UND DU SO?

Am 18.02.17 demonstrierten Rechtsextremisten des III. Wegs in Würzburg unter dem Motto “Ein Licht für Dresden” anlässlich der Bombardierung Dresdens 1945. Dabei standen laut offiziellen Angaben knapp 200 Neonazis 2.500 Gegendemonstranten gegenüber. Die Partei “III. Weg” gilt als Auffangnetz für Kameradschaftsaktivisten und in rechtsextremistischen Kreisen als Ausweichmöglichkeit nach einem NPD-Verbot. Das Sprachrohr wollte von Würzburgs Studierenden wissen: “Nun, sag, Würzburg, wie hast du’s mit den Demos?”
MANDY,
STUDIERT POLITICAL AND SOCIAL STUDIES:
„Für mich bedeutete es immer echtes politisches Engagement, auf eine Demonstration zu gehen, allerdings musste ich im Laufe der Zeit auch erkennen, dass hier die Redewendung der zweiseitigen Medaille nicht zu widerlegen ist.Zwar war ich für den offiziellen Teil der Gegendemonstration gegen den 3. Weg und dessen Kundgebung zu spät dran, wohl aber begleitete ich mit Freunden die anschließende semioffizielle Verfolgung der Demonstranten des 3. Weges durch die Innenstadt. So steht für mich eine Vereinigung wie die des 3. Weges für pure Aggression, musste aber auch in den Reihen der Gegendemonstranten nicht wenig eben dieser entdecken. Was bleibt, ist die Frage:
Welcher Zweck heiligt welches Mittel?”
VALENTINA
(GRÜNE JUGEND), STUDIERT POLITICAL AND SOCIAL STUDIES UND SPANISCH:
„Demonstrationen sind für uns eine sehr wichtige Möglichkeit, Meinungen kundzutun. Wichtig ist für uns dabei, dass keine menschenverachtenden Meinungen verbreitet werden. In diesem Fall ist Gegenprotest notwendig. Wir haben zu Protesten gegen die Demonstration des „III. Weg” aufgerufen und uns daran beteiligt, weil es für uns gerade in diesen von Trump, Le Pen und Höcke geprägten Zeiten wichtig ist, gegen Menschen zu protestieren, die sich den Nationalsozialismus und einen autoritären Führerstaat zurückwünschen. Nach Auschwitz kann die Losung nur „Nie wieder” heißen. Der „III. Weg” ist für uns eine neonazistische Organisation, die positiven Bezug auf den NS nimmt und daneben auch weitere rassistische, antisemitische und nationalistische Hetze verbreitet und immer wieder – wie auch zuletzt beim Würzburger Faschingszug – mit menschenverachtenden Aktionen auffällt. Das können wir auf keinen Fall unwidersprochen hinnehmen!”
MARVIN*,
STUDIERT ZAHNMEDIZIN:
,,Ich möchte zwei Aspekte beleuchten, zunächst, was mich beunruhigt: Das ist
die Tatsache, dass um die hundert gewaltbereiten Autonome den Aufmarsch zum Anlass genommen haben, Gewaltphantasien gegenüber Polizisten auszuleben. Gut finde ich aber natürlich, dass der Großteil der Bürger Würzburgs sich friedlich gegen die geschichtsrevisionistischen Extremisten des III. Wegs gestellt und Farbe bekannt haben. Für mich gilt der Satz: ob links oder rechts – jeder Extremist ist Mist.”
*Name geändert
JONAS,
STUDIERT ALTE WELT UND MUSEOLOGIE:
„Ich nahm an der Gegendemonstration teil. Bei der Inszenierung der deutschen
Bevölkerung als einziges Opfer des Bombenkriegs wurde mir schlecht. Mitleid
hatte ich vor allem auch mit den Polizisten, die aufgrund dieses Naziaufmarschs
am Samstagvormittag bis in den späten Abend hinein arbeiten mussten, ohne ihre
eigene Meinung kundtun zu können. Im Großen und Ganzen ist es schön, dass so
viele Leute an der Gegendemonstration teilgenommen haben.”
NADINE,
STUDIERT POLITICAL AND SOCIAL STUDIES UND RUSSISCH:
,,Ich selbst war noch nie auf einer Demonstration.Ich finde es aber gut, dass
sich so viele Menschen gegen die Rechtsextremisten gestellt haben.”