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Zukunftsangst

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Was sie mit uns macht und warum sie trotzdem wichtig ist

Angst – ein Phänomen mit dem es bereits ziemlich jede*r Studierende zu tun bekommen hat. Und auch die meisten kennen das Gefühl der inneren Unruhe, Unsicherheit oder kriegen Bauchschmerzen, wenn es um Zukunftsfragen geht. Ist es doch so viel einfacher, sich erst gar nicht mit Ereignissen auseinanderzusetzen, die mehr als ein Jahr in der Zukunft liegen. Sich fest an etwas zu binden oder sich vorzustellen, dass das Leben nicht für immer so weiter gehen wird wie bisher, ist häufig ein großer Schritt und es ist hart sich einzugestehen, dass sich mancher Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen sollte. 

Aus der eurozentristischen Perspektive steht die Angst vor Krieg und Zerstörung nicht an erster Stelle, genauso wenig wie die Furcht davor, zu verhungern oder zu verdursten. Die Sorge, morgen könnte man wegen seines Glaubens oder seiner politischen Einstellung verfolgt, gefoltert oder umgebracht werden, gehört ebenfalls nicht zum Alltag von Studierenden in Europa. Es ist wichtig sich ständig vor Augen zu führen, dass gegen die meisten Ängste, die nicht aus Krieg oder Verfolgung resultieren, selbst aktiv vorgegangen werden kann und es muss Dankbarkeit dafür geben, dass diese existenziellen Ängste kein Alltag mehr sind oder zumindest momentan nicht zu den unmittelbaren Themen gehören.

Sorgen begleiten den Alltag heute wie das wöchentliche Einkaufen und der Gedanke an frühere Zeiten, bessere Zeiten, folgt den Menschen wie ihr eigener Schatten auf Schritt und Tritt. Vermeintlich einfacher und leichter schienen das Leben und der Genuss zu Zeiten der Freizügigkeit vor eineinhalb Jahren gewesen zu sein; unter vielen Leuten, als der Einzelne noch als kleinstes Molekül einer großen Masse galt – auf einem Festival, einer Reise ins Ausland, in einer großen Stadt. 

Heute holt die Realität den Einzelnen in einem der häufigeren einsamen Momente in der kleinen Wohnung oft schneller ein und er beginnt zu denken – was habe ich in der Vergangenheit erreicht, was kommt in der Zukunft auf mich zu? Bin ich glücklich? Was, wenn ich scheitere, es nicht schaffe? Was, wenn ich vergesse, wie das Leben vor bald eineinhalb Jahren aussah? Geldsorgen, Verlustängste, die Sorge nicht gehört, nicht ernst genommen zu werden oder den Abschluss nicht zu bestehen, zu versinken in einem Meer aus Stress und gleichzeitig der aussichtslose Kampf gegen einen quälenden Schwall von Langeweile, weil es keinen Ausweg gibt, keinen Ausgleich, der dem bitteren Geschmack des schnöden Alltags eine erträgliche Süße verleiht. Und doch erlebt jeder das gleiche, weshalb auch die Gespräche immer mehr zu den gleichen werden und die Ängste sich zu Ähnlichen bündeln. Alle sitzen im selben Boot und doch weiß niemand wohin mit seiner Angst. 

Es wäre großartig, wieder ein scheinbar sorgloses Kind zu sein, welches die Angst in seinem Umfeld nicht aktiv wahrnimmt, zumindest nicht mit dem Druck, mit dem es der Erwachsene tut. Und zwar immer und überall. Doch der Menge und Intensität an Sorgen, die der Einzelne in sein Leben lässt, kann aktiv entgegengesteuert und so die schwere Last der Zukunftsangst erleichtert werden. 

Zurück in die Zukunft Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung (rnz.de)
Zurück in die Zukunft Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung (rnz.de)

#1 Das Thema Angst rational angehen

Angst ist ein natürlicher, chemischer Prozess, der seit der Geschichte der Menschheit von immenser Wichtigkeit für das Überleben der Gattung des Menschen war. Heute ist er das immer noch. Das Empfinden von Angst, Sorge oder Nervosität zeigt unserem Körper zuerst einmal, dass wir uns in einer wichtigen Situation befinden, in welcher es jetzt gilt, einen kühlen Kopf zu bewahren. Bewusstsein darüber, dass Emotionen dieser Art in diesen Situationen normal und sogar von Bedeutung sind, kann den auf ihnen lastenden Druck ein ganzes Stück nehmen. Genauso verhält es sich mit den weit verbreiteten Sorgen über die Zukunft, die sich ein jeder macht. 

Die entscheidende Frage ist doch: Worüber sollte sich der Einzelne mehr Gedanken machen, als darüber, was die Zukunft bereithält oder auch welche Bedrohung sie darstellen kann? Rechtfertigt diese Frage nicht auch gleichzeitig die Angst oder Nervosität, die so mancher bei dem Gedanken an die Zukunft verspürt?

Aus Fehlern und Enttäuschungen der Vergangenheit hat jeder inzwischen hinreichend die bittere Erfahrung gemacht, dass diese Ängste durchaus begründet sein können. Angst vor der Angst zu haben führt jedoch lediglich zu schlichtem Einfrieren jeglicher Handlungsmöglichkeiten – und letztendlich verhindert es den Fortschritt des Lebens. Ein bisschen Angst oder Sorge ist außerdem gesund: So ist man bei Angst vor dem Scheitern bei einem Bewerbungsgespräch nicht zu lässig oder lernt bei Furcht vor finanziellen Schwierigkeiten frühzeitig sparsam mit Geld umzugehen. Fängt Angst jedoch an den Alltag zu beherrschen ist es immer ratsam, sich frühzeitig Hilfe zu holen.

#2 Über die Angst reden

Niemand muss mit seinen Sorgen allein bleiben. Vom guten Freund bis zur Seelsorge oder Ärzten gibt es Hilfe, die eigene, scheinbar nicht zu bändigende Angst in den Griff zu bekommen. Geteiltes Leid ist halbes Leid und oft findet sich die Situation bei anderen Gesprächspartnern in ähnlicher Form wieder. Zu hören, dass niemand auf dieser Welt mit seinen Problemen und Ängsten allein ist, ist schon eine große Erleichterung und vereinfacht den Umgang mit Angst um einiges. 

#3 In der Gegenwart leben

Es geht nicht nur um das, was in der Zukunft passiert. Dem Hier und Jetzt sollte immer am meisten Aufmerksamkeit gewidmet werden. Genauso wie vergangene Geschehnisse, so eindrücklich sie auch gewesen sein mögen, irgendwann ruhen sollten. Wer nur sorgenvoll in die Zukunft schaut oder die Vergangenheit nicht loslässt, verpasst das Leben. Einen gewissen Respekt hat ein jeder vor der Zukunft, doch der Alltag wird letztendlich immer in der Gegenwart bestritten. 

#4 Stärken und Erfolge vor Augen führen

Angst vor zukünftigem Scheitern oder konkreten, bedrohlich erscheinenden Situationen ist häufig die Folge schlechter Erfahrungen aus der Vergangenheit. Autounfälle, plötzliche finanzielle Engpässe, Diagnosen vom Arzt, ein plötzlicher Jobverlust oder Liebeskummer können Zukunftsängste schüren, doch werden solche Erfahrungen niemals aufhören zu existieren. Doch es gibt nicht nur diese schlechten, schmerzlichen oder gar traumatischen Erinnerungen, die den Gedanken an die Zukunft prägen können: Auch die persönlichen Stärken und Erfolgserlebnisse können das Selbstvertrauen fördern und die Zukunftsangst minimieren. Besonders in der aktuellen Zeit, in der der Alltag wie festgefroren scheint, ist es umso wichtiger, sich an die eigenen, schönen Erfahrungen zurückzuerinnern. Die persönliche, mentale Stärke, die eigene Resilienz und die Kritikfähigkeit gewinnen so an Kraft und die Angst vor Ereignissen der Zukunft minimiert sich automatisch. 

#5 Den Geist eines Kindes haben

Was ist einem Kind wichtig? Etwa ein Spiel mit Freunden spielen, etwas malen oder basteln oder Gummibärchen essen sind von allergrößtem, kindlichen Interesse und in schnellster Zeit mehr Wasserbomben voll machen als der andere ist die höchste Rivalität, die zwischen Kindern stattfindet. Auch finden Kinder sich in erster Linie nicht hässlich oder schön, sehen keine gesellschaftlich konstruierten Ideale und schämen sich nicht, kennen keine Faulheit oder Arbeitswahn, haben keine Geldsorgen, Stress oder Druck, empfinden Hass oder Liebe, sind sich ihrem Auftreten nicht bewusst, haben keine Angst blöde Fragen zu stellen und denken auch nicht ständig daran, was morgen anders oder gar schlimmer sein könnte. Nicht immer kann die Denke eines Kindes das sorgenvolle Grübeln um die Zukunft lindern, doch gerade in manchen Situationen ist es schön, sich an unbeschwerte Zeiten zurückzuerinnern oder diese in manchen Ritualen oder Denkweisen wieder aufleben zu lassen. Dies kann ungemein helfen, sich selbst nicht ständig zu ernst zu nehmen und zu erkennen, dass die Welt nicht untergeht, wenn das Jobangebot an jemand anderen geht, die Waschmaschine kaputtgeht, das nächste Date abgesagt ist oder das Auto in die Werkstatt muss. So schnell gibt ein Kind auch nicht auf und häufig geht es ihm dabei wirklich nur um Sandburgen bauen.  

#6 Panik und Angststörungen: Wenn du in deiner Angst gefangen bist und wie du schnell an Hilfe kommst 

Nichts ahnend im Bus zu sitzen oder im Bett zu liegen, an der Kasse im Supermarkt, im Hörsaal oder auf einer Party – auf einmal schnürt die Angst die eigene Kehle zu und drückt sich auf die Brust, es wird schwer zu atmen und zu denken. Bloß keine Aufmerksamkeit erregen nur weg, weg, weg und am liebsten raus aus der eigenen Haut, sodass diese furchtbare, blinde Panik ein Ende hat. Panikattacken sind kein Tabu-Thema mehr und doch schämen sich viele noch immer darüber zu sprechen oder nehmen sich selbst gar nicht ernst. Doch spätestens wenn dein Alltag durch dich übermannende Ängste immer unmöglicher zu bestreiten wird, solltest du dir Hilfe holen. 

Es ist keine Schande dir Hilfe zu holen. Die Welt ist groß und voller angsteinflößender Dinge, da ist es vollkommen natürlich, dass man sich nicht immer allem gewachsen fühlt. 

Freunde verstehen dich. Auch wenn es dir vielleicht albern vorkommt oder du Angst hast, allein dazustehen – die richtigen Menschen verstehen dich. 

Auch die Universität bietet Möglichkeiten, dir bei Angst oder anderen Problemen weiterzuhelfen: Auf der Homepage der JMU Würzburg findest du unter folgendem Link ein breites Spektrum an Beratungsstellen: https://www.uni-wuerzburg.de/lehre/betreuen-und-beraten/beratungsstellen-an-der-jmu/. Auch das Studentenwerk Würzburg bietet Hilfe an: https://www.studentenwerk-wuerzburg.de/beratung/psychotherapeutische-beratung.html. 

Kümmere dich um dich selbst, sei dir selbst dein bester Freund und lass dir helfen, wenn du das Gefühl hast du schaffst es gerade nicht allein. Du hast es verdient, dass dir geholfen wird. Deine Ängste sind nicht lächerlich. Deine Zukunft ist wichtig. Und wie wunderbar hört sich eine Zukunft an, die nicht ständig von Ängsten gefressen wird? Wenn du das Gefühl hast, es würde helfen mit jemandem Professionellen zu sprechen: Gehe zum Arzt und lass dich möglicherweise zu einem oder einer Psychotherapeut*in, Psycholog*in oder Psychiater*in überweisen. Häufig zahlt da sogar die Krankenkasse.

Und vergiss niemals: Egal wie wahnsinnig die Zukunft manchmal erscheinen mag, enthält sie doch auch so viel Schönes und eröffnet großartige neue Möglichkeiten, die Spaß machen und außerdem noch etwas können: Dir so manche Angst auch einfach zu nehmen.

Charlotte Jost