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Psychologie und Klima – was hat das miteinander zu tun?

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97% aller Studien zum Thema Klimawandel zeigen übereinstimmend, dass dieser existiert (1). Trotz dessen scheint ein übermäßiger Anteil der Diskussionen über dieses Thema auf den restlichen 3% der Studien zu beruhen. Die Klimaerwärmung ist hauptsächlich menschengemacht (2). Dabei beeinflusst unser Verhalten, wie schnell der Klimawandel voranschreitet; wie wir den Klimawandel wahrnehmen, beeinflusst wiederum unser Verhalten. Auch wenn psychologische Forschung uns nicht vor der Klimaerwärmung retten kann, kann sie uns helfen das Wechselspiel zwischen Klimawandel und menschlichem Verhalten zu verstehen.

Insgesamt stellt sich die Frage, wieso nicht mehr Maßnahmen ergriffen werden, um dem Klimawandel entgegen zu wirken. Aus der psychologischen Perspektive stellen sich viele Fragen und vermutlich sind die meisten von ihnen noch nicht ausschöpfend beantwortbar: Wie nehmen wir den Klimawandel wahr? Handeln wir aufgrund unseres Wissens? Aber auch, wie beeinflusst der Klimawandel unsere Psyche?

Abbildung 1: https://news.gallup.com/poll/126560/americans-global-warming-concerns-continue-drop.aspx

Zuerst soll darauf eingegangen werden, inwiefern Menschen das Risiko, welchem sie durch den Klimawandel ausgesetzt sind, verstehen. Dazu kann man wohl zusammenfassend sagen: dürftig. Menschen in Industrieländern halten den Klimawandel für ungesichert, vor allem in der Zukunft angesiedelt und geographisch weit entfernt (3). Dies alles sind Faktoren, welche dazu führen den Klimawandel als weniger relevant anzusehen. Diese Einstellung wird als Leugnen des Klimawandels interpretiert, welches aufgrund von finanziellen und emotionalen Vorteilen schlüssig ist. Verschiedene Kampagnen von Öl- und Kohlevertrieben tragen zusätzlich zu diesem Verhalten bei. Weiterhin führen negative Vorhersagen zu mehr Ängsten, welche oft leugnendes Verhalten hervorrufen oder verstärken. Beispielsweise drücken Einwohner der USA wenige Sorgen über extreme Wettererscheinungen, wie Dürren, aus. In 2002 sorgten sich nur 13% einer Gruppe von US-Amerikanern, um den Einfluss des Klimawandels auf sich selbst und ihre Familien (4). Durch emotionale Reaktionen, wie beispielsweise hervorgerufen durch Greta Thunberg, kann die Wahrnehmung des Klimawandels beeinflusst werden, wobei diese Veränderung oft nicht anhaltend ist. Das wird durch die Wahrnehmung des Klimawandels als „natürlicher Prozess“ begründet, beziehungsweise durch das Gefühl, dass das Individuum, sowie die Gemeinschaft, aber auch Wissenschaft und Technologieentwicklung keinen entscheidenden Einfluss haben (3).

Abbildung 2: https://news.gallup.com/poll/126560/americans-global-warming-concerns-continue-drop.aspx

Aktuellere Studien zeigen, dass mittlerweile circa 75% der US-Amerikaner glauben, dass der Klimawandel existiert, was jedoch auch bedeutet, dass jeder 4. Amerikaner das Gegenteil behauptet (5). Weiterhin gibt dieser Anteil an Amerikanern an, sich Sorgen um ihre Zukunft, die Zukunft ihrer Kinder und ihrer Enkelkinder zu machen. Daher stellt sich die Frage, inwiefern diese Wahrnehmung unser Verhalten beeinflusst. Dazu muss gesagt werden, dass jene, welche sich Gedanken um den Klimawandel machen, am ehesten das Gefühl der Hilflosigkeit erleben (6). Trotz dessen ein Großteil der Menschen in Industriestaaten das Problem des Klimawandels anerkennt, sind viele Personen nicht dazu bereit ihren Komfort und ihren Lebensstandard aufzugeben, um zu einer Verbesserung der Situation beizutragen (7). Ein Modell dafür, wie umweltfreundliches Verhalten entsteht, wird durch eine Kausalkette erklärt (8). Am Anfang dieser steht der Wert Altruismus, welcher gemeinsam mit dem Glauben, dass Natur fragil und vor dem Menschen zu schützen ist, dazu führt schützendes Verhalten als notwendig anzusehen. Die entstehende Norm führt gemeinsam mit einer spezifischen sozialen und kulturellen Situation zu schützenden Verhaltensweisen. Diese Situation besteht vor allem darin die finanziellen Möglichkeiten zu haben Verhalten zu ändern, aber beispielsweise beinhaltet sie auch wie gut das Nahverkehrssystem ausgebaut ist. Dieses gezeigte Verhalten kann z.B. darin bestehen überflüssiges Licht auszuschalten, energieeffiziente Autos zu kaufen und Politiker zu wählen, die dem Klimawandel entgegenwirken wollen. Diese Gruppe der altruistischen Menschen mit umweltschützenden Gedanken, schätzen auch die Risiken des Klimawandels als höher ein. Das wiederum sei unabhängig davon, welche Arbeit man verfolge. Experten heben vor allem langfristige Folgen hervor, wobei die Allgemeinbevölkerung eher einen Fokus auf kurzfristige Folgen legt. Da Verhaltensänderungen in der Allgemeinbevölkerung nötig sind, um Veränderungen herbeizurufen, sollte Verständnis von Langzeitfolgen unterstützt und veränderte Handlungsweisen finanziell erschwinglich werden.

Zum Verständnis von Langzeitfolgen wird Kommunikation als wichtiges Hilfsmittel benötigt. Auch wenn wenig Forschung zu Kommunikation spezifisch über den Klimawandel existiert, zeigt Forschung zu umweltbetreffenden Themen interessante Ergebnisse. Eine Studie betrachtete einen Park in Arizona, in dem Holz gestohlen wurde. Diesem Verhalten sollte vorgebeugt werden, indem Schilder aufgestellt wurden, welche besagten, dass 14 Tonnen Holz jedes Jahr gestohlen werden. Dies führte jedoch nicht zu einer Reduktion, sondern zu einem Anstieg dieser Straftat. Möglicherweise wurde dadurch die implizite Nachricht gesendet: Das macht doch sowieso jeder, dann kannst du das auch tun. Dieselbe Studie entwickelte eine deutlich effektivere Methode, welche darin bestand innerhalb der Nachricht einen Fokus auf die soziale Missbilligung dieses Verhaltens zu setzen. Der positive Einfluss dieser Nachricht auf das Stehlen zeigt, inwiefern Kommunikation beeinflusst wie wir handeln (9). Es kann außerdem sinnvoll sein die Anzahl der Leute, die spezifisches Verhalten zeigen, zu benennen. Eine Studie konnte zeigen, dass der Glaube darüber, wie sehr Nachbarn versuchten Strom zu sparen die beste Vorhersagevariable dafür ist, wie viel Aufwand die Person investiert Strom zu sparen (10). Das wurde herausgefunden, indem Versuchshaushalten entweder mitgeteilt wurde, dass Nachbarn sich oft darum bemühten Energie zu sparen, dass das Sparen von Energie positiv für die Umwelt, die Gesellschaft oder für den eigenen Geldbeutel sei. Insgesamt zeigte die Nachricht über die Nachbarn den größten Einfluss, wobei die Versuchsperson selbst keinen Einflussfaktor darin sahen. In einigen Fällen ist es außerdem relevant Informationen zu kombinieren, was beispielsweise an einer Studie mit Hotelgästen und deren Handtuchnutzung demonstriert wurde. Wenn Hotelgäste nur auf soziale Werte oder nur darauf, was andere Personen taten, hingewiesen wurden, zeigte sich keine Handtuchnutzungsänderung. Wenn jedoch beide Themen zeitgleich angesprochen wurden, benutzten Teilnehmer signifikant weniger Handtücher (11). Das zeigt eindeutig, dass die Art und Weise, wie der Klimawandel und die damit notwendigen Verhaltensänderungen, kommuniziert werden einen Einfluss darauf hat, wie Menschen letztendlich handeln.

Nicht nur der Mensch beeinflusst den Klimawandel, sondern der Klimawandel hat auch einen Einfluss auf den Menschen – unabhängig von dessen Wahrnehmung. Es ist zu erwarten, dass Hitze, extreme Wetterbedingungen und ausgeprägterer Wettbewerb um Ressourcen, gemeinsam mit der bereits existierenden Ungleichheit zwischen Gruppen und Nationen, zu mehr Stress und Ängsten im Allgemeinen führen wird. In Folge vorangegangener Hitzewellen zeigten sich erhöhte Mord- und Suizidraten, sowie mehr physische Angriffe und Missbrauch innerhalb von Ehen (12). Auch wenn Menschen nicht direkt von den Folgen betroffen sind, wird deren mentale Gesundheit durch die Wahrnehmung und die Angst vor den Veränderungen negativ beeinflusst werden. Jedoch werde es nicht nur negative Folgen geben. Mehr kollektive Verantwortlichkeit wird vorhergesagt (2).

Aufgrund der Aktualität des Themas, z.B. betont durch die FridaysforFuture-Bewegung, ist mit weiter sinkenden Zahlen von Klimaleugnern zu rechnen. Dabei sollte beachtet werden das notwendiges Verhalten in Referenz zu sozialen Normen und Verhalten anderer kommuniziert wird. Es ist zu hoffen, dass das Verständnis der Gesellschaft durch das Engagement der jungen Menschen verbessert und dadurch Verhalten indirekt beeinflusst wird. Trotzdem ist es nötig die infrastrukturellen und finanziellen Möglichkeiten zu schaffen, um diese Verhaltensänderung zu ermöglichen.

Florentine Klepel

(1) Cook, John, et al. “Consensus on consensus: a synthesis of consensus estimates on human-caused global warming.” Environmental Research Letters 11.4 (2016).

(2) https://www.apa.org/research/action/gc-climate-change.pdf

(3) https://www.apa.org/science/about/publications/executive-summary.pdf

(4) Leiserowitz, A. (2006). Climate change risk perception and policy preferences: The role of affect, imagery, and values. Climatic Change, 77, 45-72.

(5) https://www.psychologytoday.com/us/blog/the-moment-youth/201903/the-psychology-climate-change-why-feelings-matter

(6) Leiserowitz, A., Maibach, E., Roser-Renouf, C., Feinberg, G., Rosenthal, S., & Marlon, J. (2014). Climate change in the American mind: Americans’ global warming beliefs and attitudes in November, 2013. New Haven, CT: Yale. University and George Mason University. Yale Project on Climate Change Communication.

(7) Stoll-Kleemann, S., O’Riordan, T., & Jaeger, C. C. (2001). The psychology of denial concerning climate mitigation measures: evidence from Swiss focus groups. Global Environmental Change, 11(2), 107-117.

(8) Stern, P.C., Dietz, T., Abel, T., Guagnano, G.A., & Kalof, L. (1999). A value-belief-norm theory of support for social movements: The case of environmentalism. Human Ecology Review, 6, 81-97.

(9) Cialdini, R.B. (2003). Crafting normative messages to protect the environment. Current Directions in Psychological Science, 12, 105-109.

(10) Nolan, J.M., Schultz, P.W., Cialdini, R.B., Goldstein, N.J., & Vladas Griskevicius (2008). Normative social influence is underdetected. Personality and Social Psychology Bulletin 34, 913-923.

(11) Schultz, P.W., Khazian, A.M., & Zaleski, A.C. (2008). Using normative social influence to promote conservation among hotel guests. Social Influence, 3, 4-23.

(12) Doherty, T. J., & Clayton, S. (2011). The psychological impacts of global climate change. American Psychologist, 66(4), 265.