Zwischen Rennrad und Sauerteigbrot: Analoge Alternativen zum Doomscrolling
Rennrad fahren, Sauerteigbrot backen und junge Leute, die sich draußen zum Leinwände bemalen treffen – immer mehr Menschen scheinen sich zu analogen Hobbys und Erlebnissen zurückzubesinnen, um der Informationsflut der digitalen Welt zu entkommen. Doch welche Alternativen zum Handy gibt es nochmal?
Scroll. Scroll. Scroll. Zwischen den zahlreichen TikToks, die ich in der letzten Stunde konsumiert habe, sehe ich immer wieder Inhalte wie: „So habe ich meine viel zu hohe Bildschirmzeit verringert…“ oder „DAS mache ich, statt am Handy zu sein.“ Die Ironie, dass ich diese Videos auf meinem Handy sehe, bleibt hängen. Zugleich ergibt es Sinn: Wo sonst sollte mich dieser Content erreichen?
Der Griff zum Handy ist im Alltag längst ein automatischer Schritt und dank der Digitalisierung können wir unsere Erfahrungen blitzschnell mit unseren Freund*innen oder eben mit der halben Welt teilen. Dabei ist längst bekannt, dass ständige Handynutzung und hohe Bildschirmzeiten das Risiko für Dauerstress steigern. Die Informationsflut überfordert unser Gehirn, und es fehlt schlichtweg an Momenten, in denen wir bewusst Pausen machen.
Und doch: Was Forscher*innen seit Jahren predigen, scheint nun langsam auch bei Konsument*innen durchzusickern. Unser Körper braucht Auszeiten von der Erreichbarkeit und Online-Präsenz. Hier helfen analoge Erfahrungen, um das Leben wieder aktiv zu spüren. Das Ziel: Schluss mit endlosem Doomscrolling und einer Aufmerksamkeitsspanne von 7 Sekunden und rein in das echte Leben.
DOCH WAS MACHT MAN EIGENTLICH NOCHMAL, WENN MAN NICHT AM HANDY IST?
Ein paar prominente Beispiele wie Rennrad fahren und Sauerteigbrot backen haben sich bereits in der Popkultur etabliert. Es heißt: Wer 25 wird, entscheidet sich entweder für eines dieser Hobbys oder findet sich plötzlich im Training zum Halbmarathon wieder. Aber keine Sorge, es gibt noch andere Optionen:
DAS KREATIVE ERLEBNIS:
Zeichnen, Collagen erstellen oder Malen sind Klassiker für Kunstinteressierte. Wen die leere Leinwand jedoch einschüchtert, findet vielleicht Gefallen an einem „Malen nach Zahlen“. Dabei müssen es nicht die Feen- und Tiermotive aus der Kindheit sein, sondern Bilder, die man sich tatsächlich ins Zimmer hängen würde. Mittlerweile haben Anbieter*innen das Potenzial in modernen Ausmalbildern für junge Erwachsene entdeckt und mit einer kurzen Internetsuche finden sich zahlreiche Angebote.
Auch Häkeln und Stricken feierten in den letzten Jahren ein Comeback. Mit etwas Übung entstehen dabei echte Unikate wie Pullover, Decken und vieles mehr.
DAS RUHIGE ERLEBNIS:
Für alle, die von dem ganzen Trubel draußen einfach nur ihre Ruhe möchten, geht nichts über ein gutes Buch. Alternativ: mal wieder ein Magazin erwerben und darin herumzustöbern (Pinterest-Boards lassen sich damit auch analog auf einem Blatt Papier kreieren). Auch Puzzles entspannen und ähnlich wie beim „Malen nach Zahlen“ finden sich auch hier moderne Motive. Wer sich nach ein bisschen Gehirnsport sehnt und gleichzeitig nützliche Wörter lernen möchte, kann sich für wenige Euros auch ein Kreuzworträtselheft zulegen (oder einfach das Gen Z-Kreuzworträtsel in dieser Ausgabe lösen).
DAS GESELLIGE ERLEBNIS:
Wem Offline-Erfahrungen allein zu langweilig sind, der kann diese auch mit seinen Freund*innen teilen, z. B. mit einer Runde „Werwolf“ oder „Stadt, Land, Fluss“. Um seine Allgemeinbildung vor seinen Freund*innen zu beweisen, hilft außerdem ein Abend beim Pub Quiz oder man löst gemeinsam einen mysteriösen Kriminalfall mit dem Mörder am selben Tisch (Krimi Dinner). Einfacher und billiger geht es aber auch mit einer simplen Runde UNO oder Kniffel auf der nächsten Wiese oder Parkbank.
DAS KULINARISCHE ERLEBNIS:
Statt Sauerteigbrot bietet es sich an, ein altes Rezeptbuch durchzukochen oder einen Cocktail-Abend mit Freunden zu organisieren. Manchmal reicht aber auch schon ein neuer Supermarkt, um Inspirationen zu finden.
DAS SPORTLICHE ERLEBNIS:
Neben den zahlreichen Running Clubs gibt es die gute alte Tischtennisplatte, um eine Runde Tischtennis zu spielen, oder Sportvereine (wie Hochschulsport), die Anfängerkurse in Tennis, Tanz, Basketball etc. anbieten – warum also nicht eine neue Sportart ausprobieren? Wer es unkompliziert mag, kann sich auch auf sein Fahrrad schwingen und ein bisher unbekanntes Stadtviertel erkunden oder in der eigenen Gegend spazieren gehen.
WEITERE IDEEN …
… töpfern, nähen, Mosaike legen, Ketten machen, Schach spielen (lernen), Journalen, PowerPoint-Abende mit Freunden, ins Theater gehen, schreiben, ein neues Instrument lernen, wandern, ein Museum oder eine Galerie besuchen …
ANALOGE HOBBYS UND ERLEBNISSE WIRKEN IM DIGITALEN ALLTAG WIE RUHEOASEN,
in denen man sich von der ständigen Erreichbarkeit erholen kann. Aber: Sie schließen digitale Angebote nicht zwangsläufig aus, denn auch Podcasts oder Filme und Serien können entspannend sein – wenn man sie bewusst genießt. Dabei lassen sich digitale und analoge Erlebnisse auch verbinden, z. B. wenn man ein Mandala mit seinem Lieblingspodcast auf dem Ohr malt.
Am Ende geht es nämlich nicht darum, möglichst gar nicht mehr online zu sein, sondern die Balance zu finden. Also: Warum nicht gleich heute ein analoges Hobby ausprobieren?