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Hyperion

Blog

Dokumentarkunstfilm

Waldeinsamkeit
Die mich erfreut,
So morgen wie heut
In ewger Zeit,
O wie mich freut
Waldeinsamkeit.

(Ludwig Tieck 1796)

Waldeinsamkeit, die Stille der Natur. Eskapismus, auch Realitätsflucht genannt. Eine Ausbruchshaltung als Verweigerung gesellschaftlicher Handlungs- und Zielvorstellungen. Dem Alltag entfliehen und der Natur begegnen. Davon träumt auch Mitja Schröder. Der Student der FHWS steht kurz vor seinem Bachelorabschluss und widmet sich diesen Sommer einem großen Projekt. Inspiriert von Romantik, Idealismus und Philosophien über das Verhältnis von Mensch und Natur hat er entschieden, selbst drei Tage im Wald zu verbringen. Ausgestattet mit Hängematte, Kamera und der Idee, einen Dokumentarkunstfilm daraus zu machen. Doch wie passt die Sehnsucht nach Einsamkeit und der Wunsch nach technischer Isolation mit der filmischen Dokumentation zusammen? Ein paradoxes Spiel aus Inszenierung und Naturalismus beginnt. Von seinen Vorhaben erzählte der Student uns eine Woche bevor er sich in den Wald begab. 

Sprachrohr: Wann entstand die Idee zu diesem Dokumentarkunstfilm? 

Mitja: „Die Idee kam bereits während meines Studiums auf, ungefähr ab dem 4./5. Semester.“

Sprachrohr: Was erwartest du dir von dieser experimentellen Alltagsflucht? 

Mitja: „Es ist eine Art Selbstfindung, Askese kann man sagen. Eine spirituelle Erfahrung, Ich will schauen, was passiert und wie es passiert, ob etwas passiert. Wie ich mit der Stille umgehe. Was passiert, wenn ich nichts vorhabe, nichts suche. Langeweile und Stille zulasse. Ich denke, es wird sehr meditativ.“ 

Sprachrohr: Hat der Studiengang des Kommunikationsdesgins dich zu dieser Thematik geführt?

Mitja: „Ja schon. Es ist auch daraus entstanden, dass man immer und überall mit Technologien zu tun hat und irgendwann auch eine kritische Haltung dazu entwickelt. Man fängt an zu hinterfragen, ob das die Welt ist, die man sich für sich vorstellt. Aber auch außerhalb meines Faches habe ich schon oft von Leuten in meinem Umfeld gehört, dass es die Tendenz gibt, die Sachen zu hinterfragen, weil viele auch genervt sind davon. Zum Beispiel im Bereich der Privatsphäre und die Angst, abgehört zu werden.“

Sprachrohr: Wie hast du dich theoretisch mit der Idee und Kritik auseinandergesetzt?  

Mitja: „Ich habe mir verschiedene Philosophien angeschaut, viele Ideen stammen aus der Romantik, in denen dem rationalen Weltbild etwas entgegengesetzt wird. Mit der Frage, ob alles so noch hinnehmbar ist oder Dinge überdacht werden sollten. Auch der Begriff der Waldeinsamkeit wurde in der Romantik übernommen.“ 

Sprachrohr: Wie darf man sich deine Interaktion mit der Kamera vorstellen? 

Mitja: „Ich weiß natürlich, dass die Leute mir zuhören. Ab und zu werde ich die Kamera aber auch vergessen, dann entsteht Beobachtung. Es ist ein Wechsel aus Beobachtung und Inszenierung. Ich werde auch aktiv mit ihr interagieren. Ich denke, es tut der Sache allgemein gut, dass der Zuschauer gerade gegen Ende auf einer ganz anderen Ebene abgeholt wird. Dass man denkt, es sei eine Doku und es sich dann doch wieder in eine absolute Inszenierung künstlerischer Art umwandelt.“ 

Sprachrohr: Wie gehen Kameratechnologie im Gepäck und Technikflucht im Kopf zusammen? 

Mitja: „Die Kamera, das ist das Witzige daran, kannst du gleichzeitig für etwas Positives nutzen. Sie kann es aufnehmen und wird zu einem Instrument der Vermittlung, welches man positiv verwendet, für etwas Gutes. Auch wenn man sie natürlich auch für schlechte Dinge verwenden kann.“

Sprachrohr: Wie bewertest du dieses Paradoxon von Technik und Natur? Von gut und schlecht? 

Mitja: „Ich denke, die Technologie ist vom Menschen, der Mensch ist von der Natur. Da gibt es schon Verbindungen. Es kommt nur drauf an, wie wir es nutzen. Vielleicht sollten wir beides noch stärker verbinden. Und den Umgang mit Technologie öfter überdenken.“

Sprachrohr: Was erhoffst du dir durch den Film zu transportieren? 

Mitja: „Ich versuche damit auch zu kommunizieren, wie die Natur heute mit einem spricht. Klingt sehr spirituell, aber ich denke, es findet überall Kommunikation statt, man muss nur schauen, dort wieder rein zu kommen. Den Weg zu einer vernünftigen Kommunikation zur Natur finden. Also sich selbst, die eigene Natur und auch die direkte Natur. Natur ist ein schwieriger Begriff, man kann auch sagen die Physis, der Kosmos.“ 

Zwischen Naturphilosophie, Vermittlungsästhetik, amateurhaften Filmsequenzen, Theorie und Praxis wird er etwas finden und festhalten. Der Kurzfilm soll eine Dauer von 20 Minuten bekommen und im Herbst unter anderem auf YouTube hochgeladen werden. 

Wir wünschen Mitja eine tolle Erfahrung und bleiben gespannt!

Sarah Schmittinger