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Vom Germanistik-Studium zum Nähcafé: Interview mit Sarah Mittermeier, Mit-Gründerin des „Nähcafé Edeltrauds“

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Ich betrete das „Nähcafé Edeltraud“ in der Würzburger Altstadt. Schon bald ummanteln mich Warmherzigkeit und Geborgenheit. Ich laufe durch die Werkstatt im Eingangsbereich in den Café-Bereich im hinteren Teil. Inmitten einer einzigartig gestalteten Inneneinrichtung, Nähmaschinen als Deko auf den Tischen, setze ich mich schließlich auf einer heimeligen Couch nieder. Ein ofenfrischer Apfelkuchen und ein Americano werden mir gebracht. Hier fühlt es sich wie in einem gemütlichen Wohnzimmer an, hier fühlt man sich wohl.

Das „Edeltraud“ ist kein gewöhnliches Café, es ist ein Nähcafé. Richtig gedacht, hier lassen sich neben dem Verzehr von Kaffee & Kuchen auch Nähkurse belegen, Nähaufträge abgeben und Nähmaschinen mieten. Das „Edeltraud“ bietet Kurse für Kinder und Erwachsene, Raum für Kindergeburtstage oder Nähpartys an.

Mich erwartet bereits Sarah Mittermeier, eine der beiden Besitzerinnen des „Edeltrauds“. Zwischen zwei Nähkursen hat sie heute die Zeit für ein Interview mit dem Sprachrohr gefunden.

Sprachrohr: Wie kamt ihr auf die Idee des Nähcafés?

Sarah Mittermeier: Wir [gemeint ist Julia Schwedes, die andere Besitzerin des Nähcafés] sind eigentlich beide Lehrerinnen und haben uns damals in der ersten Woche unseres Germanistik-Studiums in der allerersten Vorlesung Mittelhochdeutsch kennengelernt.

…eine klassische Ersti-Lovestory also…?

…ganz genau, seitdem waren wir unzertrennlich… (lacht). Während unseres Studiums haben wir bereits in der Gastro gearbeitet, um uns dies zu finanzieren. Genäht haben wir auch schon immer. Da wir eher die Sicherheitstypen sind, dachten wir daran, uns mehrere Standbeine aufzubauen. Daher haben wir den Café-Bereich, den Näh-Bereich mit Nähkursen und Änderungen, freitags haben wir jetzt auch noch den Bar-Abend. Also alles schön breit gefächert!

Wie ist der Name „Edeltraud“ entstanden?

Die Julia wusste damals bereits, dass sie das Nähcafé im Denckler eröffnen wollte. Sie war mit dem Besitzer vom René zusammen [„Café zum schönen René“, ehemaliges Café am Würzburger Bahnhofsplatz] und die beiden waren in Berlin unterwegs. Da das „René“ ja schon auf einen Vornamen anspielt, blieb es dann bei dieser Vornamen-Richtung. „Edeltraud“ ist ja mit „edel“ bereits positiv konnotiert, also war der Name des neuen Ladens schnell gefunden.

Es ist also eine Rückbesinnung auf die gute alte Tradition.

Ganz genau. (lacht)

Wie ist so die Geschlechteraufteilung bei Euch in den Kursen? Ich habe auf eurer Facebook-Seite gelesen, ihr bietet das Nähen sogar für Männer mit zwei linken Händen an?

(lacht) Es sind schon ein Großteil an Frauen, aber es kommen auch immer mehr Männer zu uns. Frauen kommen meist und sagen: „Ich würde gern Nähen lernen“.

Männer nehmen sich dagegen häufig ganz zielstrebige und herausfordernde Projekte vor. Aber ja, es kommen definitiv immer mehr Männer auf den Geschmack des Nähens.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Nähen eine sehr entspannende Aktivität ist.

Nähen ist unfassbar meditativ! Beim Nähen arbeitet man langsam und in Ruhe. Kreative Arbeit braucht Zeit.

Habt ihr euch das Nähen selber beigebracht?

Nein, wir haben beide eine Ausbildung als Damen-Maßschneiderin. Sonst könnten wir uns das auch gar nicht so leisten. Denn es kommen schon manchmal Projekte, wofür man eine Ausbildung benötigt, Änderungen, Maßanfertigungen etc.

Also nicht nur Weihnachtssocken, sondern auch häufiger mal richtige näherische Herausforderungen?

Ja, schon. Da freut man sich dann immer! (lacht)

Bei euch werden auch Vorträge gehalten und Konzerte gespielt, wie ich gehört habe.

Richtig. Wir kriegen eine ganze Menge Einsendungen von Bands und Künstlern, die bei uns spielen wollen. Wir bauen an den Abenden dann den hinteren Bereich des Cafés zur Bühne um. Die Bands spielen bei uns immer auf Hut-Gage. Da es hier so familiär ist, werfen die Gäste immer was rein.

Ich kann mir vorstellen, dass eure Geschichte bei vielen Leuten immer wieder Bewunderung hervorruft: zwei Germanistik-Referendarinnen, die sich dachten „Lehrerin sein, das ist nichts für mich“, und schließlich das Hobby zum Beruf gemacht haben.

Ich wurde zum Glück so aufgezogen, dass das wichtigste im Leben ist, glücklich zu sein. Geld und alles ist egal. Das kann ich wirklich jedem nur auf den Weg mitgeben, weil alle sich immer so Sorgen machen: „Was ist, wenn ich doch kein Lehrer werd’?“ Ja, scheiße. Wenn du nicht glücklich bist, dann bringt dir das doch alles nichts!

Damit schwimmt ihr ja gegen den Strom und folgt nicht dem bürgerlichen Lebensweg, gekennzeichnet von Sicherheit und Beamtenstatus.

Alle sagen immer: „Boah, dass ihr euch das traut!“ Das hat mich so gewundert, da es für mich keine Frage war. Ich bin dabei immer meinem Gefühl gefolgt.

3.100 Follower bei Facebook, viele junge und alte Gäste, wenn ich mich so umschaue. Ihr habt mittlerweile eine ziemlich große Fanbase, gell?

…und der Bayerische Rundfunk hat auch schon zwei Mal etwas über uns gebracht! In unserem Laden kommen wirklich die verschiedensten Leute zusammen, jung und alt, in dem Edeltraud steckt viel viel Herzblut drin.

Das Sprachrohr bedankt sich sehr herzlich für das Gespräch!

Nähcafé Edeltraud

Grabengasse 11

97070 Würzburg

Telefon: 0931 – 710 537 10

E-Mail: naehcafe@gmx.net

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Samstag: 10.00 – 20.00 Uhr

Sonntag: 12.00 – 18.00 Uhr

Montag Ruhetag

Cian Hartung