PORTO

Ob als Urlaubsziel oder für Erasmus: Die portugiesische Metropole lockt mit gutem Wetter, erschwinglichen Preisen und süßem Portwein. Die Beschreibung eines Tagesablaufes, wie im A1-Portugiesischkurs gelernt (und mit einigen Tipps versehen).
8:47 Uhr. Der Schäferhund im Hinterhof weckt mich durch minutenlanges Bellen. Die Federn der durchgelegenen Matratze knarzen, als ich langsam aufstehe. In der Küche waren meine Mitbewohner – alles ebenfalls Erasmus-Studenten – schneller: sämtliche Kochplatten (drei) sind bereits mit Espressokochern und brutzelnden Bratpfannen ausgelastet. Ich beschließe auf dem Weg zur Uni einen Happen zu frühstücken.
9:15. Noch hängt Nebel über dem Fluss Douro, als ich eine lange Straße hinab auf die andere Seite, die Häuser von Gaia blicke. Wenn morgens Nebel in der Luft liegt, wird es nachmittags schön, hatte mir ein Taxifahrer erklärt. Die Sache mit dem Hund ist übrigens nichts Außergewöhnliches: Selbst nahe des Zentrums wirkt die zweitgrößte Stadt Portugals manchmal seltsam dörflich. Nicht wenige halten Hühner im Hinterhof. Regelmäßig sehe ich sogar einen Mann sein Schwein Gassi gehen, einmal habe ich es auch schon gestreichelt. An der Praça de Carlos Alberto setze ich mich ins „Zenith“ und bestelle israelisches Shakshuka. Pre-nelkenrevolutionäre Abschottung und Globalisierung liegen also nur ein paar steile Schritte entfernt.
10:00. Vorlesung, alles auf Englisch. In den Pausen trinken wir starken Kaffee und essen Pastel de Nata mit den portugiesischen Studenten (in der Regel mit denjenigen, die nicht in den traditionellen, an „Harry Potter“ erinnernden Uniformen gekleidet sind), in der Sonne lümmeln ein paar Katzen auf dem Campus.
17:00. Nachdem ich mich dagegen entschieden hatte, mit der Metro raus zum Strand in Matosinhos zu fahren, um zu surfen, lernte und las ich stattdessen ein wenig. Nun stehe ich auf einem Kunstrasen und passe Bälle zu Studenten verschiedenster Nationen, neben Erasmus-Leuten vor allem Brasilianern, deren Fußballstil nicht immer dem Klischee vom Zauberfuß entspricht: Ein paar pflegen durchaus eher den rustikalen, deutschen Stiefel.
21:30. Mit ein paar Freunden treffe ich mich im „Maus Hábitos“ zum Abendessen. Hierzu muss man zunächst einen Fahrstuhl ins oberste Stockwerk neben, wofür man eine gute Aussicht über die Art Déco-Neonreklame des „Coliseu do Porto“ bekommt. Wieder verschmähe ich portugiesisches Essen (für Fisch-Fans zum Beispiel Bacalhao) und bestelle Pizza.
24:00. Kurz vor dem zentralen Platz Aliados fällt uns ein, dass im Club „Villa“ eine Erasmus-Party stattfindet. Da einer jedoch seine ESN-Card (Erasmus Student Network), die zum freien Eintritt berechtigen würde, verloren hat, stapfen wir stattdessen auf der anderen Seite des Platzes die Straßen hinauf und steuern „Embaixada“ an.
01:30. Der Türsteher des „Plano B“ hatte uns zunächst abgewiesen, doch wir kennen den Trick bereits: Wir quatschen ein paar Mädels an, die gerade vorbeilaufen. Glücklicherweise kommen sie aus Lissabon und kennen sich nicht gut aus. Wir überzeugen sie, mit ins Plano B zu gehen. Durch den erhöhten Frauenanteil in der Gruppe werden wir nun problemlos eingelassen. Drinnen trinken wir Port&Tonic, die Lissabonnerinnen rauchen Kette.
03:00. Wir stolpern aus dem Club. Die Gassen um Galerias (fast alle „s“ werden übrigens wie „sch“ gesprochen) quellen vor Menschen über. Ein paar haben noch nicht genug, wollen ins „Gare“, um auf Techno zu tanzen. Wir treffen andere Leute, die man kennt. Die Gruppen verschmelzen und lösen sich auf. Ich klettere in ein Uber und lasse mich nach Hause chauffieren. Der Fahrer rast übers Kopfsteinpflaster, ist aber sehr nett. Ich muss seinem Kollegen recht geben. Es war tatsächlich ein sonniger Tag gewesen.
Andreas Jäger