Startups

„ ‚Willkommen auf unserer Website!’
– dieser Satz löst bei mir allergische Reaktionen aus!“
Zitat: Reemt Windmann
Der Traum vom eigenen Unternehmen. Für viele junge Leute bleibt es dabei: ein Traum. In einem Interview mit dem Gründer und Geschäftsführer der HomepageLieferanten UG, Reemt Windmann, will ich mehr über Beweggründe, politische Aspekte und Schwierigkeiten der Unternehmensgründung erfahren.
Der 25-Jährige hat bereits während seines Bachelorstudiums der Wirtschaftswissenschaften damit begonnen sein Ziel eines eigenen Unternehmens ehrgeizig zu verfolgen. Mittlerweile widmet er sich, nach erfolgreichem Abschluss seines Studiums, in Vollzeit seiner Firma. Das junge Team, durchschnittlich erst 23 Jahre alt, besteht aus 10 Mitarbeitern: Texter, Programmierer, Produktionsleitung und Geschäftsführung.
Die HomepageLieferanten sind ein Webseitenservice Dienstleister, der für seine Kunden Webseiten erstellt und wartet. „Somit produzieren wir für unsere Kunden ein Werkzeug und halten dieses auch auf lange Sicht instand“, erklärt Windmann. Dabei geht es um die attraktive und ansprechende Gestaltung der Webpräsenz verschiedenster Auftraggeber. Der Leitsatz:
„Wir erstellen Seiten, die Geschichten erzählen.“
Zu den Kunden zählen mitunter Händler oder selbstständig Tätige, wie zum Beispiel Rechtsanwälte und Architekten. Auch Social Media Marketing, wie beispielsweise über Facebook gehören zu den Aufgabenbereichen.
Zunächst interessiert mich vor allem die Frage nach der Motivation und den Beweggründen ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Windmann antwortet darauf, dass dies schon immer sein Wunsch gewesen sei. Im Prinzip ginge es darum, dass man schon früh Erfolge erzielen könne und die Selbstständigkeit bedeute, dass man alles selbst in der Hand habe.
Sicher gibt es viele junge Menschen, die gute Ideen haben, sich aber dennoch nicht trauen den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Der Jungunternehmer stimmt mir in diesem Punkt zu und bemerkt, dass unsere Generation deutlich risikoaverser scheine als frühere. „In meiner Branche ist es vergleichsweise einfach anzufangen, da man nicht von Beginn an mit hohen finanziellen Aufwendungen in Vorleistung gehen muss, das minimiert das Risiko.“ Neben seinem Studium investiert Windmann circa 4-5 Wochenstunden in sein Unternehmen: „Je nachdem, ob und welche Aufträge ich bekommen habe.“ Bereits seit 2010 arbeitet Windmann daran das Unternehmen aufzubauen, die Firmenanmeldung erfolgte 2011: „Effektiv sind wir aktuell erst im zweiten Jahr.“, so Windmann. Seit 2016 leitet er das Unternehmen hauptberuflich.
Ein Großauftrag der renommierten Confiserie Hussel 2015 stellt einen entscheidenden Wendepunkt dar. Die erzielten Erträge kann Windmann reinvestieren und zieht Anfang 2017 von seinem bisherigen Homeoffice in ein Bürogebäude des TGZ (Technologie- und Gründerzentrum Würzburg) am Hubland um.
Ich möchte wissen, welche Aspekte für den jungen Geschäftsführer die entscheidenden Plus- und Minuspunkte der Selbstständigkeit darstellen. Als herausragenden Pro-Aspekt nennt er die freie Zeiteinteilung. Man könne frei entscheiden, wie viel Arbeit man investiere und wer sich überarbeitet tue das aus eigener Entscheidung: „Da hängt natürlich auch viel Herzblut dran.“
Kritisch betrachtet er die Problematik der fehlenden gesetzlichen Versicherungen, sowie das Risiko und die Unsicherheit. „Ich denke, der angestrebte Verdienst eines Selbstständigen sollte um 50% über dem Stundenlohn eines Angestellten liegen, um so das Risiko etwas auszugleichen.“ Diese Ansicht beschreibt auch Windmanns Definition eines erfolgreichen Unternehmens: „Ich würde mein eigenes in diesem Sinne nicht als erfolgreich bezeichnen. Aktuell verdiene ich pro Stunde weniger, als ich als Angestellter verdienen könnte.“ Allerdings wirft Windmanns Unternehmen genug ab, um davon leben zu können. Das können nicht viele Jungunternehmer von sich behaupten.
Von meiner Frage nach dem Bedürfnis nach mehr Erfahrungsaustausch zwischen Startups kommen wir auf politische, sowie gesellschaftliche Aspekte. Die herrschenden Regelungen in Deutschland erschweren es kleinen Unternehmen Fuß zu fassen. „Es scheint, als habe die Politik wenig Interesse daran, Unternehmensneugründungen zu unterstützen und zu fördern.“ Windmann wünsche sich außerdem mehr Möglichkeiten des Austauschs zwischen Gründern. Er formuliert den Gedanken, von der Stadt initiierte Cluster zu bilden. Hierbei geht es um eine räumliche branchenspezifische Konzentration von Produzenten, Dienstleistern oder Institutionen. Dies würde die Business-to-Business-Kommunikation erleichtern und wäre gleichzeitig für den Verbraucher von Vorteil. Insgesamt kann festgehalten werden, dass politisch noch einige Schritte nötig sind, um Neugründungen in Deutschland zu erleichtern und zu unterstützen. Aus gesellschaftlicher Perspektive bedauert Windmann, dass häufig entweder mit „Neid, Belächeln oder Schadenfreude“ auf Startups geblickt werde. Je nachdem, ob diese erfolgreich sind oder scheitern.
„Bei der Unternehmensgründung spielen Timing, Team und Idee die entscheidende Rolle. Und zwar in dieser Reihenfolge. Eine gute Idee, wie zum Beispiel Uber, hat vorher nicht funktioniert, da nicht jeder ein Smartphone hatte. Das heißt, das richtige Timing ist häufig ausschlaggebend für Erfolg oder Nichterfolg.“, erläutert Windmann und führt aus:
„Es ist sinnvoll sich anfangs zunächst noch aus anderen Quellen zu finanzieren. Somit kann sichergestellt werden, dass Anfängerfehler auch tatsächlich – ohne gravierende Verluste – gemacht werden können. Das ist extrem wichtig, daraus lernt man.
Ich würde jedem raten, sich am besten mehrmals neu zu gründen.“
Wir danken Reemt Windmann für das Interview!
Homepage-lieferanten.de
Franziska Koller