellern einiger Häuser das Plätschern und der Geruch von nassem Stein wahrnehmbar. Grundwasser fließt an den Wänden herab oder findet sich in Brunnenstuben wieder und belebt so den Geist der Gebäude.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts bezieht die Stadt Würzburg den Großteil des Trinkwassers aus Zell am Main. Die sogenannten „Zeller Stollen“, die als Wassergewinnungsanlagen dienen, stehen bislang unter dem Schutz eines Trinkwasserschutzgebiets. Und obwohl unser Trinkwasser nur rund 20 Fahrminuten gewonnen wird, verwenden wird in der Stadt nichtsahnend (oder eher nicht wissen – wollend) das Trinkwasser aus den Hähnen als immer verfügbare Ressource.
In Zell am Main ist der Umgang mit Wasser vielerorts ein anderer. Einige Bewohner*innen der Gemeindestadt sind mit Wasser als besonderen und zu achtenden Alltagsbegleiter aufgewachsen. Manche spielten als Kinder im Trinkwasserschutzgebiet und erlebten so noch weitestgehend unberührte Natur. Wasser war für sie nie nur eine Ressource aus dem Wasserhahn, sondern ein ständiger Begleiter des Alltags und ein schützenswertes Naturgut.
Wer auf diese Weise mit Wasser aufwächst, erlebt es nicht nur als Ressource aus dem Wasserhahn. Es wird Teil des Alltags und prägt den Blick auf Natur und Umwelt. Das Wissen um die Besonderheit und der Respekt werden durch den gelebten Umgang und die Pflege des Kulturguts tradiert. Im Gegensatz dazu spielt die Herkunft des Trinkwassers für viele Menschen in der Stadt kaum eine Rolle. Wasser erscheint als Selbstverständlichkeit. Gerade deshalb bleibt häufig unbemerkt, dass Grundwasser keine unerschöpfliche Ressource ist.
Der Appell, an besonders heißen Tagen Wasser zu sparen reicht schließlich nicht aus, um die Dringlichkeit wirklich spürbar zu vermitteln. Dass sich im gesellschaftlichen Leben die Sorge um Umgang mit der Natur erst mit ihrem Verschwinden und Verbrennen spürbar vergrößert, ist irgendwie jedem bekannt. Niemand möchte dieses Verhalten der Gesellschaft für gutheißen und doch ist es bequemer in der Unwissenheit zu leben. Und dabei wird es immer wichtiger. Die Sommer werden heißer, das Wasser wird knapper. Wo das Bewusstsein fehlt, fällt (politischer) Widerstand aus. So werden Entscheidungen möglich, die den Schutz unseres Trinkwassers schleichend schwächen.
Die Errichtung eines Gipsbergwerks – Gefahr für das Trinkwasser
Eigentlich soll das Wasserschutzgebiet, in dem die Zeller Stollen liegen erweitert werden. Doch entscheidet sich die Regierung Unterfranken zunächst für den Bau eines Gipswerks der Firma Knauf, was der Ausweisung des Trinkwasserschutzgebiets entgegensteht. Zusätzlich hätte der Bau eines solchen Gipswerks fatale Folgen für die Ökosysteme, Lebensräume und eben unser Trinkwasser. Das Bergwerk würde nur wenige Meter unterhalb des Hauptgrundwasserleiters liegen, der in Zuge dessen durchstoßen werden müsste. Durch Sprengarbeiten angesichts des Gipsabbaus werden Risse und Spalten im Deckengebirge zur realistischen Gefahr. Mit dem darin abfließenden Grundwasser würden rund 25 Litern Trinkwasser pro Sekunde und damit um die 20 % unseres Trinkwassers verloren gehen. Das immer knapper werdende Wasser wäre schließlich noch weniger.
Das Bergwerk hätte ebenso fatale Folgen für die Umwelt. Sprengungen, Eingriffe in den Untergrund und die Belastung von Natur und Landschaft würden den Arten- und Naturschutz erheblich beeinträchtigen. Folglich gehen wichtige Ökosystemleistungen mit dem Verlust der Artenvielfalt verloren. Sehr persönlich trifft uns jedoch die Verschmutzung und damit Unbrauchbarkeit sowie der Verlust einiger Mengen des Trinkwassers.
Das Beispiel zeigt, welche weitreichenden Folgen politische Entscheidungen für unsere wichtigste Ressource haben können. Und dennoch bleibt öffentliche Beteiligung durch die Bürger*innen weitestgehend aus.
Gerade weil Wasser im Alltag meist unsichtbar bleibt, gerät seine Schutzbedürftigkeit leicht aus dem Blick – mit Folgen für unser Handeln und gesellschaftliche Entscheidungen. Denn wieso bleibt sonst Aufruhr, Engagement und das Bedürfnis nach bewussterem Umgang mit der natürlichen Ressource aus?
Vielleicht beginnt das Bewusstsein genau mit skeptischem Blick auf die Selbstverständlichkeit unserer Ressourcen. Schutz unseres Trinkwassers fängt dort an, wo wir den Wasserhahn ganz selbstverständlich aufdrehen – indem wir uns fragen, woher dieses Wasser eigentlich kommt.

Persönliche Empfehlung – Für alle von der Neugier gepackten, woher unser Wasser kommt: Zell bietet einen genauen Einblick in die Ortsgeschichte und Trinkwasserversorgung im Wassermuseum Zell am Main mit einer öffentlich zugänglich, alten Brunnenstube. https://museen-in-bayern.de/museen/detailseite-museum/wassermuseum

*Die Informationen über (die Bewohner) Zell wurden im Rahmen einiger Interviews anlässlich einer ethnographischen Forschungsarbeit gesammelt. Die Inhalte zum Bergbau stammen aus unterschiedlichsten Internetartikeln (Bund-Naturschutz etc.), ergänzt mit Inhalten aus einem Interview mit dem Abteilungsleiter der TVW (Trinkwasserversorgung Würzburg).
Quellen:
https://www.bund-naturschutz.de/wasser/trinkwasser-bayern/wuerzburg-gipsbergwerk-odertrinkwasserschutz (Stand: 13.07.2026)
Wasserschutz statt Gipsabbau: Zeller Stollen jetzt sichern!
(Stand: 13.07.2026)