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Sehnsucht

Blog

Da ist es wieder, dieses erdrückende Gefühl. Diese überwältigende Sehnsucht nach diesem Ort, der mich in seinen Bann gezogen und verzaubert hat. Ich bin überwältigt von seinem ergiebigen Charakter, vereint sind so viele Persönlichkeiten. Und doch münden all diese schließlich in eine vollkommene Form. Für mich ergibt sich ein perfektes Bild. Mit jedem Gedanken an seine beispiellosen Bewohner, seine fließende Dynamik und seine versteckten Winkel wird mir so warm ums Herz. Ich muss lächeln.

Und doch bin ich nicht dort. Was hat dieser Ort an sich, dass ich ihm so verfallen bin? Ich akzeptiere seine Schwächen, alle Makel und Eigenarten. Denn diese haben ihn miterschaffen und prägen ihn Tag für Tag. 

Ob ich naiv bin? Idealisiere ich einmal mehr? Welchen Ursprung hat meine Sehnsucht denn wirklich?

Da ist etwas, das mich bedrückt, mich melancholisch stimmt. Und so kann es nicht bleiben. 

Ich strebe nach Veränderung, nach neuen Abenteuern. Möglicherweise kann ich diese an meinem ersehnten Wunschort erhalten. Aber wer kann mir das versichern? 

Vielleicht habe ich mir eine Traumwelt erschaffen. 

Sollte ich mich nicht mit dem zufriedengeben, was ich mir bereits aufgebaut habe?

 Ich fühle mich mit meinen Gefühlen allein – jeder scheint klaglos zu sein, alle satt. 

Und dann gibt es mich. Ich träume. Sehne mich nach einem Leben, welches ich mir schon ausgemalt, mir schon gebastelt habe. Jedoch muss ich mir eingestehen, dass bloße Veränderungen meiner Umwelt nicht für umfassendes Lebensglück sorgen können. Es ist auch ein innerer Prozess, der geschehen muss. Ich lebe in einer Blase, in einer idealisierten Vision, ohne Bedacht auf Ernüchterung. 

Ich kann nicht darauf hoffen, dass besagter Ort meine Unzufriedenheit allein ertränkt. Letztlich bin ich mein eigener Bewohner.

Mein Traum muss kein unrealistisches und utopisches Kunstwerk in meinem Kopf bleiben. Ich lächle, denn mir ist dies jetzt bewusst.  

Karina Thiem