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Was die Forschung uns über Freundschaft lehrt

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Alle Studierenden sind auf der Suche nach Freunden, wenn sie an einen neuen Ort ziehen. Es ist nicht immer einfach dafür die richtigen Menschen zu finden, aber soziale Interaktionen übernehmen eine überlebensnotwendige Funktion für Menschen. Daher entwickeln wir ein Affiliationsbedürfnis, das Bestreben, unabhängig von der Beziehung zu anderen Menschen, deren Nähe zu suchen (1). Dieses Bedürfnis zu stillen, kann zum Beispiel beim Mangel an Freundschaften zu Problemen führen und wird als möglicher Grund für übernotwendig viele Arztbesuche von Rentnern angegeben (2).

Daher verwundert es nicht, dass es ein relevanter Faktor zur Vorhersage von selbst bewertetem Glück und Lebenszufriedenheit ist, Freunde zu haben (3). Dieses Ergebnis konnte kulturübergreifend nachgewiesen werden. Vor allem die Qualität bester Freundschaften stellt einen verlässlichen Vorhersagefaktor für Lebenszufriedenheit dar (3). Wenn Menschen von ihren Freunden in ihrer Autonomie unterstützt werden (4) und das Gefühl haben relevant für ihre Freunde zu sein (5), zeigen Freundschaften einen positiven Zusammenhang mit Lebenszufriedenheit.

Da Qualität der Freundschaft diesen Einfluss aufweist, stellt sich die Frage, welche Faktoren qualitative Freundschaften ermöglichen. Ein interessantes Paper weist auf den Zusammenhang zwischen gemeinsam verbrachter Zeit und Nähe der Freundschaft hin. Circa 43 Stunden in drei Wochen waren notwendig, um vom Status einer Bekanntschaft zu dem einer losen Freundschaft überzugehen, von losen Freunden zu Freunden waren insgesamt 80 bis 100 Stunden in sechs Wochen nötig und von Freunden zu besten Freunden wurden 219 Stunden in drei Monaten gemeinsam Zeit verbracht. Wenn davon ausgegangen wird, dass ein Treffen an einem Nachmittag nach circa 3 Stunden beendet sind, bräuchten diese in 6 Wochen circa 30 gemeinsam verbrachte Nachmittage, um den Status einer Freundschaft zu erreichen. Interessanterweise war Zeit, die man damit verbrachte miteinander zu reden, nicht direkt damit korreliert, wie nah man sich stand. Das kann möglicherweise dadurch erklärt werden, dass auch Beziehungen zu Menschen im Arbeits- oder Schulalltag erfasst wurden. Es wurde weiterhin gezeigt, dass mehr Smalltalk auf eine losere Freundschaft hinweist. Sowohl intime Gespräche, als auch Gespräche über alltägliche Geschehnisse, sowie Witze zu machen und gemeinsam Spaß zu haben, waren relevant für enge Beziehungen (6). Daraus kann nicht abgeleitet werden, dass wenn jemand 219 Stunden in 3 Monaten mit einem anderen Menschen verbracht hat, diese beste Freunde werden. In dieser Studie wurden Teilnehmende rückblickend danach gefragt, wie viel Zeit sie mit einer von ihnen ausgewählten Person, die sie nach einem nicht mehr als 6 Monate zurückliegenden Umzug, kennenlernten, verbracht haben. Die Anzahl von gemeinsam verbrachten Stunden ist jedoch retrospektiv nicht mehr genau feststellbar. Sie wurden weiterhin gefragt, wie sie die Beziehung zu dieser Person einordnen würden. Daher könnten die Unterschiede auch auf ein unterschiedliches Verständnis davon, was Freunde, gute und beste Freunde unterscheidet, zurückzuführen sein.

Insgesamt kann aus diesem Artikel abgeleitet werden, dass es notwendig ist Zeit zu investieren, um neue Freundschaften zu schließen. Das betrifft nicht nur Zeit auf Arbeit oder in der Universität, die wir sowieso gemeinsam mit den Menschen, die unsere Freunde werden könnten, verbringen, sondern zusätzlich auch unsere Freizeit. Auf der anderen Seite hatte sich in vorangegangenen Studien gezeigt, dass sich sehr enge Freundschaften schnell entwickeln. In Zahlen scheint es zwischen 3 und 9 Wochen nach dem Kennenlernen zu dauern, bis wir Menschen als unsere besten Freunde bezeichnen (7).

Es konnte aufgewiesen werden, dass Freundschaften auch langfristig positive Effekte haben. Beispielsweise konnte die Anzahl an Freunden und die Qualität von Freundschaften im Alter von 20 Jahren bei der Vorhersage von Einsamkeit und Depressionen 30 Jahre später helfen (8). Tatsächlich verbringen wir trotz dieser positiven Effekte von Freundschaften, nicht den größten Anteil unserer Freizeit mit Freunden. In einer amerikanischen Studie gaben Menschen an, 41 Minuten am Tag mit sozialen Aktivitäten zu verbringen. Die dreifache Zeitmenge verbrachten sie vor dem Fernseher (9). Daher wäre meine persönliche Empfehlung mehr Zeit mit Freunden, weniger Zeit vor dem Fernseher zu verbringen und möglicherweise wird dieses Verhalten nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig positive Effekte auf die Lebenszufriedenheit haben.

Florentine Klepel 

(1) Stangl, W. (n.d.).  Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik. Retrieved from https://lexikon.stangl.eu/2033/affiliationsbeduerfnis/.

(2) Zeitung, S. (2016, September 9). Häufige Arztbesuche im Alter: Dahinter steckt oft Einsamkeit. Retrieved from https://www.sueddeutsche.de/leben/familie-haeufige-arztbesuche-im-alter-dahinter-steckt-oft-einsamkeit-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-160908-99-381262.

(3) Demir, M., Orthel-Clark, H., Ozedemir, M., & Ozedemir, S. B. (2015). Friendship and happiness among young adults. In M. Demir (Ed.), Friendship and happiness (pp. 117–135). New York City, NY: Springer

(4) Ratelle, C. F., Simard, K., & Guay, F. (2013). University students’ subjective well-being: The role of autonomy support from parents, friends, and the romantic partner. Journal of Happiness Studies, 14(3), 893-910.

(5) Demir, M., & Davidson, I. (2013). Toward a better understanding of the relationship between friendship and happiness: Perceived responses to capitalization attempts, feelings of mattering, and satisfaction of basic psychological needs in same-sex best friendships as predictors of happiness. Journal of Happiness Studies, 14(2), 525-550.

(6) Hall, J. A. (2019). How many hours does it take to make a friend?. Journal of social and personal relationships, 36(4), 1278-1296.

(7) van Duijn, M. A. J., Zeggelink, E. P. H., Huisman, M., Stokman, F. N., & Wasseur, F. W. (2003). Evolution of sociology freshmen into a friendship network. Journal of Mathematical Sociology, 27, 153–191. doi:10.1080/00222500390213137

(8) Carmichael, C. L., Reis, H. T., & Duberstein, P. R. (2015). In your 20s it’s quantity, in your 30s it’s quality: The prognostic value of social activity across 30 years of adulthood. Psychology and Aging, 30, 95–105. doi:10.1037/pag0000014

(9) US Dept. of Labor. (2015). American time use survey. Retrieved from http://www.bls.gov/tus/ van Duijn, M. A. J., Zeggelink, E. P. H., Huisman, M., Stokman, F. N., & Wasseur, F. W. (2003). Evolution of sociology freshmen into a friendship network. Journal of Mathematical Sociology, 27, 153–191. doi:10.1080/00222500390213137