Und jährlich grüßt das Murmeltier – Vorsätze und ihre Tücken

So allmählich hat uns die dunkle und kalte Jahreszeit wieder in ihrer Hand. Das Ende des Jahres kommt uns entgegen. Die Tage werden kürzer und die Hosenbünde enger. Natürlich kommen einem da auch die altbekannten Jahresvorsätze langsam wieder ins Gedächtnis, während man mit Spekulatius und Plätzchen gemütlich auf der Couch verweilt – es ist Weihnachtszeit. „Aber wie viele habe ich davon denn wirklich eingehalten?“, fragt man sich in diesem Moment, während man auf das Vanillekipferl in seiner Hand schaut und sich eingestehen muss, dass das dieses Jahr wohl doch wieder nicht so gut geklappt hat. Dies ist nur eines von vielen Beispielen, welches zeigt, dass die Erfolgsquote unserer Vorsätze während des Jahres schnell von Monat zu Monat kleiner wird. Meist mangelt es uns schlicht und ergreifend an Selbstdisziplin. Aber ist dies der einzige Grund?
Oft werden aus einem oder zwei Vorsätzen schnell ganz viele, wobei in diesen Momenten die Euphorie gegenüber der realistischen Selbsteinschätzung überwiegt. Das böse Erwachen erfolgt erst später. Unglücklicherweise werden Vorsätze gern mit Zielen verwechselt, wobei sie jedoch etwas Unverbindliches darstellen, dass letztlich nur dem guten Gewissen dient und uns in einer Wohlfühlzone verankern. Vielleicht wollen wir damit aber auch einfach nur gewisse Sachen aufschieben, die uns dann in einem Jahr zur gleichen Zeit wieder begegnen werden. Aber zeigt das nicht im Endeffekt ihren Stellenwert für uns? Anstatt jedes Jahr in die gleiche Leier zu verfallen, wäre es womöglich sinnvoller sich die Frage zu stellen, was man denn überhaupt erreichen möchte und wo der Weg hingehen soll. Vielleicht sollte man sich wirklich etwas treiben lassen, um herauszufinden was für Ziele man selber verfolgen möchte, anstatt sie krampfhaft im Voraus festzulegen, nur um dann doch zu scheitern. Dies betrifft bei weitem nicht nur die Zeit des Studiums, die dir die vielleicht einmalige Möglichkeit gibt, dich voll und ganz deinen Interessen zu widmen und das zu tun was dir wirklich gefällt. Womöglich hat Konfuzius mit seiner Weisheit „der Weg ist das Ziel“ doch ein wenig Recht.
Definitiv macht es Sinn sich Vorsätze zu nehmen, um an sich zu arbeiten. Sei es aus gesundheitlichen oder den persönlichen Ehrgeiz betreffenden Gründen. Letzteres wird bei vielen Studenten, besonders aber bei den Erstis der Fall sein, die nun seit einigen Wochen studieren. Nur wird dabei die Realität oft außer Acht gelassen, welche nach der zehnten Fachschaftsparty leider etwas anders aussieht. Aber ist dies schlimm? Ich denke nicht.
Auch wenn es niemand zugeben mag, viele Vorsätze existieren wohl nur aus dem Grund, um früher oder später wieder gebrochen zu werden. Eingestehen will sich dies jedoch kaum jemand. Der Schlüssel liegt möglicherweise darin, mit Freude und Begeisterung die Dinge zu verwirklichen, die man auch wirklich realisieren kann und sich nicht krampfhaft utopische Gedanken im Kopf zu verankern, die einen nur runterziehen. Dazu gehört auch eine Portion gesunde Selbsteinschätzung. Vorsätze sollten eine grobe Orientierung für das sein, was man erreichen möchte und wohin der Weg gehen soll. Aber alleine durch sie wird man nicht glücklich. Letztlich muss jeder herausfinden was er möchte und was ihn zufriedenstellt. Ob dies mit oder ohne Vorsätze gelingt, bleibt an dieser Stelle einfach mal unbeantwortet.
Ich für meinen Teil habe Vorsätzen schon seit einiger Zeit abgeschworen. Geht es mir dadurch jetzt besser oder schlechter? Weder noch. Aber womöglich hat sich gerade dadurch eine gewisse Gelassenheit entwickelt, welche mich lehrt, nicht alles immer ganz so ernst zu nehmen und so überflüssigen Druck zu vermeiden. Dieser bahnt sich für viele Leute jedoch bald an, denn bereits in einigen Wochen werden die meisten von uns wieder neuen und ausgefallenen Vorsätzen gegenüberstehen, die auf Messers Schneide stehen.
Dabei habe ich ganz und gar vergessen, dass auch ich einen Vorsatz habe. Einen alljährlichen Vorsatz. Einen Vorsatz, den ich jedem ans Herz legen kann: Glücklich sein.
Felix Thalmann