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Die Dinge nehmen, wie sie kommen

Blog

(Quelle: killikus.de)

Es ist ein kalter, grauer Wintertag im Januar. Ein junger Mann erwacht aus seinem tiefen Schlaf und blickt auf die Zimmerdecke. Wie viel Uhr wird es sein? Was für ein Tag heute wohl ist? Das weiß er nicht. An diesem Tag steht nichts Besonderes an. Minute um Minute bleibt er liegen, versinkt in seinen Gedanken und schafft es nicht, endlich aufzustehen. Ein Gefühl der Lethargie hat seinen Körper durchdrungen, ohne jemals wieder verschwinden zu wollen. Mit Ach und Krach richtet er sich schließlich auf, setzt sich auf die Bettkante und schaut aus dem Fenster. Doch Sonne und Wärme kann er nicht wahrnehmen. Ein grauer Schleier bedeckt den Himmel. Es ist ein Tag wie jeder andere für den jungen Mann, in einer Jahreszeit, geprägt von endloser Tristesse. Dieses Mädchen, es schreibt ihm nicht. Ob er sie wohl wieder sehen wird? Diese Frage möchte er sich nicht stellen, da er die Antwort kennt. Alles scheint gleich und das Unerwartete, die Spontaneität des Lebens nicht mehr zu existieren. Ein endloses Warten auf bessere Zeiten. Doch wie lange nur? Um danach auf eine vergeudete Zeit zurückzublicken und in Selbstmitleid über Verpasstes zu baden?

Doch an diesem Tag kämpft sich die Sonne durch das Grau. Im Gedanken, es gäbe sie nicht mehr, scheinen Sonnenstrahlen während eines Spazierganges auf seine Haut. Vögel zwitschern wild vor sich hin und die Strömung des Flusses übertönt die Geräusche der Autos. Er schließt seine Augen. Balsam für die Seele. Die Natur und ihre vielseitigen Facetten, das gefällt ihm schon immer. Das Wasser des Flusses, es ist stets in Bewegung und bahnt sich seinen Weg, trotz zahlreicher Hindernisse. In seiner gewohnt nachdenklichen Art geht ihm diese Vorstellung nicht mehr aus dem Kopf. Das erste Mal seit langem verspürt er wieder diesen Tatendrang, dieses mittlerweile so ungewohnte Gefühl. In Bewegung bleiben. Dieser Satz soll ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen. Die Natur als Quelle der Antwort? Vielleicht sind es gerade die kleinen, sonst selbstverständlichen Momente, die in dieser Zeit des Ausnahmezustandes auffallen und zu denken geben. Eine Herausforderung, die Dinge zu nehmen, wie sie sind und daraus das Beste zu machen. Sehr früh wird es dunkel, weshalb er sich auf den Weg nach Hause macht. Doch dieser Tag wird dem jungen Mann in Erinnerung bleiben. Am Abend sitzt er grübelnd an seinem Schreibtisch. Ohne diese blöde Situation wäre doch alles so viel besser, denkt er sich. Da fällt ihm wieder der Fluss vom Nachmittag ein. In Bewegung bleiben. Ein junger Bursche mit Plänen und Träumen. Doch Umstände, die diese verhindern. Das kann es nicht sein. Es wird Zeit, die Arme hochzukrempeln und sich nicht hinter seinen Ausreden zu verstecken, wie er findet. Mit großem Tatendrang und einem guten Gefühl legt er sich schlafen.

Zunächst verabschiedet sich die Sonne erst einmal wieder und die grauen, tristen Wintertage prägen das Bild. Nichts scheint sich verändert zu haben. Doch mit der Zeit vollzieht die Natur ihren Wandel. Das Wetter wird besser. Die Lebensqualität steigt. Das findet auch der junge Mann, als er ein paar Monate später am Fluss erneut seine Kreise zieht. Wieder blickt er auf die Strömung und muss an jenen Wintertag zurückdenken. Seitdem hat sich viel getan. Alles fängt an zu Blühen und die Menschen zieht es wieder heraus. Auch wenn von Normalität keine Rede sein kann, der Winterschlaf ist vorbei. Neue Aufgaben stehen bevor. Eine Sprache möchte er lernen. Im Sommer zieht es ihn in eine neue Stadt. Bald geht das Studium weiter. Die Zukunft steht in den Sternen. Der nächste Schritt ist ungewiss. Was im nächsten Jahr sein mag, kann niemand vorhersagen. Aber vielleicht ist das auch gar nicht schlimm.

Mit etwas Abstand blickt er auf das vergangene Jahr. Nicht alles war schlecht. Doch Abfinden kann und will man sich damit auf Dauer auch nicht. Schwierige Zeiten lagen und liegen vor ihm. Doch damit ist er nicht allein. Jeder geht mit außergewöhnlichen Situationen auf seine eigene Art und Weise um. Manch einer fällt in ein Loch. Und manch anderer weiß damit besser umzugehen. Eine Last, die jedoch gemeinsam getragen werden muss. Dennoch hört das Leben deshalb nicht auf oder ist weniger schön. In diesen Zeiten sind es die einfachen Dinge, die Hoffnung geben und nach vorne blicken lassen. Vielleich gibt das aber nicht nur dem jungen Mann die Möglichkeit, zu erkennen, was wirklich zählt.

Nach einer halben Ewigkeit sieht er überraschenderweise einige seiner alten Freunde am Fluss und genießt, was sonst das Normalste der Welt war. Seine Freude kennt keine Grenzen und Glücksgefühle machen sich breit. Es gibt sie also doch noch. Diese Momente, die einen antreiben und alles drum herum zumindest für einen Augenblick vergessen lassen. Bessere Zeiten sind auf dem Vormarsch. Aus seinem Trott hat er sich mittlerweile befreit. Das Leben so nehmen, wie es kommt. Sich den Hindernissen nicht beugen. In Bewegung bleiben. Mehr bleibt einem nicht übrig.

Es ist Zeit, sich nicht unterkriegen zu lassen. Es ist Zeit, nach vorne zu Blicken. Es ist Zeit, das Leben wieder zu genießen.