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Einfach mal im Bett liegen bleiben

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„Great things never come from comfort zones”. Sätze dieser Art liest man ja oft auf Instagram. Gerne gleich morgens, denn sind wir doch alle ehrlich: Nach dem Aufwachen hat das Handy Priorität. Ob man will oder nicht. Sofort springen einem die neuesten Instagram-Stories mit Influencern entgegen, die schon um 5:30 Uhr meditiert haben, eine halbe Stunde joggen waren, sich um 10 Uhr eine kleine Acai-Bowl genehmigen, um dann fit für den anstehenden Tag zu sein. Dieser ist selbstverständlich auch schon durchgeplant. Nach ein paar Minuten sieht man sich dann selbst im Bildschirm des Handys, eventuell noch etwas zerzaust und mit müden Augen. Man spürt diesen Druck, sein Leben in den Griff bekommen zu müssen, denn so wie man gerade seinen Tag gestaltet, ist es ja offensichtlich nicht richtig. „Vielleicht sollte ich echt einmal in die Gänge kommen“, denkst du dir. Es geht so weit, dass sich ein schlechtes Gewissen einschleicht, wenn man mal länger auf der Couch sitzt, mit seiner Zeit könnte ja etwas Besseres angefangen werden: Sich selbst finden, Bananenbrot backen, schreiben oder zeichnen, um ein paar prominente Beispiele zu nennen. Immerzu soll man sich neuen Herausforderungen stellen, Risiken eingehen, über sich hinauswachsen. Nur so kann man anscheinend langfristig erfolgreich sein, das ultimative Glück finden und schließlich die beste Version von sich selbst sein. Natürlich liegt in diesem Gedankengang auch viel Wahrheit, denn wer sich nie auf neue Möglichkeiten einlässt, wird letztendlich nur schwer angestrebte Ziele erreichen. Für das eigene Glück muss man eben auch selbst hin und wieder aktiv werden, Zurückweisungen akzeptieren und die eigene Komfortzone der heiligen Bequemlichkeit verlassen. Hier liegt aber ein ziemlich wichtiger und entscheidender Punkt: Wenn du mit deiner jetzigen Lebensführung zufrieden bist, musst du dich nicht damit „quälen“, irgendeinem Ideal zu entsprechen. Und nein, hiermit sollen diverse Aktivitäten, die gerne auf Social Media zu sehen sind, nicht schlecht geredet werden. Wenn man Lust darauf hat und tatsächlich etwas Neues ausprobieren will, ist das doch super. Wenn man jedoch schon morgens schlechte Laune bekommt, weil diese eine Sache noch gemacht werden „muss“, sollte spätestens zu diesem Zeitpunkt die innere Alarmglocke läuten. Nur weil anscheinend jeder so seinen Tag verbringt, muss man diesem Ablauf nicht auch strikt Folge leisten. Denn die Wahrheit ist: Jeder zeigt nur das, worauf er stolz ist, wofür man bewundert werden soll, eben nur „das Schöne“. Und eigentlich ist das ja auch kein Geheimnis. Jeder weiß das mittlerweile. 

Ich will mit meinem Text nicht vermitteln, dass sowohl eigene harte Arbeit, als auch die Motivation, Ziele zu erreichen, letztendlich überbewertet sind und wir alle einfach perspektivlos im Bett chillen sollten.  Mir ist viel wichtiger, dass man zwischen Zwang und Offenheit gegenüber neuen Dingen unterscheidet. Wenn man tatsächlich nicht damit zufrieden ist, wie der eigene Tag gestaltet wird, ist es für die Gesundheit vermutlich empfehlenswert, die Ursache dafür zu finden und daran zu arbeiten. Dann muss, beziehungsweise kann (!), man über seinen Schatten springen und die eigene Komfortzone verlassen. Eventuell also neue Menschen oder Tätigkeiten in sein Leben lassen.  

Um an dieser Stelle auch eine Entwarnung zu geben: Gerne darf man zwei Stunden länger im Bett liegen bleiben. Und im gemütlichen Bett darf man auch gern mal bis 14 Uhr frühstücken, schlicht und konventionell mit Marmeladen-Toast. Getrost darf man auch das Treffen mit Freunden absagen, wenn man merkt, dass ein Abend allein auch guttun würde. Man fühlt sich eben nicht danach, verübeln wird es einem keiner, dass man eben mal nicht dabei ist. Solange es einem damit gut geht, ist daran nichts auszusetzen. Die eigene Komfortzone muss nicht immer aufs Neue durchbrochen werden, denn sie ist ja nicht per se ein Übel, welches überwunden werden muss. In der Komfortzone fühlt man sich wohl und, oh Wunder, auch in ihr passieren „great things“. Denn bestenfalls hast du deine Liebsten um dich und kannst die Dinge tun, die dich interessieren. In die Komfortzone integriert man stets Neues, einiges muss aber auch von Zeit zu Zeit „aussortiert“ werden. Dabei kann es sich um Aktivitäten handeln, aber auch um Menschen, die nur für eine bestimmte Dauer in dein Leben getreten sind. Vielleicht sollten wir lernen, die eigene Komfortzone mehr zu akzeptieren, denn so kleinkariert, wie es ihr Ruf vermuten lässt, ist sie gar nicht. Du entscheidest, wo sie gerade anfängt oder auch endet. Ob dir im Moment nach Gesellschaft zumute ist oder ob du deine Zeit für dich brauchst, liegt in deiner Hand. Und das ist unglaublich wertvoll. 

Karina Thiem