German Gleichgültigkeit
Ich hab mal gelesen: “Life is all about decisions”. Gut, das war auf so nem schrecklichen Pinterest-Spruchbild, das von unliebsamen Verwandten nur allzu gerne in die familieninterne WhatsApp-Gruppe geschickt wird. Aber an und für sich hat meine Tante ja recht: Vom Outfit am Morgen über die Wahl des Studiengangs bis hin zum Briefwahlstimmzettel besteht das Leben andauernd aus Entscheidungen. Warum dabei von der Qual der Wahl geredet wird, kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen. Entscheidungen öffnen das Leben doch erst für persönliche, gesellschaftliche und politische Teilnahme.
Umso bedrückender also, dass besonders Letzteres nur allzu gern vernachlässigt wird. Während Demokratiefeinde gegen den engagierten Teil unserer Generation hetzen, entscheidet sich die Würzburger Studierendenschaft im besten Fall für aktives Desinteresse, im schlimmsten Fall für eine Ächtung all jener, die am politischen Diskurs teilhaben wollen. Scheinbar wählen wir den gleichen Weg wie unsere Eltern. Veränderung: Nein danke, Hauptsache der Tatort wird mir nicht wegpolitisiert. Die Vote-Funktion auf Jodel verkommt zum einzigen Werkzeug für demokratisches Engagement im Alltag. Brüste hoch, Nazis runter. Aber wehe, die wollen unsere Kneipen früher schließen, dann gehen auch Studis auf die Straße.
Vielleicht hat der ein oder andere ja aus #NoSperrzeit gelernt, dass selbst die eigene Wohlfühlblase in der Unistadt nicht gänzlich von Politik befreit ist. Mögen manche Entscheidungen auch noch so zäh und quälend sein, bin ich doch unglaublich froh darüber, diese Freiheit hier ausleben zu können. Sei es bei der Hochschulwahl, bei Demonstrationen oder sonst wie. Du hast nur eine Stimme. Mach, dass sie gehört wird.
Leon Montero