„Kein Fleisch mehr in der Mensa!“

…forderten einige als Antwort auf die Frage der Montagsmail des SSR. In der Realität sieht das Mittagessen dort aber ganz anders aus: Montag Schweineschnitzel, Dienstag Burger, Mittwoch Pizza Speciale – fettig, ungesund und vor allem sehr fleischlastig?! Diese Debatte um den Anteil des fleischhaltigen und vegetarischen Angebots in der Mensa wurde von der Montagsmail angestoßen, ist aber eigentlich immer aktuell. Stets stören sich Studierende an der, für sie, mageren Auswahl an vegetarischen bzw. veganen Gerichten in der Mensa. Sie wünschen sich mehr Vielfalt, eine andere Verteilung des Verhältnisses von vegetarischen und Fleischgerichten, und auch oft gesündere Gerichte. Dennoch gibt es Studierende, die diese Debatte für unsinnig halten und auf ihr tägliches Fleisch in der Mittagspause nicht verzichten wollen.
Wusstet Ihr, dass es in Deutschland sogar zwei Mensen gibt, die rein vegetarisch bzw. sogar vegan sind? Das studierendenWERK Berlin mit der „Mensa FU Veggie N° 1“ und das Studentenwerk Erlangen-Nürnberg mit der Mensa „St. Paul VeggieZone“. In Nürnberg gibt es die fleischlose Mensa sogar schon seit 2012, seit 2018 ist sie rein vegan. Das ist natürlich schon ein enormer Unterschied zu unseren Mensen in Würzburg. Hier gibt es normalerweise zwar mindestens zwei vegetarische Gerichte, teilweise auch eine vegane Alternative, aber eben auch drei bis fünf Fleischgerichte. Damit ist das Verhältnis mit 1:2 oder sogar 2:5 schon ungleichmäßig verteilt.
Was viele vielleicht gar nicht wissen, ist, dass unsere Mensen von PETA Deutschland e.V. als vegan-freundlich ausgezeichnet wurden. Kurz als Erklärung: PETA ist eine Partnerorganisation von PETA USA, der größten Tierrechtsorganisation, die sich aber auch viel mit vegetarischer bzw. veganer Ernährung beschäftigt. 2015-2017 erhielten die Mensa Studentenhaus, die Mensa Hubland Süd und die Mensateria am Campus Nord die Auszeichnung „Vegan-freundliche Mensa“. 2018 wurde die Mensateria erneut ausgezeichnet. Dieser kleine Wettbewerb der Mensen in Deutschland steigert das Engagement der Studentenwerke, mehr fleischlose Gerichte anzubieten, um ein gutes Rating zu bekommen.
Aber: Unsere Mensen hier in Würzburg haben bislang maximal drei von möglichen vier Sternen bekommen. Es besteht auf jeden Fall noch Verbesserungspotential.
Warum gibt es denn so viele Fleischgerichte? Natürlich weil die Nachfrage sehr groß ist!
Der häufigste Beweggrund von Studierenden, Fleisch in der Mensa essen zu wollen, ist wohl ihre eigene Gewohnheit, Fleisch als etwas Wichtiges und Selbstverständliches zu sehen. Wer sein ganzes Leben lang jeden Mittag Fleisch gegessen hat, kann und möchte nicht einfach so darauf verzichten. Die Ansichten des Elternhauses spielen hier eine große Rolle, wobei auch Studierende ihren Auszug als Chance sehen, weniger Fleisch zu konsumieren. Dennoch meinen manche, dass ihnen ohne eine fleischhaltige Mahlzeit zum Mittag die Energie für die Uni fehlt. Was hier fehlt, ist wohl eher Aufklärungsarbeit.
Ein anderer Blickwinkel auf diese doch sehr negative Argumentation ist der, dass Studierende weniger Fleisch zuhause kaufen und zubereiten, wenn sie ihre „Ration“ schon mittags in der Mensa gegessen haben. In der Mensa sind die Fleischportionen auch kleiner als das selbst gekochte Essen, das meist mehrere Tage reicht. Wenn man dann auch weniger Fleisch kauft, sinkt die Nachfrage im Einzelhandel und auch hier wird ein Umdenken angestoßen.
Die große Frage bleibt aber: Liegt die hohe Nachfrage an Fleischgerichten an der schlechten vegetarischen Auswahl in der Mensa?
Um mir diese Frage zu beantworten und einen Einblick in das ganze System zu bekommen, vereinbarte ich ein Gespräch mit Herrn Zielke, dem Abteilungsleiter der Hochschulgastronomie des Studentenwerks Würzburg. Denn so einfach ist es nicht, täglich allein während der Mittagsöffnungszeit in der Mensateria bis zu 2800 Studierende zufrieden zu stellen. Das ganze Küchenteam arbeitet unter Hochdruck und möchte dauerhaft gute Qualität garantieren, weshalb auch öfter die besten Gerichte um 14 Uhr ausverkauft sind. Wer um 11 Uhr kommt, soll die gleiche Qualität bekommen, wie derjenige, der es erst um 14 Uhr schafft. Aber was einmal in der Ausgabetheke liegt, kann nicht mehr verwendet werden und muss weggeschmissen werden. Und da muss eben geschaut werden, was überhaupt noch angeboten werden soll bzw. kann. Für die Tonne wollen die Mensen sicher nicht produzieren! Nachhaltigkeit liegt dem Studentenwerk am Herzen. Das Fleisch wird zum Großteil von der regionalen Metzgerei Dees eingekauft, die Wurst in der Cafeteria ist bewusst ohne Geschmacksverstärker gewählt. Aber auch bei den anderen Zutaten wird sich Gedanken gemacht. Wenn bei der Gemüselieferung die Gurken in Plastikfolie eingepackt sind, kann der Lieferant sie gleich wieder mitnehmen!
Allen Ansprüchen kann man aber sowieso nie gerecht werden. Herr Zielke betont, dass es in den verschiedenen Mensen unterschiedliche Angebote gibt, je nach Zielgruppe. Beispielsweise gibt es in den Essensausgaben am Röntgenring oder in der Josef-Schneider-Straße, in denen Medizin- und Psychologiestudierende sind, gesünderes Mittagessen als in der Mensateria oder der Mensa am Studentenwerk, in denen ein großes Spektrum an Studierenden essen. Ebenso wie an der Mensa am Studentenwerk. Viele Schulungen und Kochkurse halten die Mitarbeiter*innen auf dem aktuellen Stand. Hier, oder durch verschiedenste andere Kooperationen, entstehen auch die Aktionswochen, bei denen es immer vegane Gerichte gibt, denn Herr Zielke sieht Potential in veganen Speisen: „Mit denen sind alle zufrieden“, sagt er, „die Veganer, die Vegetarier und manchmal sogar auch die Fleischliebhaber.“
Er fordert gezielt auch nochmal alle Studierenden auf, die irgendein Problem mit dem Geschmack, der Qualität oder allgemein mit ihrem Mittag- oder Abendessen haben, direkt auf die Mitarbeiter*innen der Mensa zuzugehen und es anzusprechen. „Uns liegt es wirklich am Herzen, dass alle Studierenden zufrieden und satt die Mensa verlassen!“, betont Herr Zielke oft. Natürlich kann der Küche mal ein Fehler unterlaufen, aber wie wir alle wissen, sind die Mensa-Mitarbeiter*innen die nettesten Menschen überhaupt. Zudem meint er, kann man sich gerne mit Sonderwünschen an die Mitarbeiter*innen wenden, gerade auch, wenn es eine vegetarische Alternative sein soll.
Denn auch wenn man sich eigentlich omnivor ernährt, gibt es genug Gründe, mal zu einem vegetarischen Gericht in der Mensa zu greifen. Dass die vegetarische Alternative immer gesünder ist, sei allerdings mal in den Raum gestellt. Jedenfalls beinhaltet das Gericht oft mehr Gemüse als die typischen Fleischgerichte. Wenn man jetzt aber die Nährwerte von „Hähnchenpiccata auf Zucchini“ oder „Tomatenragout mit Spaghetti“ mit „Überbackenen Tortellini in Sahnesoße“ vergleicht, wählen gesundheitsbewusste Studierende sicherlich nicht die vegetarische Alternative an diesem Tag. Was aber wohl einer der ausschlaggebendsten Punkte ist, ein fleischloses Gericht zu wählen, ist der Preis. Die vegetarischen bzw. veganen Gerichte sind im Vergleich zu den Fleischgerichten fast immer bis zu einem Euro günstiger. Und dass fleischlos essen ein kleines bisschen besser für unsere Umwelt ist, brauche ich wohl niemandem erzählen.
Man muss ja auch nicht immer fleischlos essen, aber wer nach diesen Argumenten immer noch direkt an den vegetarischen Gerichten vorbei zum Fleischgericht des Tages rennt, den kann man sowieso nicht davon abhalten. Zu verlieren hat man nichts, selbst wenn man am Ende nur der innere Schwabe siegt, wenn man 50 Cent bei dem Mittagessen gespart hat.
Ich bedanke mich noch einmal bei Herrn Zielke für das nette und sehr informative Gespräch!
Johanna Kreiter